Aktuelle Entwicklungen zur PCB-Belastung in allen Universitätsgebäuden
Todesfuge an der RUB
Illustration: mar
Schwirren nicht nur durch die Luft von GA: Krebserregende Biphenylpartikel.

Nach Aussagen des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) ist der erste Abschnitt der PCB-Sanierungsmaßnahmen in den N-Gebäuden abgeschlossen. Dafür wurden zwischenzeitlich neue Messungen der Giftstoffe in den G-Gebäuden und MA durchgeführt; die Ergebnisse erfordern teilweise sofortige Maßnahmen. Die Arbeitsgruppe „PCB an der RUB“ der Stabsstelle Arbeitssicherheit und Umweltschutz koordiniert die Sanierungs- und Präventionsmaßnahmen, die studentischen VertreterInnen von AStA und FachschaftsvertreterInnenkonferenz (FSVK) beschäftigen sich ebenfalls mit der Sache. Das Hochschulpolitik-Referat des AStA hat einen PCB-Stammtisch für alle interessierten Studis eingerichtet.

PCBs (polychlorierte Biphenyle) sind toxische Chemikalien, die als Bestandteile von Baustoffen, die vor 1979 in Deutschland verwendet wurden, vor allem als Weichmacher in Gebäude-, Fenster- und sonstigen Fugen, Farben und Lacken sowie als Flammschutzmittel in Deckenplatten. Bei der Sanierung werden diese Bauelemente, die Primärquellen genannt werden, weil sie mit PCBs hergestellt wurden, entweder entfernt, oder, wo dies nicht möglich ist, versiegelt.

Wo es Primärquellen gibt, da gibt es auch Sekundärquellen. Dies sind Gegenstände, die lange Zeit schadstoffbelasteter Luft ausgesetzt waren. So berichtet Matthias Brüggemann, Referent für Hochschulpolitik beim AStA, dass beim Rück-Umzug ins frisch sanierte IC-Gebäude hunderte Aktenordner ausgetauscht werden mussten. Handlungsbedarf bestehe demnach wohl auch bei vielen Bibliotheksbuchbeständen.

Sofortiger Handlungsbedarf in GA

Nach den neuesten Messergebnissen, die der studentischen Vertretung vorliegen, sind vor allem Räume der G-Reihe und in MA teilweise stark mit den giftigen polychlorierten Biphenylen kontaminiert. Allein in GA tauchten an sieben Orten Konzentrationen von über 3.000 ng/m³ Luft auf, was bedeutet: sofortiger Handlungsbedarf; die Räume müssen saniert werden. In einigen Fällen ist dies bereits vor Monaten geschehen, zwei MitarbeiterInnen des Lehrstuhls für Erziehungswissenschaft haben derzeit provisorisch ihr Büro nach ICN verlegen müssen und stehen für ihre Studierenden für ein paar Wochen in erster Linie per E-Mail zur Verfügung.

Die Zahl der Räume, in denen Messwerte von über 300 ng/m³ festgestellt wurden, geht in den dreistelligen Bereich. „Raumluftkonzentrationen unter 300 ng PCB/m³ Luft sind als langfristig tolerabel anzusehen (Vorsorgewert)“, heißt es in der PCB-Richtlinie NRW des Landesministeriums für Bauen und Wohnen vom Juni 1996. Das bedeutet, dass geprüft werden muss, ob und wie die Räume noch nutzbar sind, langfristig aber eine Sanierung erfolgen muss. Im Falle von IA und IB wurde die Nutzung der Gebäude bis September dieses Jahres vonseiten der Bezirksregierung Arnsberg gestattet. Zur Zukunft der beiden Ingenieursgebäude liegen zwar noch keine offiziellen Pläne vor, doch hört man immer wieder aus beteiligten Kreisen, dass die beiden Klötze abgerissen und neu aufgebaut werden sollen.

Was aber alle anderen Gebäude angeht, sagt Brüggemann, plant die Universitätsverwaltung in zwei Schritten vorzugehen. Bis Anfang 2014 soll flächendeckend der Wert von 700 ng/m³ nicht überschritten werden. Daraufhin wird die gesetzliche Vorgabe von maximal 300 ng/m³ umgesetzt.

Lüften alleine reicht nicht!

Wie es in einer Veröffentlichung der Arbeitsgruppe „PCB an der RUB“ heißt, hat der „Arbeitsmediziner und PCB-Experte“ Prof. Kraus (RWTH Aachen) die Blutwerte von MitarbeiterInnen in IA und IB vor der Sanierung getestet und ist zu dem Schluss gekommen, dass „allenfalls eine minimale innere Zusatzbelastung durch PCB 118 durch die Raumluft in den Gebäuden“ erfolgt. Ein „im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöhtes Krankheitsrisiko“ sei nicht nachweisbar.

Um das Risiko dennoch so gering wie möglich zu halten, rät die Universitätsverwaltung nach wie vor, regelmäßig zu lüften. Trotzdem muss die Uni dafür sorgen, dass der giftige Kitt überall durch zeitgemäße Substanzen ersetzt wird. Schließlich wird auch von Uniseite schwangeren Frauen und solchen, die es werden möchten, geraten, sich nicht lange in stark belasteten Räumen aufzuhalten, sondern einen Ersatzraum in Anspruch zu nehmen.

Was für eine Bedrohung allgemein von den Chemikalien in der Luft ausgeht und wie gefährlich das Studium oder die Arbeit an der RUB sein kann, darüber informiert Matthias Brüggemann in seiner Sprechstunde dienstags um 12 Uhr. Außerdem hat er einen PCB-Stammtisch im KulturCafé eingerichtet, wo er direkt nach den Treffen der Arbeitsgruppe „PCB an der RUB“ von den aktuellen Entwicklungen berichtet und Interessierte und Betroffene berät. Dies sei, so der AStA-Referent, „der direkteste Weg, zur Verfügung zu stehen.“ Der nächste Stammtisch findet am 26. November um 14 Uhr im KulturCafé statt.
Die wissenschaftlichen Hintergründe zu der Bedrohung in der Uniluft stellt am 8. November Dr. Harald Esch von der Uni Würzburg vor. Dann hält er in Raum FNO 00/211 einen Vortrag zum Thema „Toxikologie von polychlorierten Biphenylen in der Atemluft“.

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