Als ukrainische Studierende in den Alltag zurückfinden?
Ukrainer:innen an der RUB

Seit einigen Wochen treffen erste geflüchtete  Ukrainer:innen in Bochum ein. Unter ihnen sind auch junge Studierende, welche die Universitäten anlaufen. An unserer RUB starten zeitgleich die ersten Aktionen zur Eingliederung der ankommenden Student:innen in den universitären Alltag. Zu den ersten Vorreiterprojekten gehört die Unterstützungsgruppe der Ukrainer:innen an der RUB. 

Група взаємодопомоги Українців Рур-Університету, so lautet die ukrainische Selbstbezeichnung der Gruppe rund um Maxim Kukol – einem Mathematikstudenten, der seit seinem Masterabschluss 2019 an unserer Universität lehrt und promoviert.

Dem Initiator und Leiter der Gruppierung war und ist der Kontakt zu Studierenden immer ein Anliegen, das in der aktuellen Ausnahmesituation der ukrainischen Studierenden an Gewicht gewonnen hat. Mit der tatkräftigen Unterstützung durch die Psychologische Studienberatung an der RUB, der Selbsthilfe-Kontaktstelle Bochum, des Paritätischen und dem International Office als Ansprechpartner rief Maxim eine Anlaufgruppe, – die erste ihrer Art – für alle interessierten Ukrainer:innen an unserer Universität ins Leben. 

Zunächst unter dem Aufruf zu einer Selbsthilfegruppe für Ukrainer:innen erreichte Maxim mithilfe seines unten abgedruckten Angebots der Hilfestellung bereits über 30 Personen, die er in einer Telegramgruppe versammelte, welche in ihrer Anfangszeit lediglich ukrainische Studierende miteinander in Kontakt bringen und auch ein Sicherheitsnetz für Geflüchtete Studierende bieten sollte. In dieser Gruppe kristallisiert sich für Maxim heraus, dass das Bedürfnis nach Unterstützung groß ist und Hilfsangebote dankend angenommen werden, sodass seine virtuelle Telegram-Gruppe schnell nicht mehr nur zum reinen Ins-Gespräch-Kommen dient und auch ukrainischstämmige Mitarbeiter:innen der RUB den Anlaufpunkt, den die Gruppe bietet, gerne nutzen. 

Für Maxim wuchs damit einhergehend der Wunsch, aktiver zu werden, weshalb sich die Gruppe am letzten Donnerstag das erste Mal in der Universität traf. Dabei wurde deutlich, dass der Begriff Selbsthilfe in der Realität nicht das Anliegen der Gruppe trifft, wie sich im Gespräch über die Gruppenziele zeigte – sehr wohl ist jedoch das ukrainische Wort Взаємодопомога, das zu Deutsch etwa mit dem Neologismus Gegenseitighilfe (die den Aspekt der Selbsthilfe durchaus miteinschließt) zu übersetzen ist. Der Ausdruck Selbsthilfegruppe sei für Maxim im Deutschen negativ besetzt und drücke außerdem nur schwerlich aus, was seine Unterstützungsgruppe zu erreichen versucht:  
„Das Kennenlernen und Menschsein, als Mensch, nicht als Kriegsopfer, sondern als Student:in sich austauschen als junge Studierende“, so Maxim, sei das vorrangige Anliegen der Gruppe, die genau dafür einen geschützten Raum bietet, einen Safer Space, außerhalb des Kriegskontexts. 

Ihm gehe es darum, den Menschen ihren Platz in der Normalität zurückzugeben und eine gewisse Stabilität zu bieten. Daher ist es Maxim besonders wichtig, dass die Ukrainer:innen wieder „wahrnehmen, dass man lebt und im Hier und Jetzt ankommen.“ Aus diesem Grund fokussieren sich die in Zukunft regelmäßig stattfindenden Gruppengespräche nicht auf schwere Themen oder die Vergangenheit. Natürlich kann der Russland-Ukraine-Krieg nicht ausgespart werden und er soll auch keinesfalls zur Leerstelle werden, sodass politische Themen in einem gewissen Rahmen sehr wohl auch innerhalb der Gruppe angesprochen werden können, aber im Vordergrund steht für Maxim der Austausch im und über das Hier und Jetzt, das ist seine oberste „Spielregel“, denn: „Die Gruppentreffen dienen auch zum Entspannen. Zum Runterkommen und zum Kräfte sammeln und Ankommen“. Daher sind auch Ausflüge, zuletzt zum Beispiel nach Düsseldorf und gemeinsame Mensabesuche, Gruppen-, Spiele- und Filmabende geplant.

 

Ein Aufruf an alle Ukrainer:innen an der RUB

 

„Liebe ukrainische Studierende, 

Liebe ukrainische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der RUB, ich möchte euch gerne die Unterstützungsgruppe der Ukrainer:innen der Ruhr-Universität Bochum vorstellen. 

Die Idee dieser Gruppe ist es, einen Ort zu schaffen, an dem ukrainische Student:innen und Mitarbeiter:innen unserer Uni miteinander in Kontakt kommen und sich kennenlernen können. 

Wir werden gemeinsame Treffen organisieren, Informationen austauschen und uns in allem unterstützen. 

Wenn ihr Interesse habt und in der Gruppe mitwirken wollt, würde ich mich sehr darüber freuen! 

Schreibt mir einfach eine E-Mail an maxim.kukol@rub.de.“

:Rebecca Voeste