Role Play Convention 2014: Kommerz und Leidenschaft, analog und digital
Treffen sich ein Zwerg und ein Zombiewrestler …
Foto : mar
Willkommen in der Festung des Wahnsinns: Auf der RPC in Köln per Du mit dem Erzengel Tyrael. Foto : mar
Willkommen in der Festung des Wahnsinns: Auf der RPC in Köln per Du mit dem Erzengel Tyrael.

Chewbacca ist ein zwei Meter großer Wookie. Trotzdem lebt er auf dem Planeten Erde mit lauter kleinen Menschen. Ergibt keinen Sinn? Wenn in Köln Wookies auf Ents treffen, mittelalterliche Hellebardiere an der Endzeit teilhaben und Erzengel mit Piraten eine Zigarette rauchen, dann kann es dafür nur eine Erklärung geben: Europas größte Rollenspielmesse, die Role Play Convention, kurz RPC, hat wieder ihre Pforten geöffnet. Am 10. und am 11. Mai strömten über 40.000 Menschen in die Koelnmesse, um zu erleben, was es Neues in gleich Dutzenden von Welten gibt.

Veranstaltungen wie die RPC zeigen, wie vielfältig das Universum der Fantastik ist. Eigentlich ist es ein Multiversum, denn es enthält nicht nur unzählige verschiedene Welten, sondern auch ganz unterschiedliche Erscheinungsformen derselben: Die RPC sieht sich als Fach- und Publikumsmesse für alles, was Leute, die an Rollenspielen interessiert sind, gefallen könnte: Vom klassischen Fantasy-Pen&Paper-Rollenspiel á la „Das Schwarze Auge“ (welches dieses Jahr seinen 30. Geburtstag feiert) über einen Mittelaltermarkt mit Met- und Pelzständen, Science-Fiction-Tabletop- und Kartenspielen bis hin zu Horrorliteratur und einem Anime-Kino gab es so ziemlich nichts, was es nicht gab. Weit mehr als 200 AusstellerInnen und HändlerInnen verteilt auf zwei Messehallen und einen langläufigen Außenbereich sorgten für ein abwechslungsreiches Programm.

Die Platzhirsche in Halle 5.2 waren natürlich diejenigen, die das meiste Geld mit Rollenspielen verdienen: Die Publisher erfolgreicher Computerspielreihen. Die französische Firma Ubisoft als eine der HauptsponsorInnen der Messe präsentierte auf einem riesigen Stand den neusten Ableger der „Assassin’s Creed“-Reihe, „Black Flag“ , der zwar nicht wirklich Rollenspiel ist, hier aber wohl trotzdem genug InteressentInnen gefunden haben dürfte. Der deutsche Hardware-Hersteller Roccat, vor allem bekannt durch ComputerspielerInnen-Mäuse und -tastaturen trug genauso zur allgemeinen Beschallung bei wie der Stand, an dem „Risen 3: Titan Lords“ der 1997 in Bochum gegründeten und mittlerweile in Essen ansässigen Firma Piranha Bytes erstmals der Weltöffentlichkeit zum Spielen zugänglich gemacht wurde. In dieser Halle gab es große Lautsprecher und noch größere Bildschirme, viele Computer und noch mehr Werbegeschenke. Erschöpfte Moderatoren verschenken Computermäuse an diejenigen MessebesucherInnen, die am lautesten „Final Fantasy“ rufen, ein Werbefilm auf einer riesigen Leinwand erzählt, warum „Watch_Dogs“ das nächste große Ding für die Playstation 4 sei.

Viel Spaß auch mit weniger Budget

Nur wenige Meter weiter ist der Stand vom Ulisses-Verlag, der unter anderem das erfolgreichste deutsche Rollenspielsystem „Das Schwarze Auge“ herstellt und vertreibt. Ebenfalls professionell, ebenfalls alles andere als klein, zeigt er trotzdem, was für ein finanzieller Unterschied zwischen einem global player wie Ubisoft und einem erfolgreichen deutschen Spartenverlag besteht. Dennoch ist es hier und an den benachbarten Rollenspielständen voller als im durchprofessionalisierten Kommerzland. Hunderte RollenspielerInnen stöbern hier durch Abenteuerbände, probieren Tabletops aus, suchen nach dem schönsten Ikosaeder, besser bekannt als W20 oder 20-seitiger Würfel.

Wahre Innovationen findet man meistens bei den kleinen Ständen: Das Spiel „KiCKeT!“ der Firma IPP etwa ist eine Mischung aus Warhammer, Subuteo und echtem Fußball: Zwei Teams aus 20-30 Zentimeter großen Fantasyfiguren treten im Fußballspiel gegeneinander an, die Figuren werden über den Rasen bewegt, der Ball mit dem Fuß gespielt. Der Ritter passt zum Troll, der hat freie Schussbahn aufs Tor. Doch dann setzt der Magier einen Eiszauber ein, die Eiskristalle (aus Kunststoff) lenken den Ball ab, der Schuss geht ins Leere.

Mutanten vs. Trolle

Halle 4.2 ist in erster Linie von Live-RollenspielerInnen bevölkert. LARP (Live Action Role Playing Game)-Gruppen und -Verbände präsentierten hier ihre Spielwelten und kommenden Veranstaltungen. Das typische Fantasy-/Pseudomittelater-szenario schien dabei ins Hintertreffen zu geraten: Die wahren Hingucker waren die Jungs und Mädels aus der Postapokalypse. Die Areale der Gruppen Lost Ideas, Wasteland Warriors und Fraktal erregten mit rostigen Fahrzeugen, viel nackter Haut und kreativer Zweckentfremdung von Relikten aus der „Welt vor der Katastrophe“ einige Aufmerksamkeit. Auch wenn die entsprechenden reinen Fantasy-LARP-Stände vielleicht unauffälliger waren, galten die unzähligen Gewandungs-, Mittelalter-, Kunststoffwaffen-Stände dann doch den Fantasy-LARPerInnen. Tolkiens Erben lassen sich auch von einem nuklearen Winter nicht unterkriegen.

Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Auf der RPC 2014. Foto: mar
Autor(in):