Völlig losgelöst von der Erde: Google und Co. wollen hoch hinaus
Satelliten-Internet
Karikatur: ck
Googles Sputnik heißt Android und er bringt der Menschheit... Internet. Karikatur: ck
Googles Sputnik heißt Android und er bringt der Menschheit... Internet.

Es ist ein ambitioniertes Projekt. Google und andere namhafte Unternehmen wollen die Internetversorgung auf dem Globus weiter ausbauen. Ziel soll es sein, die Entwicklungsländer via Satellit ans Netz anzuschließen – mehrere Milliarden Menschen könnten hiervon profitieren. 

Für die meisten StädterInnen ist eine stabile und schnelle Internetversorgung das geringste Problem. Zahlreiche Anbieter tummeln sich auf dem Markt – die Auswahl ist groß. In den eigenen vier Wänden geht man via Festnetz und WLAN ins World-Wide-Web – außerhalb nutzt man den Mobilfunk, Cafés oder öffentliche Angebote. Ein Luxus, der für uns schon fast selbstverständlich geworden ist. In vielen anderen Regionen dieser Welt – vor allem den Entwicklungs- und Schwellenländern – sieht es da anders aus. Dort gibt es überhaupt kein Internet – ein Umstand, der sich nun ändern soll.

Kostspieliges Satelliten-Netzwerk

In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass Google einen Einstieg bei SpaceX plant – einer zivilen Raumfahrtfirma, die dem amerikanischen Unternehmer Elon Musk gehört. Dieser wurde vor allem durch die Fusion seines Onlinebezahldienstes X.com mit dem Konkurrenzunternehmen Confinity bekannt. Aus dem Zusammenschluss ging im Jahre 2000 PayPal hervor, welches  2002 für 1,2 Milliarden US-Dollar an eBay verkauft wurde.

SpaceX plant ein globales Netzwerk, bestehend aus gut 700 kleinen Satelliten, die in einem erdnahen Orbit operieren sollen. Hierdurch sollen auch die schlecht vernetzten Regionen ans Internet angeschlossen werden. Nach Berichten des „Wall Street Journal“ wollen Google und das Investmentunternehmen Fidelity mehr als eine Milliarde US-Dollar investieren, um den Traum von einer vollends vernetzten Welt wahr werden zu lassen.

Ganz reichen wird diese Summe jedoch nicht. Elon Musk schätzt, dass das gesamte Projekt um die zehn Milliarden US-Dollar verschlingen wird – aus seiner Sicht eine gute Investition. Die Einnahmen sollen für bemannte Reisen zum Mars, dessen Kolonisierung und ein interplanetares Satelliten-Netzwerk verwendet werden.

Lukrativer Wettlauf

Neben Google und SpaceX planen auch andere Unternehmen die Erschließung der kommerziell nutzbaren Erdumlaufbahn. Facebook möchte solarbetriebene Drohnen und Satelliten einsetzen, um das Internet in die entlegensten Winkel der Erde zu tragen. Hierzu hat sich das soziale Netzwerk mit führenden Technologie-Unternehmen und Organisationen im Rahmen der Initiative Internet.org zusammengeschlossen. Auch der britische Multimilliardär Richard Branson, der seit 2004 mit seinem Unternehmen Virgin Galactic sub-orbitale Raumflüge für Touristen und wissenschaftliche Missionen anbietet, möchte ein Stück vom Kuchen abhaben. Er soll für das US-Unternehmen Oneweb, welches ein ähnliches Satelliten-Netzwerk wie Google und Co. plant, ebendiese in den Orbit befördern. Branson musste bereits zahlreiche Rückschläge hinnehmen. 2007 wurden drei Mitarbeiter bei einer Raketenexplosion getötet, 2014 stürzte der Prototyp eines Raumflugzeuges, (SpaceShipTwo), bei einem Testflug ab. Dabei kam einer der beiden Piloten ums Leben, der andere konnte schwer verletzt geborgen werden.

:Christian Kriegel

In der kommenden Ausgabe: Ein Kommentar von Christian Kriegel zum Thema Satelliten-Internet von Google und Co.