Bitte bleibt neutral!
Schwarzweißpolitik
Bild: gust
Keine Regenbogenbeleuchtung für das Münchener Fußballstadion – vielleicht in Schwarzweiß.

Kommentar. Mit dem Verbot, das Münchener Stadion beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben beleuchten zu lassen, wünscht uns die UEFA einen happy Pridemonth!  

„Bist du Hetero oder politisch?“. Eine absurde Aussage und doch folgt sie der Logik der UEFA. Denn der Stadtrat Münchens hatte einige Tage vor dem EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn einen fraktionsübergreifenden Antrag eingereicht, das Münchener Stadion beim Spiel in Regenbogenfarben leuchten zu lassen, um ein Zeichen für Toleranz und Offenheit zu setzen. Diese Aktion fand gerade in den sozialen Netzwerken eine große Anhänger:innenschaft, bis die UEFA einschritt. Ein Stadion in Regenborgenfarben zu zeigen wäre unverantwortlich, denn so ein großes Event wie die EM bräuchte „politische Neutralität“.
Die Aussage der UEFA brachte nicht nur deutschlandweit Empörung hervor. Dass Toleranz politisch sein soll, konnten viele Nutzende der sozialen Medien nicht verstehen. Kurze Zeit später solidarisierten sich nicht nur viele Politiker:innen, sondern auch einige Firmen und Marken mit der LGBTQI*-Community, indem sie Statements veröffentlichten und ihr Icon in den jeweiligen Netzwerken für einen Tag zu einer Regenbogenflagge änderten.
Die Aktion ging natürlich auch an dem Gegner des EM-Spiels nicht vorbei. Während des Spiels hielten Fans Plakate mit Sprüchen wie „LMBT? Nein, Danke“ (LMBT ist die ungarische Bezeichnung der LGBTQIA*-Community) in die Höhe. Auch riefen Fans mehrfach Parolen wie „Deutschland, Deutschland, homosexuell!“. Aufgrund dieser Ereignisse leitet die UEFA ein Disziplinarverfahren ein. Schon in vorherigen Spielen sind die ungarischen Fans negativ aufgefallen, beim Spiel gegen Frankreich sollen ungarische Fans Affenlaute von sich gegeben haben, sobald der Stürmer Kylian Mbappé am Ball war. Es gab weitere rassistische und homophobe Äußerungen, wie beispielsweise den Hitlergruß, die die UEFA als „möglicherweise diskriminierende Vorfälle“ einstuft. Strafen für diese Vorfälle wären Geisterspiele, Punkteabzug oder sogar die Disqualifikation – blöd nur, dass Ungarn nach dem Spiel gegen Deutschland sowieso schon aus der EM ausgeschieden ist und dadurch wahrscheinlich keine Konsequenzen folgen werden. 

:Augustina Berger