Olympia in Rio: In der immer noch verdreckten Guanabara-Bucht treten SeglerInnen gegeneinander an
Sport zwischen Krempel und Kadaver
Illustration: ken
So macht Sport Spaß: Zwischen Müll und Fäkalien kämpfen auch deutsche SeglerInnen um den Sieg. Illustration: ken
So macht Sport Spaß: Zwischen Müll und Fäkalien kämpfen auch deutsche SeglerInnen um den Sieg.

Olympia in der Disziplin Segeln. Die Vorstellung von blauem Wasser und weißen Sandstränden trügt. In der Bucht von Rio de Janeiro lieferten sich die SeglerInnen zwischen Müll, Fäkalien und Tierkadavern die ersten Rennen der Vorrunde.

Rio de Janeiro, eigentlich bekannt für seinen Karneval, den großen Wettbewerb der Sambaschulen, knappe Kleidung und jüngst auch durch die WM, ist wieder Schauplatz eines großen sportlichen Ereignisses. Doch mindestens so traurig wie auch sportlich geht es dort derzeit zu. 380 Quadratkilometer fasst die Guanabara-Bucht vor Rio, die Schauplatz des Segel-Wettbewerbs ist. Bei der Vergabe der Spiele war es Bedingung, die Verschmutzung in den Griff zu bekommen.

Doch der Unrat, den 10 Millionen Menschen und 12.000 Industrieanlagen überJahrzehnte hinweg produziert haben, lässt sich nicht mal eben beseitigen. Im Juli die traurige Gewissheit: Die Bucht war vor Beginn der Spiele nicht zu reinigen. Nun wurden am 5. August zwischen Windeln, Plastik, toten Tieren und anderen Abfällen die Boote zu  Wasser gelassen. Aber der offensichtliche Müll ist nicht das einzige Problem. In der ganzen Bucht wimmelt es von Krankheitserregern, Bakterien und anderen Keimen. An den umliegenden Stränden ist das Baden im Meer wegen der gesundheitlichen Risiken untersagt. Und nicht nur Deutschland schickt seine KandidatInnen in das Brackwasser. Länder aus aller Welt setzen ihre SportlerInnen dieser Gefährdung aus.

Hoffentlich ein Einzelfall

Erik Heil, Olympia-Segler, durfte schon letztes Jahr am eigenen Leib Erfahrungen mit den Keimen machen. Von einer Regatta in Rio kehrte er mit Entzündungen an den Beinen und der Hüfte zurück, ausgelöst durch multiresistente Keime, die der Sportler sich in der Bucht eingefangen hatte. Dennoch, ein Boykott kam für ihn nie in Frage. „Ich setze mich da auch gerne dem Risiko aus, dass ich mir noch ein zweites oder drittes Mal ein Bakterium einfange, wenn ich dafür an meinem sportlichen Höhepunkt teilnehmen kann,“ sagte er auf Spiegel Online.

:Kendra Smielowski