Bioökonomie und die Gesellschaft
Technologien der Zukunft
Roberto Schirdewahn
Mais als Rohstoff für Energie- und Kunststoffgewinnung? Die Meinung der Bevölkerung zu solchen Fragen untersucht das KWI.

Bioökonomie. Das Kulturwissenschaftliche Institut in Essen interessiert sich dafür, was die Zivilgesellschaft zur Debatte um Bioökonomie beitragen kann. Das Team will herausfinden, welche Technologien bei den Bürger:innen ankommen und welche nicht.

Die Mitarbeiter:innen des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) aus Essen, dessen Trägerinnen die drei Ruhrgebietsuniversitäten sind, will aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen. Der KWI-Forschungsbereich Partizipationskultur interessiert sich für die Frage, was Bürger:innen zu Diskussionen und Debatten im Bereich der Bioökonomie beizutragen haben und welche Technologien in der Bevölkerung auf Akzeptanz oder Ablehnung stoßen. Bislang sei der Diskurs um bioökonomischen Fortschritt zu sehr von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik geprägt. Zudem wirke der Begriff Bioökonomie auf den ersten Blick positiv, doch er bedeute nicht automatisch Nachhaltigkeit.
Daher wünscht sich das Team des KWI einen anderen Ansatz, in dem das Wissen und Wünsche der Bevölkerung mit einbezogen werden, sowie im Projekt „Biodisko“, kurz für „Bioökonomische Nutzungspfade – Diskurs und Kommunikation“, dass unter der Führung des KWI läuft. Ziel dieses Projekts ist es, Chancen und Risiken des Anbaus und Nutzung von Biomasse in NRW herauszuarbeiten und damit Handlungsempfehlungen für die Politik zu erstellen. Zu diesem Zweck führte das Team eine Studie durch, welche nach Ansichten zum Anbau und der Verarbeitung von Mais als Basis für Kunststoffe oder Biogas im Münsterland fragte. Konkrete Handlungsvorschläge für die Politik erarbeitete das Biodisko-Team in einem Zukunftsrat mit 19 Bürger:innen sowie einigen Expertinnen und Experten. Ende 2020 sollen die Empfehlungen an die Verantwortlichen im Landtag NRW übergeben werden.
Ein zweites Projekt der Gruppe aus dem Forschungsbereich Partizipationskultur beschäftigt sich mit dem Strukturwandel im Rheinischen Revier. Unter dem Namen „Bioökonomierevier“ begleitet das Projekt die Entwicklung des Rheinischen Reviers zu einer Modellregion der Bioökonomie. Das KWI-Team will dabei untersuchen, wie sich die Zivilgesellschaft den Übergang vom Tagebau vorstellen kann, unter anderem mit verschiedenen Beteiligungsformaten und einer Onlineplattform, über die interessierte Bürgerinnen und Bürger Ideen beisteuern können. 

:Philipp Kubu