Kommentar contra rezeptfreie Pille danach: Bevormundung oder nötige Aufklärung?
Richtig dosierte Verhütung

Männer haben meist nur indirekt mit der Entscheidung zu tun, wenn Frauen „die Pille danach“ wählen. Vielleicht riss das Kondom oder beide waren nicht ganz – gegebenenfalls doch – bei der Sache. Plötzlich kommt dann das Erwachen und die Situation ist ungewollt. Schnell sein heißt es, wenn die Entscheidung klar ist. Der Termin beim Arzt kostet wertvolle Zeit und ist lästig. Gute Gründe für den rezeptfreien Verkauf gibt es also, aber meiner Meinung nach überwiegen dennoch die Nachteile.

Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) gibt an, dass zum Beispiel das Präparat „Levonorgestrel“ das 15-Fache der üblichen Tagesdosis von Antibabypillen beinhaltet. „Steroidhormone“ seien keine beliebigen Pharmaka. Freundinnen von mir sprechen nicht selten darüber, dass sogar die reguläre Pille direkt wahrnehmbare Auswirkungen auf Körper und Psyche hat. Unfruchtbarkeit auf unbestimmte Zeit, Gewichtszunahme, Übelkeit oder auch Depressionen werden als mögliche Nebenwirkungen genannt. Ein Zuviel von dieser „Hormonbombe“ birgt insofern Risiken.
Unnötig bevormundet werden sollte hingegen niemand. Unnötig ist die Beratung und Aufklärung jedoch erst dann, wenn jede Frau die Fakten kennt, sie versteht und sich auch bewusst macht. Ist das der Fall?

Norwegen machte schon zum Millennium „die Pille danach“ frei zugänglich, ohne Erfolg. 1995 betrug die Anzahl von Konsumentinnen dort noch 5.000 und bereits 2007 waren es 150.000. Der Kontext ist hier wesentlich, weil die Zahlen der Schwangerschaftsabbrüche unverändert blieben.
Fraglich bleibt dadurch also die Effektivität der freien Verfügbarkeit des Präparats. Denn zum einen wäre wohl die Abbruchrate sonst gesunken, zum anderen weisen die Fakten auf einen unbewussteren Umgang hin. Norwegen ist kein Einzelfall, denn auch Schweden und Schottland geht es ähnlich. Entscheidend für mich als Mann ist letztlich nur, dass jede Frau, meine Freundin, aufgeklärt entscheiden kann. Nebenwirkungen sollten klar und bewusst sein.

:Alexander Schneider

 

Lest hier den Pro-Kommentar von Gastautor Patrick Henkelmann.