ZFA der RUB: Griechisch und Dänisch bald weggespart?
Sprachensterben gefährdet Internationalisierung
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ZFA-Krise: Springt die Ampel für Dänisch bald auf rot? Foto: flickr.com / arne list (CC-BY-SA-2.0)
ZFA-Krise: Springt die Ampel für Dänisch bald auf rot?

Angesichts vermeintlicher Spar­zwänge ist nicht nur ein bundesweit einmaliger Studiengang wie die Sprachlehrforschung existenzgefährdet (siehe :bsz 937), sondern auch am Zentrum für Fremdsprachenausbildung (ZFA) treibt die Rotstiftdebatte derzeit Blüten. Bereits zum Sommersemester 2011 wurde das Angebot für Ungarisch sowie Serbisch eingestellt und im Wintersemester quer durch alle Kurse eine ganze Unterrichtswoche gestrichen. Nun wird zudem eine Absetzung des Angebots für Neugriechisch und Dänisch erwogen. Dies wäre nicht nur aus Sicht Studierender, die sich auf ein Auslandssemester in Griechenland oder Dänemark vorbereiten, äußerst kontraproduktiv, sondern auch hinsichtlich einer angestrebten Internationalisierung an der angeblich so ‚weltoffenen‘ Ruhr-Universität ein fatales Signal.

Laut Geschäftsleitung betreut das ZFA mit 20 Festangestellten circa 3000 Studierende pro Semester; neben der „Studierenden- und Lehrendenbetreuung“ stehe u.a. die Entwicklung von „individuellen Lernangeboten“ und die Begleitung von „selbstgesteuertem Lernen von Fremdsprachen“ sowie die Entwicklung und Durchführung von Sprachtests wie UNIcert® im Fokus: „In allen Bereichen wird auch vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Fragestellungen entwickelt, implementiert, evaluiert, weiterentwickelt“, so die Leitung des ZFA. Noch werden dort rund 180 Kurse in 17 Fremdsprachen angeboten. Geht es bei gleichbleibender Finanzierung nach den Plänen der Geschäftsleitung, würde das breite Angebot künftig deutlich eingeschränkt und „zum Beispiel Neugriechisch und Dänisch“ gestrichen. Eine Intervention beim Rektorat könnte dies jedoch vielleicht noch verhindern: „Leider haben wir in einigen wichtigen Fragen keine Auskunft von der Hochschulleitung, daher können wir derzeit unsere Planungen nicht abschließen“, heißt es seitens der ZFA-Leitung auf Nachfrage der :bsz. Viele Studierende sind über das Streichszenario empört und haben sich bezüglich der Abwicklungspläne der Kurse in der Nachbarsprache Dänisch bereits mit einer Beschwerde ans ZFA gewandt.    

Masse statt Klasse?

Nachdem bereits 2007 die Skandinavistik als Sektion des Germanistischen Instituts trotz über 200 eingeschriebener Studierender abgewickelt wurde, soll nun die erste nordische Sprache auch aus dem Angebotskanon des Zentrums für Fremdsprachenausbildung verbannt werden: „Mit großem Bedauern mussten wir erfahren, dass  (…) Dänisch als Fremdsprache komplett aus dem Veranstaltungsangebot entfernt“ werden soll, heißt es im Beschwerdebrief der aktuellen Dänisch-Lernenden an der RUB. Dies erscheine in keiner Weise nachvollziehbar – zumal „die Qualität der Lehr- und Lernleistung“ in diesem Bereich „außergewöhnlich hoch“ sei. So fühlen sich die Studierenden „im Kurs sehr wohl und hervorragend betreut“ und heben den großen „persönlichen Einsatz für Sprache und Studierende“ der seit dem Sommersemester 2009 am ZFA tätigen Dänisch-Dozentin Karin Krick hervor. Auch spiele gerade die überschaubare Kursgröße eine Schlüsselrolle für die hohe Qualität der Lehre: „In einem Rahmen von durchschnittlich 12 Studierenden ist eine deutlich bessere Lernatmosphäre gegeben als in einer überfüllten Massenveranstaltung“, betont Dunja Ulrich, die seit dem Wintersemester 2011/12 Dänisch an der RUB lernt, gegenüber der ZFA-Leitung und fügt hinzu, „dass wir aus Studierendensicht keine Legitimation eines Aussetzens der Veranstaltungen erkennen können – nicht aufgrund der Teilnehmerzahl und besonders nicht aufgrund der Leistung der Lehrbeauftragten.“

