Scheitern ist ok.
Studieren, um zu leben
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Symbolbild

Kommentar. Zum Studium gehört nicht nur das Pauken. Auch abseits der Uni gibt es viele Dinge zu lernen. 

Das Semester fängt an und erstmal steht man als Student:in vor der Wahl unzähliger Kurse, der Organisation des Zeitplans für die nächsten Monate und der Frage, wie man zwischen Studium, Privatleben und in vielen Fällen einem oder mehreren Jobs alles möglichst kompakt gestalten kann.
Universitäten und Fakultäten verzichten in diesem Semester vermehrt auf die Freiversuchsregelungen des vergangenen Semesters und möchten den Anschein vermitteln, dass die Probleme der Online-Lehre, wie beispielsweise stark verschiedene Arbeitspensa oder erhebliche Kompetenzunterschiede von Dozierenden bei der digitalen Lehre durch Gewöhnung aus der Welt geschafft werden können. Doch gleichzeitig haben viele Studierende weiterhin Probleme mit der digitalen Lehre, sei es aufgrund der Einsamkeit von asynchronen Seminaren oder zusätzlichem Leistungsdruck. Dieser Leistungsdruck wird sich nun vorerst nicht vermindern, sondern womöglich verschlimmern, wenn Unis zu den Anforderungen der vorpandemischen Zeit zurückkehren, aber mit den Hürden der jetzigen Zeit. Ein wahrlicher Hybrid. 

Auch deswegen müssen wir uns jetzt daran erinnern, dass das Studium nicht nur aus der Uni besteht. Das Studium ist ein Raum, in dem viele Menschen erwachsen werden, ihre Persönlichkeiten entwickeln und Dinge ausprobieren. Der Leistungsdruck, der vielen auferlegt wird, verhindert dies zu häufig. Daher sollte man sich nicht auf Dinge wie Regelstudienzeiten oder Credit Points versteifen, sondern Dinge außerhalb des Studiums machen, selbst auf Kosten des Studiums. Egal ob es Spaß, künstlerische Aktivitäten, politisches Engagement, ein neues Hobby oder eine der vielen anderen Dinge ist, durch die man sich ausdrücken kann. Dass dies aufgrund von finanziellen Einschränkungen nicht allen möglich ist, ist allerdings ebenfalls eine wichtige Realität, die wir nicht vergessen dürfen und eine Ungerechtigkeit, die nicht zuletzt während der Pandemie zu Tage trat und die es gilt, abzuschaffen. Nur so können alle Studierenden gleiche Bildungsmöglichkeiten wahrnehmen.

      :Stefan Moll

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