Das Zusammenspiel von Neuronen beim Sinnes-Training
Sinne trainieren und verbessern
Den Alltag einfacher machen: Dinge, mit denen wir häufiger zu tun haben, können wir schneller hören.
Den Alltag einfacher machen: Dinge, mit denen wir häufiger zu tun haben, können wir schneller hören.

Neurowissenschaft. Das Forscher*innen-Team um Professor Alex Thiele fand heraus, dass Sinne geschärft werden können und diese miteinander kooperieren.

„Maler haben eine bessere Wahrnehmung von Farbnuancen, Musiker von Tonnuancen, Radiologen von Grautonunterschieden“, erklärt Dr. Claudia Distler-Hoffmann von der Allgemeinen Zoologie und Neurobiologie der Ruhr-Universität. Dies geschehe durch ein ständiges und notwendiges „Sinnes-Training“, denn „unser Alltag wird dadurch einfacher, weil wir Dinge, mit denen wir häufig zu tun haben, schneller sehen, begreifen oder hören“. Ein internationales Forscher*innen- Team aus Großbritannien, Italien, USA und der RUB haben dazu untersucht, was im Gehirn geschieht, wenn sich durch ein „Sinnes-Training“ die Wahrnehmung verbessert. Die Studie verlief über einen längeren Zeitraum: Dabei wurden Rhesusaffen während des Erlernens einer Diskriminationsaufgabe beobachtet und Zellpopulationen konnten registriert werden. Die Versuchstiere sollten dabei auf eine von zwei Reiz-Konstellationen reagieren. „In früheren Studien wurden die Antworten von Einzelzellen vor und nach dem Training beziehungsweise zwischen trainierten und untrainierten Tieren verglichen. Wir konnten damit zeigen, dass Neurone ihre individuelle Sensitivität verbessern, und dass sie besser miteinander kooperieren“, stellt Distler-Hoffmann dar.


Generalisten und Spezialisten

Grob sind Neuronen in zwei Typen eingeteilt: Generalisten können einen weiten Bereich von Kontrastunterschieden codieren, jedoch nicht die, die nahe der Wahrnehmungsgrenze liegen. Spezialisten können eben genau diese erkennen. „Wir konnten zeigen, dass sich durch das Training die Kontrastdiskrimination verbesserte, vor allem im Bereich der sehr geringen und damit schwierigen Kontrastunterschiede“, fasst die RUB-Forscherin zusammen. Neuronen, die vorher eher Generalisten zuzuordnen waren, haben nach dem Training ebenfalls die Kontrastunterschiede an der Wahrnehmungsgrenze erkannt. Die Spezialisten verbesserten auch ihre Wahrnehmung, aber nicht in dem Maße wie die Generalisten. „Darüber hinaus gab es Verbesserungen bei den Mechanismen der Populationscodierung, also dem Zusammenspiel mehrerer Neurone.“

:Sarah Tsah

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