Ballungszentrum mit Bildungslücken
Trotz Fortschritten Schlusslicht
Bild: lewy
Von der Industriemetropole zum Bildungszentrum? Nicht wirklich.

Bildungsbericht. Laut dem Bildungsbericht stieg im Ruhrgebiet zuletzt der Anteil der Hochschulabsolvent:innen, trotzdem bleibt das Bildungsniveau vergleichsweise niedrig.

Die Bildungsinitiative RuhrFutur der Mercator-Stiftung hat im Dezember gemeinsam mit dem Regionalverband Ruhr ihren Bildungsbericht Ruhr 2020 (BBR) vorgestellt. Dieser ist das Ergebnis von Diskussionen mit 224 „Bildungsakteur:innen“ aus 13 Kommunen sowie von sechs Hochschulen, die an sechs Workshops teilnahmen. Der Bericht benennt, was aus Sicht der Autor:innen Erfolge und Probleme der Bildungspolitik in der Region zwischen 2012 und 2019 waren und versteht sich als „wichtiges Steuerungsinstrument (…) für eine zukünftig kontinuierliche regionale Bildungsberichterstattung.“
Neben der hohen Erwerbslosigkeit und Armut ist laut Bericht auch die durchschnittliche Bildung im Ruhrgebiet niedriger: Seit 2013 stieg der Anteil der Menschen ohne Schulabschluss sogar um 1,4 Prozentpunkte auf 6,7 Prozent im Jahr 2018. Dagegen ist der Anteil der Personen mit Hochschul- und Fachhochschulabschlüssen der einzige Bereich, der sich zuletzt positiv veränderte: Er stieg um fünf Prozentpunkte auf 32,1 Prozent, ist damit aber nach wie vor deutlich niedriger als in Restdeutschland. Mehr als die Hälfte der Studis im Ruhrgebiet kommt aus einem Elternhaus ohne akademischen Hintergrund, bundesweit sind es dagegen rund 46 Prozent. Während es hier die höchste Hochschuldichte Europas gibt, sind zugleich Profs äußerst dünn gesät: Auf eine:n Professor:in kommen 106 Studierende, bundesweit ist das Verhältnis 68 zu eins.

Als Handlungsempfehlungen plädiert der BBR vor allem für weitere Kooperation, in erster Linie zwischen den Kommunen und den Hochschulen, aber auch mit „weiteren Akteuren“. Das dürfte eine Anspielung auf Wirtschaftsunternehmen und private Stiftungen sein. Schließlich steht hinter der Mercator-Stiftung selbst die Unternehmerfamilie Schmidt-Ruthenbeck, die zu den 40 reichsten Familien Deutschlands zählt, wobei das Vermögen freilich in der Schweiz verwaltet wird. Die Stiftung, die sich auch sonst „zukunftsorientiert“ gibt, steckt ihr Kapital insbesondere in die Themenbereiche Bildung, Migration und Integration sowie Verkehrswende.

:Leon Wystrychowski