Hochschulpolitik, die Zweite
Stell dir vor, es ist Krise ...

… und keiner bekommt es mit? Das Studierendenparlament kämpft schon seit Längerem mit Problemen der Legitimation. Nur ein Bruchteil der Studierenden nimmt an der jährlichen Wahl teil. Nun wurden Konfliktlinien innerhalb des Parlaments klar. Doch kommt so etwas bei den Studierenden überhaupt an? 

 

Bereits auf der Dringlichkeitssitzung, auf der die ehemaligen Sprecher:innen Ugur Ince und Nurgül Yildiz zurücktraten, wurden einige Dinge klar gemacht. Die Öffentlichkeitsarbeit der beiden wurde wiederholt kritisiert und schien eins der zentralen Probleme gewesen zu sein, welches zum Misstrauensvotum geführt hat. So seien die beiden als Personen, und als Mitglieder der Internationalen Liste zu präsent im Online-Auftritt des Studierendenparlaments gewesen, statt in ihrer Rolle als StuPa-Sprecher:innen möglichst neutral aufzutreten, lautete die Kritik. Außerdem hätten andere wichtige Aspekte ihrer Arbeit unter einem als zu stark bewerteten Fokus auf die Öffentlichkeitsarbeit gelitten. Das machte der neue Sprecher Patrick Walkowiak ebenfalls klar, und kündigte an, den Fokus mehr auf die internen Prozesse des StuPa, statt auf die Öffentlichkeitsarbeit zu legen. Eine Präsenz des StuPa in den sozialen Medien werde für ihn kein Schwerpunkt seiner Arbeit als Sprecher sein. Dies begrüßte auch Nick Linsel (Linke Liste) in einem Gespräch mit der :bsz durchaus. „Es sind Ämter, die im Vergleich eine recht hohe Aufwandsentschädigung erhalten“, merkte er jedoch an und machte seine Erwartungen entsprechend klar: „Bei aller berechtigten Kritik an der Form der Öffentlichkeitsarbeit in der letzten Zeit, sollte ein Social Media-Auftritt trotzdem wichtig sein“. Bei der vergangenen Wahl des Studierendenparlaments, welche zuvor aufgrund der Pandemie mehrfach verschoben wurde, gab es eine Wahlbeteiligung von 6,8%. Bei 40.944 Wahlberechtigten haben also nur 2.783 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Schon unter 100 Stimmen reichten also, um einen Sitz im Parlament zu erhalten. Die Liste der Rechtswissenschaftler (ReWi) war mit 78 Kreuzen die Liste mit den wenigsten Stimmen, die trotzdem noch einen Sitz erhielt. 

:Jan-Krischan Spohr

 
Euer Wissenzum StuPa
 
Wir waren für Euch auf dem Campus unterwegs und haben mal rumgefragt. Kennt Ihr das StuPa und habt Ihr mitbekommen, was gerade so los war?   

Es war ein schöner Freitagmittag, als wir Euch auf dem Ruhr-Uni Campus angesprochen haben. Viele von Euch haben sich gerne die Zeit genommen, unsere kühn gestellten Fragen zu beantworten. Wir waren überall unterwegs, vor der Bib, im HZO, vor dem Audimax, auf der N-Gebäude und I-Gebäude Seite und auch die G-Gebäude haben wir uns nicht nehmen lassen. Dabei fiel auf, dass die G-Seite viel offener war, mit uns zu reden, als die naturwissenschaftliche Seite. Was kam dabei raus? Insgesamt haben wir 133 Menschen gefragt, ob sie das StuPa kennen und ob sie mitbekommen haben, was gerade so los war mit dem Misstrauensvotum, dem Rücktritt und der Neuwahl der Sprecher:innen. Wir haben herausgefunden, dass 59 Menschen davon nicht wussten, was das StuPa ist. Das war noch relativ ausgeglichen verteilt auf den Campus-Seiten. Der Rest wusste mindestens, wofür diese Abkürzung steht, und hier und da kam auch mal mehr Wissen zustande. Von diesem Rest wussten 10 Leute sogar, was im StuPa gerade vor sich gegangen ist. Diese ausgewählte Gruppe von Menschen war entweder selber im StuPa oder der FSVK oder haben Freunde im StuPa. Auch das gewährte nicht völliges Wissen. Einige wussten nur, dass es einen Wechsel der Sprecher:innen gab, aber auch nicht genau warum. Es ist schon sehr und wiederum gar nicht verwunderlich, dass viele nicht mal wussten, was das Studierendenparlament überhaupt ist. Das schlägt sich auch darin wieder, dass die Wahlbeteiligung in den letzten Wahlen sehr gering war. Abgesehen von den Nicht-Wahlen während der Pandemie, liegt damit sowieso auch bei der vergangenen Wahl ein paar Leuten das Wort Legitimation auf den Lippen. Und sollten solche internen Probleme, wie das Misstrauensvotum oder die für viele fragwürdige Öffentlichkeitsarbeit nicht auch den Studierenden bekannt sein? Nun wird sich ja die Öffentlichkeitsarbeit ändern, so die Ankündigung des neuen Sprechers. Wobei sich die Linke Liste zum Beispiel ein größeres Social Media Auftreten wünscht. Es bleibt abzuwarten, wie sich das entwickelt.                                    

    :Lukas Simon Quentin

 

 

Meinungssache:

 Bei unserer nicht-repräsentativen Umfrage unter Studierenden auf dem Campus, am Freitag, dem 27. Mai, haben wir zwischen 10:30 Uhr und 12:30 Uhr insgesamt 113 Personen befragt. Gefragt haben wir, ob sie grundsätzlich das Studierendenparlament und dessen Arbeit kennen. Wenn diese Frage bejaht wurde, haben wir weiter gefragt, ob sie von dem Rücktritt der ehemaligen Sprecher*innen wissen, und wenn ja, woher. Von den Befragten kannten 59 (52,21 Prozent) das StuPa nicht. Von den 54 Personen (47,79 Prozent), die das StuPa kannten, wussten nur 10 (8,85 Prozent) von den aktuellen Entwicklungen. Die Personen, die über den Rücktritt der Sprecher*innen informiert waren, gaben an, dies zu wissen, weil sie entweder selber Mitglieder des Studierendenparlaments oder der Fachschaftsratsvertreter:innenkonferenz seien, oder solche im engeren Freund*innenkreis haben.

:kjan

 
Co-Autor(in):