Uni Duisburg-Essen: Aufgeheizte Stimmung beim Dialog
Türkisch-kurdischer Konflikt im Hörsaal
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Von Kritik erfasst: Die DİTİB-Merkez-Moschee im Duisburger Stadtteil Marxloh. Foto: box
Von Kritik erfasst: Die DİTİB-Merkez-Moschee im Duisburger Stadtteil Marxloh.

Konflikt: Die Veranstaltung „DİTİB – Marionetten Erdoğans?“ der YXK musste vor Beginn am Abend des 12. Januar umdisponieren, um an der Universität Duisburg-Essen (UDE) stattfinden zu können. Der Verband der Studierenden aus Kurdistan e. V. (Abk.: YXK), der sich 1991 an der Ruhr-Universität Bochum gründete, hat bundesweit bei der Durchführung seiner Veranstaltungen mit Problemen zu kämpfen. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der UDE bestätigte, dass die Veranstaltung aufgrund einer Bombendrohung in einen anderen Raum verlegt werden musste. Außerdem erreichten 300 bis 400 E-Mails das Rektorat – einige von ihnen enthielten Drohungen.

Geladene Stimmung

Fast 120 Menschen waren anwesend, darunter mehr Sicherheitspersonal als üblich. Nachdem über die Verbindung von DİTİB zum übergeordneten Diyanet (Präsidium für religiöse Angelegenheiten) mit Sitz in Ankara referiert wurde, entfaltete sich das emotionale Potenzial des türkisch-kurdischen Konflikts: „Die Regierung nimmt Worte aus dem Koran und spielt mit ihnen“, kritisierte Referent Hafiz Ahmet Turhalli, Mitglied des kurdischen Moscheeverbandes CÎK (Civaka Îslamiya Kurdistan). Ein Vertreter der DİTİB-Moschee Duisburg-Rheinhausen verneinte den Vorwurf, DİTİB stünde in Verbindung mit der türkischen Partei AKP und betreibe politisch-religiöse Propaganda oder Exklusion. „Türken, Syrer und Kurden sind bei uns gleichermaßen willkommen“, verkündete er und erntete dafür teilweise spöttisches Lachen. In der weiteren Folge entlud sich die angeheizte Stimmung: Verbale Anfeindungen, Zwischenrufe, ein Platzverweis und 20 VertreterInnen der DİTİB-Gemeinde verließen die Diskussion frühzeitig.

Fruchtbarer Boden für den Dialog?

Die Forderungen der YXK sind klar: Kündigung aller Staatsverträge, Kündigung aller Mitgliedschaften, keine weitere finanzielle Förderung durch deutsche Kommunen und kein islamischer Religionsunterricht mit DİTİB. Obwohl dieses Zusammentreffen oppositioneller Gemeinschaften den Grundstein für ein produktives Miteinander hätte legen können, bleiben die Fronten verhärtet. „Ein demokratischer Islam kann nicht über DİTİB ablaufen“, erklärte Referentin und YXK-Mitglied Ezda*. Den Vorwurf, die YXK sei nur verlängerter Arm der militanten, kurdischen Untergrundorganisation PKK und die Argumente seien nur „Wischi-Waschi“, dementierte die Aktivistin und verwies auf ein bald erscheinendes Dossier, das die Thesen der YXK faktisch belege.
 
:Marcus Boxler
 
*Name von der Redaktion geändert