Ein alter Klassiker auf Dinsey+
Teleportation und Insekt-Mensch-Fusion
Disney+ Screenshot
Schock – nicht nur Veronica Quafie ängstigt die Brundle - Fliege

Filmreview. Neu auf Disney+: Der Sci-Fi-Klassiker The Fly („Die Fliege“) feiert im August seinen 35. Geburtstag – und kann immer noch mit aktuellen Filmen mithalten.  

Im Jahre 1986 dreht der kanadische Regisseur David Cronenberg einen Film ab, der sich, schwer greifbar, möglicherweise als Science-Fiction-Horror-Thriller beschreiben ließe. Der Plot hat es in sich: Der Wissenschaftler Seth Brundle erforscht die Teleportation. Bei leblosen Gegenständen verzeichnet er bereits Erfolge und schafft es, sie von Ort A nach B zu schicken – er scheitert jedoch, sehr zu dem Leidwesen seiner tierischen Probanden, an der Teleportation von Lebewesen. Seth trifft auf die Reporterin Veronica Quafie, die, nach der nächste großen Schlagzeile jagend, seine Arbeiten mit Begeisterung verfolgt. Zwischen ihnen erwächst eine leidenschaftliche, intensive Beziehung. Dann hat Brundle Erfolg bei der Teleportation eines Affen und wird übermütig: Der Wissenschaftler schickt sich selbst von einem „Telepod“ in den nächsten – zusammen mit einer Fliege. Der Computer, der den Prozess überwacht, beschließt, die beiden Raumreisenden zu fusionieren. Brundles Abfall von der Menschlichkeit hin zu einer insektuösen Metamorphose ist besiegelt. Neben der abstrusen Wandlung des Menschen in ein Insekt, begleitet von einem sich veränderndem Erscheinungsbild, ausfallenden Zähnen und abfallenden Ohren, neuen Insekten-Fähigkeiten wie das Ausspeien einer zersetzenden Säure, und dem Verlust des menschlichen Moralkompasses, geht es allem voran darum, auszuhandeln, was einen Menschen ausmacht, wie sich Egoismus auswirkt und wie weit Menschen gehen, um das eigene Leben zu erhalten. In den Hauptrollen überzeugen Jeff Goldblum (vor allem bekannt aus Jurassic Park, 1993) als Brundle-Fliege, als bester Darsteller geehrt, und Geena Davis als willensstarke und herzensgute Reporterin mit erstklassigen schauspielerischen Leistungen. Begleitet wird die von den Protagonist:innen dargebotene Story von einer beeindruckenden Filmtechnik, die den 80er Jahren weit voraus wirkt, fantastischem Make-Up und einer künstlerisch anmutenden Kameraführung. Grundsätzlich ist dieser Klassiker heute immer noch einen Blick wert.

Abzuraten ist lediglich für sensible Zuschauer, die Horror-Elementen wie blutigen Wunden oder säurespuckenden Brundle-Fliegen abgeneigt sind. Mich persönlich hat der Film ebenfalls verstört zurückgelassen, obgleich ich fasziniert war von der wirklich erstklassigen, besonderen filmischen Gesamtdarbietung. Die Fliege hat sich ihren Rang als Klassiker redlich verdient. Der Film ist jetzt in der Star-Rubrik auf Disney+ verfügbar, falls Ihr Zugriff auf einen Account habt und Fans von Filmen solcher Art seid, dann spreche ich hiermit eine klare Empfehlung für diesen zeitlosen, am 16. August jubilierenden Mix aus Horror, Sci-Fi und Drama aus.     

                                „Cronenbergs Film […] bewegt sich in der naturalistischen Darstellung des bestürzenden, ekelhaften Verwandlungsprozesses auf einem schmalen Grat zwischen Abscheu und Faszination; die konsequent gesteigerte Spannungsdramaturgie, der Einsatz perfekter filmischer Mittel und verblüffender maskenbildnerischer Fähigkeiten sowie die symbolisch anmutende, eindrucksvoll durchkomponierte Filmmusik machen ihn unter cineastischen Gesichtspunkten zu einem ‚Leckerbissen‘.“

Lexikon des Internationalen Films

                                  :Rebecca Voeste