Reißt die Ruhr-Uni ihr „Haus der Freunde“ ab?
RUB-Freunde an der Abbruchkante
Foto: USch
Noch zu retten? Foto: USch
Noch zu retten?

Einst war das „Haus der Freunde“ (HdF) neben dem ehemaligen Hochhaus der Sportfakultät als Werkstadtpavillon des Staatshochbauamtes die Keimzelle der Ruhr-Universität – heute steht es trotz universitärer Raumnot auf der langen Abrissliste der RUB-Leitung. Im Zuge der Errichtung des „Gesundheitscampus“ findet sich das verwaiste Gebäude derzeit am Rande einer riesigen Baugrube wieder. Die :bsz fragt: Ist es verantwortbar, angesichts eines Schuldenbergs von über neun Millionen Euro derart fahrlässig mit den Ressourcen unserer Universität umzugehen?

Wenn es nach der amtierenden Hochschulleitung geht, würde man die RUB spätestens 2020 kaum wiedererkennen: Allein in der ‚Zentralachse’ des Campus sollen fünf Gebäudekomlexe dem Boden gleichgemacht werden – neben dem durch unterirdische Hörsaaltrakte zu ersetzenden Hörsaalzentrum Ost (HZO) sollen das erst vor wenigen Jahren errichtete Forum Nordost (FNO), das Musische Zentrum, das Studierendenhaus und selbst die Universitätsverwaltung dem Abrissbagger zum Opfer fallen (die :bsz berichtete). Und das trotz wachsenden Haushaltsdefizits in den Kassen der RUB. Aber damit nicht genug – im Kontext des kostspieligen „Gesundheitscampus“-Projekts geht es schon jetzt ans Eingemachte: So soll das seit 1977 von der Gesellschaft der Freunde (GdF) der Ruhr-Universität bis Februar 2012 genutzte HdF an der Stiepeler Straße schon bald Geschichte sein, befürchtet Hans-Helmut Weigmann, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der GdF.   

Ein Kleinod soll sterben

„Sämtliche Räume des HdF haben wir damals mit eigenen Mitteln eingerichtet“, verrät der früher als Rektoratsreferent der RUB tätige Diplomjurist der :bsz. „Für damalige Verhältnisse war es geradezu luxuriös.“ Und mehr noch: „Das Haus der Freunde war nicht nur eine sehr angenehme Herberge, sondern auch ein Identifikationspunkt. Viele Gruppen und Initiativen kamen sehr gerne hierher und so entstand im Laufe der Zeit eine kleine Community.“ Mit seinem sonnendurchfluteten Atrium samt jahrzehntealtem exotischem Trompetenbaum war das auch als Mensa für die RUB-SportlerInnen dienende Holzgebäude aus der Gründerzeit der Ruhr-Uni Anfang der 60er Jahre ein wahres Kleinod, das von vielen Initiativen und kleineren Fachschaften als Ort für Tagungen und Feiern genutzt wurde. Selbst ein ‚WAZ-Raum’ für Pressemeetings durfte nicht fehlen. Das Rektorat hielt es nicht für nötig, die GdF früher als im Juni 2011 vom Ende der Nutzung als Haus der Freunde zu informieren: „Über den Auszug informiert worden sind wir erst acht Monate vorher“, so Hans-Helmut Weigmann. „Obwohl wir mit Rektor und Kanzler oft an einem Tisch sitzen, sind wir leider derart kurzfristig informiert worden.“ Nun steht zu befürchten, dass das Gebäude bald endgültig Geschichte sein wird: „In unser Büro ist direkt nach unserem Auszug im Februar die Bauleitung für den Gesundheitscampus eingezogen“, erläutert Weigmann. Spätestens nach Fertigstellung des neuen Campus droht der Abriss.

Freunde der Ruhr-Uni ausgelagert

Die Gesellschaft der Freunde der Ruhr-Universität wurde nach ihrem Auszug im Februar 2012 dezentral in einem beengten Raum im Gebäude GC, Ebene 05, untergebracht. „Selbst für Uni-Angehörige sind wir hier schwer zu finden“, sagt Hans-Helmut Weigmann. „Wir haben uns hier von Anfang an nicht wohlgefühlt, aber darauf gehofft, mittelfristig in die ‚Oase‘ umziehen zu können.“ Diese Lokalität am Buscheyplatz (Nähe Uni-Center) ist jedoch bis 2016 an eine ‚stadtteiloffene Nutzung’ gebunden, sodass diese Option für die kommenden Jahre nicht besteht. Dennoch zeigt sich Weigmann „dankbar, dass die Uni uns weiterhin eine Bleibe gibt.“

Fachschaften und Initiativen ohne Raum

Raumlos dagegen sind zahlreiche Initiativen und (ehemalige) Fachschaften, wie beispielsweise die sich nach ihrer Abwicklung 2007 nur noch zweimal im Jahr zu gemeinsamen Feiern treffenden Skandinavistik-AbsolventInnen der Ruhr-Universität. Ihr Mittsommer- und Lucia-Fest können sie nun nicht mehr im Haus der Freunde feiern. „Zahlreiche AnruferInnen melden sich immer noch und erkundigen sich nach kostenfrei nutzbaren Räumlichkeiten“, bestätigt Hans-Helmut Weigmann. „Schade, dass wir diesem Wunsch derzeit nicht mehr nachkommen können.“ Die Uni-Leitung hält sich derweil mit einer Stellungnahme zurück. Bis zum Redaktionsschluss der vorliegenden Ausgabe blieben Nachfragen über die Zukunft des Hauses der Freunde unbeantwortet.