Das Spiel der Deutschen
Scheinigkeit und Recht und Freiheit
Bild: bena
Das Ziel eines jeden Spieler? Die Berufung in die Nationalmannschaft.

Anpfiff. Kurz vor der Pan-europäischen Europameisterschaft blickt Regisseur und Produzent Torsten Körner gemeinsam mit Schwarzen deutschen Fußballer:innen kritisch auf ihre Realitäten in Bezug auf die Nationalmannschaft und die Bundesliga zurück. 

Die Berufung in den Kader und sein Heimatland zu repräsentieren ist für viele Fußballspieler das höchste Gut! Doch für einige kann es auch ein Zwiespalt sowie eine Gefahr sein, sich Diskriminierung jeglicher Art auszusetzen. Hier werden die Sichtweisen von deutschen Schwarzen Spieler:innen gezeigt und wie sie im Zirkus Fußball angenommen worden sind. Die Geschichten werden selbst erzählt und spielen im Zeitraum von 1945 bis heute. Begleitet werden ehemalige Spieler:innen wie Jimmy Hartwig oder Shary Reeves, aber auch noch aktive Akteure im Bundesligakosmos wie Gerald Asamoah, Otto Addo oder Hertha Spieler Jordan Torunarigha. Sie alle haben eins gemein: den Hass der Fans aufgrund ihrer Hautfarbe. Wer nun aber denkt, dass dies nur ein Gejammer in 100 Minuten ist, der muss enttäuscht werden. Die Zuschauenden werden nicht nur auf den Fußballplatz genommen, sondern auch in den Alltag. In das Deutschland nach dem Krieg, wo weiße Mütter von Schwarzen deutschen Kindern gefragt werden, ob es nicht gescheiter sei, die Kinder zur Adoption freizugeben. Realität von Frauen, die Kinder mit Schwarz amerikanischen oder Schwarz britischen Soldaten hatten. Ein solches Kind war auch Erwin Kostedde. Jahrgang 46, geboren in Münster, Sohn eines afroamerikanischen GIs und begnadeter Fußballer. Er spielte 219 Mal in der Bundesliga und erzielte dabei 98 Tore. Viel wichtiger aber: Er ebnete den Weg für viele Schwarzdeutsche Nationalspieler:innen, denn er war der erste Schwarze Nationalspieler. Am 22. Dezember 1974 trug er den Adler auf der Brust und spielte neben deutschen Fußballlegenden wie Beckenbauer und Heynckes. Doch seine Karriere im Nationaldress blieb kurz – ganze drei Spiele verbuchte Erwin Kostedde auf seinem Konto. Aber nicht nur Karrieren im deutschen Dress werden gezeigt, denn einige entschieden sich explizit gegen die deutsche Nationalmannschaft, da ihnen von Anfang an klar war, sie seien nie wirklich willkommen. 

„Schwarze Adler” zeigt schonungslos das hässliche Gesicht des Sports, den die Deutschen so lieben. Mehr noch, die Doku bildet ab, dass bis heute hin nicht alle gleichwertig behandelt werden und dass Stereotypen noch Nachwirkungen haben. Deswegen verdient diese Dokumentation in jedem Falle eine Trigger-Warnung! Es werden Szenen gezeigt, die für Betroffene definitiv traumatisierend sein können. Dennoch macht der Film auch Hoffnung! Dass Menschen ihre Denkmuster verändern und dass dank Menschen wie Erwin Kostedde, die schon vor Jahren in den Kampf gezogen sind, um ihren Platz zu zeigen, Jungspieler wie Jean-Manuel Mbom dem Schritt eines normalen Daseins näher sein können. Was aber nicht heißt, dass wir am Ziel sind. Denn auch heute werden Spieler:innen, die für einige Menschen nicht als „deutsch“ gelesen werden gern als Entfremdungszeichen für das Land gesehen. So durften sich Leroy Sané und Ilkay Gündogan 2019 von „Fans“ auf der Tribüne rassistisch beleidigen lassen. Dieses Phänomen ist auch im Allgemeinen nicht nur ein deutsches, sondern kann auf andere Ligen sowie Nationalmannschaften bezogen werden. Deswegen ist dieser Film so wichtig! Er zeigt nicht nur das hässliche Bild, welches uns in der Tages- und Sportschau gezeigt wird, sondern auch die Gefühlswelt derjenigen, die diesen Hass abbekommen und wie sie damit umgehen. Aktuell ist die Doku über die Schwarzdeutschen Spieler:innen bei Amazon Prime und ab dem 18. Juni auch im ZDF zu sehen. 

Kleiner Tipp: Wer sich mit der Geschichte von Deutschlands ersten Schwarzen Nationalspieler auseinander setzten möchte, kann sich die Biografie von Erwin Kostedde, geschrieben von Alexander Helfik aneignen.   .

                :Abena Appiah