Kommentar: Sicher (bescheuert): Separate Busabteile für Frauen
Schlecht, schlechter, Geschlechtertrennung

Separate „Lady-Zonen“ in Bussen? Mit dieser Forderung polarisierte ein Regensburger Stadtrat im Zuge der aktuellen Debatte um sexualisierte Gewalt. Sicherheitsbedürfnis trifft Feminismus – Klappe, die nächste.

Der mittlerweile abgelehnte Antrag erfolgte im Herbst 2015, um Ängste der Bevölkerung ernst zu nehmen – interessanterweise geschildert aus Sicht der Männer: „Wie kommt meine Tochter, wie kommt meine Frau abends oder nachts sicher nach Hause?“ Der Antrag ist Symptom einer erschreckenden Tendenz: zunehmende Trennung der Geschlechter. Die gedankliche Verbindung „separate Abteile für Frauen“ – „separate Abteile für Nicht-Weiße“ liegt nahe. Gleich aber getrennt: Frauenzonen sollen Sicherheit geben – aber um welchen Preis?

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Bitte nicht falsch verstehen: Sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist ein ernstes und reales Problem. Nur ist meiner Meinung nach räumliche Trennung der falsche Weg, damit umzugehen. Distanz bekräftigt nur die Unterschiede: Statt einer Gruppe Menschen sitzen dann hier die Männer, dort die Frauen. Die „Anderen“, die nicht so sind wie ich. In die ich mich nicht hineinversetzen kann, die zu verschieden sind. Die vielleicht was ganz anderes wollen als ich. Die es womöglich genießen, bewundert zu werden und den Klaps auf den Allerwertesten als Kompliment verstehen? Sehr überspitzt, aber mit wahrem Kern: Schließlich beginnt Gleichberechtigung in den Köpfen und nicht dadurch, dass eine Frau das Land regiert – fragt mal Shakespeares ZeitgenossInnen.

Fakt ist: FeministInnen haben lange und unter Missachtung ihrer persönlichen Sicherheit dafür gekämpft, dass Frauen nicht nur als schutzbedürftige, hilflose Wesen wahrgenommen werden. Ja, wir wollen sicher und angstfrei leben – aber nicht auf Kosten der Emanzipation. Wir brauchen keine väterlichen Politiker, die uns beschützen wollen, keine Verhaltenskataloge, damit wir auch ja keine Gewalt provozieren. Wir brauchen den Abschied aus der Opferrolle und der Illusion, dass es Männer gegen Frauen geht. Kurz: Wir brauchen eine gemeinsame Lösung, keine Geschlechtertrennung.

:Stefanie Lux

 
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