Kommentar: Deutschland zeigt keine Anteilnahme mit Russland
Trauerroutine?
kac
Deutschland zeigt sich kalt: so hätte das Brandenburger Tor aussehen können.Bearbeitung: kac
Deutschland zeigt sich kalt: so hätte das Brandenburger Tor aussehen können.

Kommentar. Der Berliner Senat entschied sich gegen Beleuchtung des Brandenburger Tors in russischen Nationalfarben. Doppelmoral?

Nach dem Anschlag in Sankt Petersburg am 3. April, bei dem 14 Menschen getötet und 50 verletzt wurden, kommt es weltweit zu Empörung darüber, warum die Hauptstadt das Brandenburger Tor nicht beleuchtet. Andere Großstädte wie Paris oder Hamburg sowie soziale Medien haben den Opfern in Russland in einer öffentlich sichtbaren Weise Kondolenz ausgedrückt. Berlin erklärt, es gebe eine Entscheidungsgrundlage: Städtepartnerschaften oder besondere Beziehungen zwischen Städten begründen solche Trauersymbolik. Beim Orlando-Anschlag auf einen Gay-Club wurden rund 50 Menschen getötet, woraufhin das Brandenburger Tor in Regenbogenfarben illuminiert wurde. Hierbei sei ein „besonderer Bezug“ zu sehen, da sich Berlin als Stadt der Vielfalt sehe. Eine schwammige Begründung seitens des Senats. Unsere Hauptstadt hat selbst keine Partnerschaft mit St. Petersburg, aber der Bezirk Mitte mit dem St. Petersburger Stadtteil Petrogradskij Rajon, wo der Anschlag stattfand. Dass die Entscheidung mit Putins Politik zu tun habe, davon distanziert sich der Senat. Das glaube ich nicht. Sind 14 Menschenleben zu wenig für den Senat?

Trauerart überdenken

So langsam scheinen wir in eine Art Trauerroutine verfallen zu sein. Nach jedem Anschlag die gleichen Reaktionen auf sozialen Medien und eben am Brandenburger Tor. Doch wer A sagt, muss auch B sagen: Die Trauerart sollte dann grundsätzlich diskutiert oder geändert werden. Denn auch, wenn Putins Politik mehr als fragwürdig ist, sollten die Betroffenen nicht ausgeschlossen werden. Ihre Verluste und Schmerzen haben den gleichen Stellenwert wie die der Betroffenen in Orlando, Nizza oder Paris. Die russischen Nationalfarben gehören nicht ausschließlich Putin, sondern auch denen, die unter ihm leiden.

Nach dem jüngsten Anschlag in Stockholm hat Berlin auch keine schwedischen Farben auf das Brandenburger Tor geworfen. Vielleicht ist die Routine nun vorbei.

:Katharina Cygan