„Die Originalversion ist ganz nett, aber Version 2.1.3 war ein Meilenstein!“
#ReleasetheSnyderCut & more.
Bild: fufu
The Fan-Craze is real: Es wurde solange gewütet, bis die Wünsche erhört wurden.

A Cult Following. The first cut is the deepest? In Hollywood experimentiert man mit Modellen, die diese alte Weisheit passé machen könnten. Oder ist das alles nur um die Fans etwas glücklicher zu machen?

Kaum ein Streifen hat solch einen Internet-Hype nach sich gezogen, wie zuletzt der DC-Superheldenfilm Justice League (2017). Zuerst, weil das Fan Lager nach Erscheinen des Films gespalten war und später, weil sich ein Mythos um die im Kino erschienene Fassung des Blockbusters entfaltet hatte: #releasethesnydercut. Was es damit auf sich hat? Im Laufe der Produktion von Justice League musste sich der ursprüngliche Regisseur Zack Snyder, aufgrund eines Vorfalls innerhalb seiner Familie (und wie man munkelt auch aufgrund von Differenzen mit Warner Bros. Pictures, dem produzierenden Studio), von den Dreharbeiten losmachen und wurde durch Avengers-Regisseur (Teil I & II) Joss Whedon ersetzt, der das angefangene Projekt in der Post-Produktion zu Ende bringen sollte. Dies tat er auch, jedoch mit einem Ergebnis, dass bei vielen Fans und sogar Zack Snyder, ein Gefühl der Enttäuschung zurückgelassen hatte. Wie hätte der Film wohl in einer vollendet, realisierten Fassung von Snyder ausgesehen? 

Nun wird es aber doch noch irgendwie möglich: Der neue amerikanische Streaming-Dienst HBO Max plant für das Jahr 2021 eine Veröffentlichung von „Zack Snyder`s Justice League“, exklusiv für Subscriber:innen des Dienstes. Unklar ist allerdings noch in welcher Form. Ob als vierstündige Langfassung oder episodische Minihappen, die die Kund:innen für einen längeren Zeitraum an HBO Max binden könnte.

HBO Max ist dafür bereit, Zack Snyder noch einmal 30 Millionen US-Dollar zur Verfügung zu stellen, um seine Vision des Films zu vollenden. Der Cast des Films tritt jedoch nur noch für Voice-Aufnahmen ins Ton-Studio und nicht für Re-Shoots vor die Kamera. Es soll allerdings viele Szenen geben, die es nicht in die Kinofassung geschafft haben, aber ganz neue Charaktere in den Film einbringen sollen, wie Justice League-Member Martian Manhunter oder Bösewicht Doomsday. Da es sich bei beiden Charakteren wohl um CGI-Charaktere handelt, kann man natürlich auch einiges nachträglich machen.
Denn an dieser Stelle treffen Interessen aufeinander, einerseit möchte HBO Max exklusiven Inhalt für den neuen Streaming-Dienst zur Verfügung stellen, andererseits können gerade aufgrund der Corona-Pandemie keine Film-Produktionen betrieben werden. Doch man kann etwas, nach dem scheinbar großes öffentliches Verlangen besteht, in der Post-Produktion Um- und vielleicht sogar Grade-bügeln. Mit Mitteln des Home-Studios. Gut für HBO Max! Doch auch die Fans, der Justice League-Cast und Zack Snyder sind überaus glücklich mit der Entscheidung. Es zieht sogar schon erste Synergien in der Filmbranche mit sich. Kurz nach Bekanntgabe von Zack Snyder’s Justice League auf HBO Max, verlangte auch Regisseur David Ayer, nach Veröffentlichung seiner ursprünglichen Fassung von Suicide Squad. Denn Suicide Squad wurde ihm quasi Last-Minute beim Filmschnitt unter der Nase weggerissen und von einer Produktionsfirma geschnitten, die zuvor Trailer für Kinos geschnitten hatte, keine Spielfilme in voller Länge. Dies verfälschte die ursprüngliche Version des Filmemachers wohl bis zur Unkenntlichkeit. Und nicht nur das: Auch im Hause Disney brodelt die Internet-Gerüchteküche. So soll es im Jahr 2023 für Disney+-Abonnent:innen alternative Fassungen der Star Wars Teile acht und neun geben. Von J.J. Abrams und George Lucas geschnitten. Directors Cuts sind zwar eigentlich nichts neues in der Filmindustrie, aber durch Streaming-Dienste, Social Media und Fan-Furore erreichen sie eine Popularität von ganz neuem Ausmaß.

:Christian Feras Kaddoura