Ohne Stono keine Aufklärung
Stono Revolution – Widerstandskampf von Schwarzen Menschen
Bild: CC0

The Stono Rebellion alias die Stono Revolution, war der erste große Widerstandskampf von Schwarzen versklavten Menschen im 18. Jahrhundert. Dieser Kampf, wie auch viele andere Kämpfe von BiPoC Vorfahr:innen, wurde versucht, in der gängigen weißen Geschichtserzählung zu zensieren. 

Die Stono Revolution fand am Sonntag, den 9. September 1739 statt. Cato, der Anführer der Revolte, führte eine Truppe von circa 100 versklavter Menschen durch die Straßen Charlestons bis hin zum Stono River. „Masters“, die ihren Weg kreuzten, wurden erschossen und deren Plantagen angezündet. An einem Feld in der Nähe des Stono Flusses fingen sie an, zu singen und zu tanzen. Kurze Zeit später wurden sie von weißen Soldaten erschossen oder erhängt. Laut weißer zeitgenössischer Quellen sei der Grund für die Revolte gewesen: Auf das spanische, kolonisierte Gebiet zu kommen, weil ihnen dort Freiheit versprochen worden sei. Aber die Stono Revolution war kein Weglaufen, sondern ein Kampf. Versklavte Menschen vernetzten sich, trotz der Gefahr ertappt zu werden, sie wurden laut und gingen auf die Straße für Freiheit. An einem Punkt blieben sie stehen und haben sich die Freiheit zum Feiern genommen. Das hat fast schon Ähnlichkeiten zu heutigen Demonstrationen.  

Die Quellenlage dazu ist äußerst kritisch zu betrachten. Es gibt nur eine anonyme, weiße, männliche Perspektive. Eine geschriebene zeitgenössische Sicht einer Schwarzen Person gibt es nicht. Die einzige Schwarze Stimme dazu ist die von George Cato. Von ihm wurde das Ereignis mündlich überliefert, da er selbst Nachfahre von Cato, dem Anführer der Stono Revolution, ist. Die Quelle besteht aus einer transkribierten Audioaufnahme und das aus dem Jahr 1937. George Cato „may be the closest we get to an unfiltered first-person account of a slave rebellion,” so das National Humanities Center, die beide Quellen online zur Verfügung stellen.  

Die Stono Revolution sei genauso wichtig wie die Französische Revolution, so J. Shuler. Ab da gibt es stetige Resistenz von Versklavten. Sie wurden immer mehr und immer lauter im Kampf für Gleichberechtigung. Weitere Revolten waren zum Beispiel die von Nat Turner, The Underground Railroad und die haitianische Revolution, ohne die es gar nicht zum Aufklärungszeitalter gekommen wäre. Diese Ära “represented the first time in which steady resistance to the system showed a prospect of becoming something more than random hostility,” und es gibt kaum Forschung dazu. „Nothing in American historiography has been more neglected, nor, when treated, more distorted, than the story of these revolts.” Während der Dauer des Versklavungssystems, war es nicht erlaubt über Aufstände zu sprechen geschweige denn diese aufzuschreiben, so H. Aptheker. Zeitschriften wie die Gazette haben nichts zum Ereignis in Stono geschrieben.  

Die Kämpfe von Schwarzen Versklavten wurden systematisch zensiert. Es wurde lange Zeit in der Geschichtsschreibung ignoriert, dass sie sich gewehrt haben. Dass kaum zeitgenössische Berichte zu finden sind, bedeutet nicht, dass Aufstände von BiPoC keine Wirkung hatten. Es zeigt, dass das Wissen dazu absichtlich zensiert wird. Dass die Stono Revolution von Relevanz ist, zeigt sich unter anderem durch die Gedenktafel, die im Jahr 2009 erbaut wurde. Sie soll an die Errungenschaft der Stono Revolution und dessen Opfer erinnern. Bis heute bleibt die Stono Revolution ein wichtiger Act für Gleichberechtigung und für Abschaffung der Versklavung.

 

 Ich hoffe hiermit die Stono Revolution etwas aufrecht zu erhalten. Es ist Teil des Widerstandes, Teil des Fortschrittes, und Teil der Erinnerung. Es geht an all jene Schwarzen, indigenen Menschen und Menschen of Color, die nach Gleichberechtigung gestrebt haben. Eure Kämpfe waren nicht umsonst. Ich höre Euch. Ich denke an Euch. Ich danke Euch. #RestInPower Mir, wie vermutlich auch Dir, war gar nicht klar, wie bedeutsam die Stono Revolution für unser heutiges Handeln ist. Zum Glück durfte ich Seminare von Jun.-Prof. Dr. Rebecca Brückmann, Forschungsschwerpunkt in Sozial-, Kultur- und Raumgeschichte Nordamerikas, besuchen. Dort hatte ich die Möglichkeit, Geschichte auch mal aus der nicht-weißen Perspektive zu betrachten. Kolonialismus wurde Kolonialismus und nicht „Expansion Europas“ genannt, die Texte waren von diversen Wissenschaftler:innen of Color und es wurde über rassistische Strukturen gesprochen. Dabei sollte gerade dieses Wissen als allgemeine Geschichtsbildung betrachtet werden. Geschichte von BiPoC ist auch europäische Geschichte. Und die Wissensvermittlung dazu sollte nicht nur auf den Schultern der einzigen Schwarzen Dozentin der Ruhr-Uni Bochum lasten.  Weiße Dozent:innen, do better! Thanks. 

 

Vielleicht war meineUrururgroßmutter Widerstandskämpferin

Meine Vorfahr:innen könnten Teil eines Widerstandskampfes gewesen sein, aber ich und der Rest der Welt bleiben unwissend. Wir können nur spekulieren und das, weil sie systematisch ausgelöscht wurden. Das Bewusstsein, dass Kämpfe von Schwarzen, Indigenen und Menschen of Color aus der Geschichte eliminiert wurden, finde ich besonders erschreckend. Es macht mich traurig und wütend zugleich. Aber allein, dass ich mich im 21. Jahrhundert mit der Thematik befasse, zeigt was für eine Relevanz sie heute noch hat. Danke Kolonisator:in, für die Gedenktafel zur „Stono Rebellion“ – Leider hat sie nicht annähernd die Größe und Bekanntheit einer Eurer x-beliebigen Statuen.

  :Nathalia Rodriguez

 

 

Autor(in):