Pflegenotstand zwingt Gewerkschaft in den Streik
Streik am Essener Uniklinikum
Bild: Friedemann Schütz Uniklinikum Essen CC BY-SA 2.5 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.en
Wird bestreikt: Das Uniklinikum Essen. Bild: Friedemann Schütz Uniklinikum Essen CC BY-SA 2.5 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.en
Wird bestreikt: Das Uniklinikum Essen.

Arbeitskampf. Die Gewerkschaft ver.di hat ihre Mitglieder am Universitätsklinikum Essen zum Streik aufgerufen. Trotz Notfallvereinbarung wettert der Klinikdirektor gegen die Gewerkschaft.

Die ver.di kämpft seit einiger Zeit für einen Tarifvertrag zur Entlastung des Klinikpersonals. Unter anderem fordert die Gewerkschaft die Festlegung einer Mindestpersonalausstattung und Regelungen zum Belastungsausgleich, falls diese tarifvertraglichen Vorgaben nicht eingehalten werden sowie eine Regelung zur Verbesserung der Ausbildungsqualität und dass Auszubildende nicht mehr zur Kompensation von Personalengpässen herangezogen werden dürfen. 

Bereits in der vergangenen Woche wurde an mehreren Tagen zwischenzeitlich die Arbeit niedergelegt und auch in der ersten Juniwoche wird es zu weiteren Streiks kommen. Die Klinikleitung lehnt ein Entgegenkommen ab, da man in Essen der Meinung ist, keine Verhandlungen abseits der Tarifvereinigung deutscher Länder (TdL), in der die Klinik Mitglied ist, zu führen. Der Personalrat der Klinik sieht jedoch innerhalb der Belegschaft Anzeichen von Überbelastung, da viele Aufgaben, die in der Vergangenheit von zwei Pflegekräften bewältigt wurden, seit langem von nur noch einer Kraft ausgeführt werden müssen. Zeitungen der FUNKE-Mediengruppe sagte Personalratsvorsitzende Alexandra Willer, dass im Jahr 2018 bereits 100 Beschäftigte aufgrund von Überbelastung ihre Arbeit reduziert hätten.

 

Klinikleitung gegen Streikende

In der aktuellen Auseinandersetzung zeigt sich die Klinikleitung wenig kompromissbereit. Hinzu kommt eine öffentliche Aussage des Direktors des Klinikums, Professor Jochen A. Werner. Dieser warf der ver.di vor, PatientInnenleben zu gefährden. Die Gewerkschaft wies diesen Vorwurf vehement zurück. Gewerkschaftssekretär Jan van Hagen zeigte sich irritiert, da Klinik und ver.di bereits vor Streikbeginn eine Notdienstvereinbarung getroffen haben, die das Klinikum auch auf der eigenen Homepage veröffentlicht hat. 

Die Versorgung von PatientInnen in Notsituationen war und ist somit bei sämtlichen Streiks gewährleistet. „Deshalb irritiert uns die Härte des Tons, den die Geschäftsleitung nun anschlägt. Dabei kann es sich nur um einen Versuch handeln, die Stimmung der Mitarbeiter zu beeinflussen“, teilte van Hagen gegenüber der WAZ mit. 

 

Viele Fronten

Die Klinikleitung geht mit verschiedenen Mitteln gegen weitere Arbeitsniederlegungen vor. Während der Warnstreiks in der vergangenen Woche schaltete sie eine Anzeige mit dem Titel „Ein Streik löst keine Probleme!“, in der sie alle Verantwortung für die Arbeitssituation von sich weist. In dieser Anzeige wird ebenfalls Stimmung gegen die ver.di gemacht. So heißt es beispielsweise, dass die Gewerkschaft Verhandlungen unterhalb der Tarifebene abgebrochen habe, konkrete Gründe für den Abbruch wurden jedoch nicht genannt. Zwar erkenne man die Belastung in den Pflegeberufen, jedoch müssten konkrete Änderungen in der Politik beschlossen werden, heißt es vonseiten der Klinik.

Bereits zu Beginn dieser Woche (nach Redaktionsschluss) traten die Beschäftigten wieder in den Warnstreik. Das letzte Wort in der Auseinandersetzung zwischen Uniklinik und Gewerkschaft scheint noch nicht gesprochen zu sein.

:Justinian L. Mantoan

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