Ticketschmerz bei Studis
Solidarität ist keine Ein-Bahntrasse

Kommentar. Der Unmut unter Studierenden bleibt so gleich wie der Sozialbeitrag. Wie kann es sein, dass die zur Kasse gebeten werden, die selbst oft in Notlagen sind?

Unser aller Lieblingsevent steht an. Zwei mal im Jahr freuen wir uns darauf, wieder unseren Sozialbeitrag bezahlen zu dürfen. Und es gibt gute Neuigkeiten: Der Tarif der VRR bleibt gleich, nur die wieder bei19 Prozent liegende Mehrwertsteuer kommt hinzu. Außerdem verzichtet das Schauspielhaus auf den Euro, der für die Theaterflat enthalten war. Teurer wird’s trotzdem, denn der Preis für das NRW-Ticket hat sich erhöht, weswegen wir insgesamt 3,35 Euro mehr zahlen dürfen.
Das „Sozial“ in „Sozialbeitrag“ ist wieder mal redlich verdient. Die Mensa bleibt geschlossen, dafür kann das Akafö wenig, die Verordnungen sind da klar. Dass Studierende sich in teils schweren finanziellen Notlagen befinden ist jedoch auch klar. Eins stößt dabei besonders sauer auf: Wer erinnert sich noch an die Soli-Tickets für den Sportverein eurer Herzen, die nichts brachten außer ein gutes Gefühl, und in den meisten Fällen ein bisschen weniger finanzielle Not für die armen Bundesligavereine? Genau das, aber für einen großen Teil der Studierenden, ist das Semesterticket seit Beginn der Pandemie. Niemand zwingt sie dazu, nicht mit dem Zug oder Bus zu fahren. Es gibt zwar wenig zu sehen, kaum Gründe zu reisen und ein nicht zu vernachlässigendes Risiko der Infektion, aber davon abhalten mit der Bahn zu fahren, tut uns ja niemand. Seit August 2020 gibt es sogar Bußgelder, sollte man seine Maske im ÖPNV und Fernverkehr nicht tragen, und seit September wird es sogar verstärkt kontrolliert. Seit April 2020 gibt es in NRW eine Maskenpflicht in Zügen, Bussen, Bahnhöfen etc. und seit Ende Januar 2021 muss es sogar eine medizinische Maske sein. Enge Räume, viele Menschen, lange Zeiträume – alles Faktoren die den Schutz einer Mund-Nase-Bedeckung relativieren. Hat man dies im Hinterkopf und schaut sich die Daten an, zu denen Maskenpflichten, Kontrollen und Bußgelder in Kraft traten, fragt man sich, ob es nicht große Lücken gibt, in denen der Schutz der Passagiere nicht gewährleistet wurde. Trotzdem, die Züge und Busse fahren (außer es schneit, regnet, die Sonne scheint zu stark, eine Brücke brennt, eine Tür funktioniert nicht...), niemand verbietet Euch einzusteigen! 

:Jan-Krischan Spohr