Dreiste Dänisch-Einstellung

Die persönlichen Konsequenzen der geplanten Streichung des attraktiven Dänisch-Angebots erweisen sich teils als weitreichend: „Leider konnte ich den Kurs aufgrund meiner Schwangerschaft trotz intensiven Entgegenkommens von Frau Krick nicht beenden“, sagt Annicke Minnebeck, die vor wenigen Wochen Mutter geworden ist. „Die Einstellung des Programms ist für mich sowohl schlecht, da ich nun keine Punkte mehr erwerben kann, als auch deswegen, weil ich das Gefühl habe, etwas abbrechen zu müssen und nicht beenden zu können“, so Annicke weiter. Eine besondere Bedeutung hat das Dänisch-Angebot auch für Julia Knudsen, die „nicht mit Dänisch als zweite Muttersprache aufgewachsen“ ist, obwohl ihr Vater Däne ist: „Mein Wunsch die dänische Sprache zu erlernen wurde mit den Jahren immer größer.“ So hatte sie neben schnellen Lernfortschritten durch die „tolle Atmosphäre“ im Kurs „jede Woche aufs Neue“ das Gefühl, „ein bisschen meine ‚zweite Heimat‘ erlebt zu haben.“
Traurig und wütend über die Absetzungspläne ist auch Stefanie Wachholz, die für das kommende Sommersemester über das Institut für Theaterwissenschaft einen Studienplatz in Kopenhagen bekommen hat. Sie findet die Streichung des Sprachangebots Dänisch, das insbesondere auf einen Studienaufenthalt im Ausland vorbereiten soll, daher „reichlich dreist“ – „nur weil der Kurs nicht zum Brechen voll ist“, hält sie der gegenüber der :bsz nicht durch konkrete Daten untermauerten Zahlenjonglage des ZFA entgegen. Für Stefanie war das Engagement der Dozentin besonders wichtig: „Ich glaube, dass ich ohne Frau Kricks Hilfe den Platz in Kopenhagen nicht bekommen hätte“, unterstreicht sie und fragt: „Wer soll dann in Zukunft Ansprechpartner für Dänemark sein? Es gibt doch niemanden mehr!“      

Lehrende am QVM-Tropf

Trotz seiner bislang vorbildlichen Angebotspalette und seiner zentralen Funktion bei der auslandsvorbereitenden sowie fachsprachlichen Ausbildung ist die Finanzierung des ZFA hauptsächlich auf die als Ersatz für Studiengebühren an die Universitäten fließenden ‚Qualitätsverbesserungmittel‘ (QVM) gestützt. Lehrbeauftragte werden aus dem QVM-Budget bislang in der Regel mit einem Satz von 30 Euro pro Unterrichtseinheit vergütet. Für jede unterrichtete Stunde sind jedoch zumeist mehrere unbezahlte Überstunden für Unterrichtsvor- und  nachbereitung, Erstellung von spezifischem Lehrmaterial, Konzeption und Korrektur von Klausuren, „Verwaltung von Studien- und Prüfungsleistungen“ (VSPL) sowie Kursbegleitung durch E-Learning-Systeme aufzuwenden. Daher bewegt sich der tatsächliche Stundenlohn für die auf Honorarbasis Beschäftigten in der Regel deutlich unter dem gewerkschaftlich geforderten Mindeststundenlohn von 8 Euro, sodass u.a. der Wissenschaftliche Personalrat (WPR) der RUB eine Erhöhung der Vergütung auf 40 Euro pro Unterrichtsstunde fordert. Bei gleichbleibendem Budget müssten laut Geschäftsleitung dann jedoch etwa 50 weitere Kurse gestrichen werden – folglich könnte nur eine deutliche Aufstockung der ZFA-Mittel eine akzeptable Lösung sein. Für die kommenden Jahre sieht das ZFA zudem „einen erhöhten Bedarf an Kursplätzen“ voraus und würde angesichts rund 4500 weiterer Studienplätze im Zuge des doppelten Abiturjahrgang 2013 gerne zusätzliche Kurse anbieten. Hierfür würden die QVM sowie die „personelle Struktur“ insbesondere „im Bereich der Festangestellten“ des ZFA derzeit jedoch nicht ausreichen.

Engagement bestraft?

Die aktuelle Ausdünnung der Sprachenvielfalt am ZFA habe jedoch nichts mit den berechtigten Forderungen des WPR zu tun, sondern wird offiziell mit rein statistischen Argumenten begründet, da es für Dänisch und Neugriechisch eine „geringe Nachfrage“ gebe und „Einsparungen in allen anderen Sprachen deutlich mehr Studierende treffen“ würden. Hierbei halte man sich strikt an Weisungen des Rektorats: „Das ZFA hat im Interesse aller Studierenden von der Hochschulleitung die Vorgabe erhalten, die Effizienz der eingesetzten Mittel zu gewährleisten.“ In den drohenden Kursstreichungen am ZFA zeigt sich jedoch nur die Spitze des Eisberges der chronischen Unterfinanzierung der Geisteswissenschaften an der RUB und anderen Universitäten. Für eine auch politisch engagierte Dozentin wie Karin Krick, die seit über drei Jahren gewerkschaftlich organisiert und aktiv im Düsseldorfer Arbeitskreis „Bildung Prekär“ ist, stellt sich die Lage differenzierter dar: Seit Jahren setzt sie sich mit wenigen anderen Lehrbeauftragten des ZFA für Verbesserungen der Honorare und Arbeitsbedingungen nicht nur an der RUB, sondern auch in bundesweiten Netzwerken wie z.B. „intelligenzija movement“ aus Potsdam ein, um die prekäre und rechtlich unhaltbare Situation der freiberuflichen SprachdozentInnen und Lehrbeauftragten in der Erwachsenenbildung bekannt zu machen. Ironie der Geschichte ist, dass Karin Krick nun selbst nicht mehr von den Honorarerhöhungen vermeintlich profitieren wird, da Vielfalt und Qualität der Lehre willkürlich festgelegten TeilnehmerInnenzahlen und Budgetzuteilungen geopfert werden.