Der Frauenwahnsinn hat einen Namen: Hunkemöller Lagerverauf
String Wars
Bild: ken
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Glosse. Ich habe überlebt. Drei Stunden. Eine Halle. Fast nichts zu sehen und das, was man sieht: rosa. Und wuselig. Ich habe überlebt.

Als ich mich freiwillig meldete, um mich in das Krisengebiet zu begeben, war mir noch nicht klar, welches Ausmaß der Zerstörung mich erwarten würde. Ich dachte, es würde eher sowas wie eine Shoppingtour im Kriegsgebiet werden. Also ging ich mit meiner tapferen Kameradin in den Einsatz. Mission Hunkemöller sollte beginnen. Nach einem kurzen Marsch, den ich gut verpackte, zogen wir für vier Euro am Schalter unser Ticket in den Wahnsinn. Rückwirkend kann ich sagen: Ich weiß nicht mehr warum ich mich freiwillig meldete. Jugendlicher Leichtsinn? Der geheime Wunsch, mit dem Leben abzuschließen? Ich weiß es nicht. Vielleicht beides. Die Invaliden, die uns auf dem Weg entgegenkamen, hätten mir eine Warnung sein sollen. Fehlhaltungen, fehlende Gliedmaßen, fast abgestorbene, blutunterlaufene Finger, weil die vielen randvollen Plastiktütchen die Durchblutung abschnüren. Doch was mich im Inneren der Kongresshalle erwarten sollte, war schlimmer als das. Irgendwo knallte es, kein Schuss, eher eine Tür, die sich für mich die kommenden Stunden nicht öffnen würde. Und dann sah ich es: das Schlachtfeld. Es dauerte einen Moment, bis ich mich orientiert hatte. Was ich sah, waren keine Maden, die sich vollfraßen. Es waren Menschen. Menschen, die über Wühltischen hingen und rumgrabbelten, als würde es die kommenden Jahre nie wieder Unterhosen zu kaufen geben. Junge Frauen, die sich um einen Schnürsenkel stritten, keiften, sich an den Haaren zogen. Ich irrte mich, es war kein Schnürsenkel. Es war ein String. Kinder, die zwischen den Trümmern spielten, oder versuchten, ihre Beute-Dessous zu sortieren. Zwischen hunderten leogeprintete roten Plüschkissen lag eine Frau mittleren Alters und weinte – sie hatte gerade ein Paket halterlose Strümpfe in ihrer Größe gefunden, aber die Packung war aufgerissen und leer. Sie hielt sie in den Armen und ihre Schreie wurden langsam leiser, als ich mich weiter durch die Kampfzone bewegte. Heute, eine Woche später, habe ich mich einigermaßen erholt. Jedoch zucke ich immer noch unwillkürlich zusammen, wenn ich irgendwo ein Hunkemöller-Schild sehe.

:Kendra Smielowski