Kommentar: Akafö-Preissteigerungen: Intransparent und vermeidbar
Solidarität statt Profit!

Die Begründungen für die aktuellen Preiserhöhungen in den Gastro-Betrieben des Akademischen Förderungswerks (Akafö) sind vielschichtig und für eineN AußenstehendeN intransparent: „Die Preise in den Mensen und Cafeterien wurden seit 2008 nicht mehr angepasst. Seit dieser Zeit haben sich aber auch erhebliche tarifliche Verschiebungen vollzogen“, begründet die Akafö-Geschäftsleitung die massiven Erhöhungen.

Allein der letzte Tarifabschluss bedeute bei den Personalkosten für 2015 einen Mehraufwand von 1,2 Millionen Euro. Hinzu kämen höhere Kosten durch mehr Verkaufsstellen angesichts der Erweiterung universitärer Einrichtungen auf dem Campus sowie längere Öffnungszeiten in Mensen und Cafeterien. Zudem sei seit 1994 „faktisch keine Anpassung im Zuschussbereich mehr erfolgt“: „Der Zuschussanteil des Landes an den Gesamterträgen beträgt derzeit nur noch zehn Prozent“, so die Akafö-Geschäftsleitung. Ökonomisch scheint das Ganze paradox: „Der Zuschuss wird so bei steigendem Umsatz ständig kleiner, die Deckungslücken immer größer.“

 

Preissteigerungen über Semesterbeitrag finanzieren?

Das ist noch längst nicht alles – es gebe eine Vielzahl von Gründen für weiteren Subventionsbedarf des Akafö. Zudem argumentiert die Geschäftsleitung mit steigenden Lebensmittelpreisen: „Allein im Jahr 2013 betrug die durchschnittliche Erhöhung der Lebensmittelpreise 4,4 Prozent.“ Nicht nur vor dem Hintergrund der gegenwärtig zum Teil einbrechenden Preise für einige Grundnahrungsmittel stellt sich jedoch die Frage, ob es sich das Akafö damit nicht etwas zu einfach macht.

Warum werden Preissteigerungen in einem so grundlegenden Bereich der Essensversorgung nicht über den Semesterbeitrag gegenfinanziert statt die Mensapreise zu erhöhen? Die Antwort der Geschäftsführung ist ausweichend und wenig schlüssig: „Das Akafö zahlt in den Sozialfonds des AStA und in den Hilfsfonds für ausländische Studierende ein, was keineswegs in allen Studierendenwerken eine selbstverständliche Leistung ist. Auch gibt das Akafö Essensmarken für bedürftige Studierende aus. Hiermit leisten wir einen erheblichen Beitrag zur Versorgung sozial schlechter gestellter Studierender.“

Zudem heißt es lapidar: „Die Steigerung der Aufwendungen kann nicht ausschließlich durch Semesterbeiträge gedeckt werden.“ Dennoch wäre dies sozial gerechter und würde moderatere Preiserhöhungen auf viele Schultern verteilen.

Soziales wichtiger als Wirtschaftlichkeit?

Die Akafö-Geschäftsleitung jedenfalls beteuert, dass soziale Belange nach wie vor wichtiger seien als ökonomisches Kalkül: „Allerdings zwingen uns die oben genannten Tatsachen dazu, auch wirtschaftlich zu arbeiten. Dabei heißt, wirtschaftlich zu arbeiten aber nicht, gewinnorientiert, sondern kostendeckend zu arbeiten.“ Auch in anderen Bereichen greift das Akafö den Studierenden heute jedoch deutlich tiefer in die Taschen als früher – dies belegen etwa diverse Mieterhöhungen in Akafö-Wohnheimen in den letzten Jahren.

Bei der Frage, wie weit die Preisspirale noch angezogen werden soll, will sich die Geschäftsleitung nicht festlegen: „In dem Rahmen, in dem sich bestimmte Kosten am Markt entwickeln, sind natürlich auch weitere Mietpreisentwicklungen möglich.“ Da könnte also noch Einiges auf die Studis zukommen. Welche Haltung die studentischen Mitglieder im Akafö-Verwaltungsrat insbesondere zu den Preiserhöhungen im Gastronomiebereich haben, wird sicherlich ein großes Thema auf der nächsten Sitzung des Studierendenparlaments sein.