Traumberuf Domina? Das SM-Studio Schwarz in Dortmund lud zum Tag der offenen (Kerker)Tür
Schnupperstunde bei der Domina
Die Vorliebe ist alt und so normal wie fast jede andere sexuelle Vorliebe auch. Doch die wenigsten wissen, was wirklich in einem Sadomasostudio abgeht.
Die Vorliebe ist alt und so normal wie fast jede andere sexuelle Vorliebe auch. Doch die wenigsten wissen, was wirklich in einem Sadomasostudio abgeht.

Mitten in der Ruhrpottidylle von Dortmund-Aplerbeck, zwischen Jagdzäunen und Regionalbahn, steht das Institut Schwarz. Ich werde empfangen von Evelyn Schwarz, der Herrin des Hauses. Ihr zu einem langen Zopf gebundenes schwarzes Haar strahlt Strenge aus, ihr offenherziges Outfit aus Lack und Leder weckt Begehrlichkeiten, aber ihre High Heels zeigen, dass man besser tut, was diese Frau sagt. Ihr Tonfall und ihr Lächeln, mit denen Sie die überwiegend männlichen Gäste begrüßt, ist aber offen und freundlich. Das Institut Schwarz ist ein S/M-Studio.

Auch die anderen Mitarbeiterinnen, die „Mädchen“ des Hauses, wie es hier heißt, zeigen sich den Abend über ausgesprochen freundlich. Normalerweise schlagen sie Männer in diesem Haus – für 150 Euro die Stunde. Fesseln sie, bewerfen sie mit Dartpfeilen, peitschen sie aus, erniedrigen sie und setzen sie im Karzer Psychoterror aus. Heute aber stellen sie sich vor, beantworten neugierige Fragen im Plauderton, scherzen und reden auch über Hobbys.

„Heute darfst du mich ausnahmsweise duzen“, sagt die in einen hautengen Latexdress gekleidete Lady Juliette. Bei der Arbeit ist sie nämlich die erbarmungslose Domina. 

Anders als manche anderen Frauen, die auch für den „zärtlichen Bereich“ und „girlfriend sex“ zu haben sind, also für das, „was man sonst zu Hause auch macht“, sind Intimberührungen mit Lady Juliette tabu. Als Kunde darf man sie also nicht anfassen. Sie hingegen legt gerne eigenhändig den Hodenpranger an, damit der Hoden ein pralles, gut sichtbares Ziel abgibt – wenn man das möchte.

Zwischen Vorliebe und Tabu ist viel Spielraum

Im Vorfeld spricht man ab, was man gerne möchte – und was auf keinen Fall. Tabus würden auf jeden Fall eingehalten, betonen die Frauen immer wieder. Aber sie scherzen auch herum und lassen ihrer Fantasie freien Lauf, während sie Spiel- und Werkzeuge demonstrieren. „Und wenn du nicht artig bist, wirst du in diesen Käfig gesteckt“, drohen sie kichernd. „Und hiermit markieren wir unseren Besitz. Das ist ein Brandeisen, wie im Wilden Westen.“

Es fallen kecke Scherze über Vorlieben der (anwesenden) Stammgäste, die sich mal die anderen Mädchen und Räume, die sie noch nicht kennen, ansehen wollten. Das Verhältnis zwischen Kunde und Dienstleisterin ist fast freundschaftlich. Die Damen grinsen verschmitzt, wenn sie erzählen, was sie mit mir anstellen können im Folterstudio oder der „Klinik“.

Starke Frauen

Im Gespräch lernt man selbstbewusste Frauen kennen. „Ich lebe hier meinen Fetisch aus“, sagt Lady Maxima. Miss Rebecca erzählt: „Mein Partner und ich sind in unserer Beziehung beide dominant. Darum leben wir das zusammen am Kunden aus.“ Ist Domina also ein Job wie jeder andere, vielleicht ein Traumberuf? 

An die Öffentlichkeit kann man damit jedenfalls nicht. „Niemand, der nicht geistig behindert ist, hat in dieser Branche keinen Künstlernamen“, stellt Evelyn Schwarz fest, die so heißt, weil schwarz ihre Lieblingsfarbe ist.

Gastautor :Marek Firlej

 

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