IYSSE informieren über den Fall Baberowski
Rechtsruck an Hochschulen?
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Rechter Inhalt medial toleriert? Christoph Vandreier gab einen Einblick in die Berichterstattung im „Fall Baberowski“. Foto: lor
Rechter Inhalt medial toleriert? Christoph Vandreier gab einen Einblick in die Berichterstattung im „Fall Baberowski“.

Vortrag. „Fall Baberowski“: Rechte Aussagen, Klagen, studentischer Protest, mediale Aufmerksamkeit. Doch was steht dahinter? Christoph Vandreier, nationaler Sprecher der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) sprach vergangene Woche über rechte Ideologie an Unis.

Jörg Baberowski, Professor der osteuropäischen Geschichte, verklagte vergangenen Oktober den AStA der Universität Bremen, die den Gewaltforscher falsch zitiert haben sollen. Nach einem vorläufigen Urteil im Februar (:bsz 1114) zog Baberowski seinen Antrag vor dem Kölner Oberlandesgericht nach Berufungseinlegung gegen das Urteil vonseiten des Bremer AStAs am 1. Juni zurück. Der Stalinismusexperte kann demnach als ’rechtsradikal’ und ’rassistisch’ bezeichnet werden und auch die Zitate seien statthaft gewesen.

Vor dem Hintergrund der Debatte um Baberowski hielt Christoph Vandreier von der IYSSE vergangene Woche einen Vortrag zum Thema „Gegen rechte und militaristische Ideologie an der Uni! Am Fallbeispiel von Professor Jörg Baberowski“, in Kooperation mit dem AStA der Ruhr-Universität Bochum.

Universitärer Rechtsruck

Anhand der Aussagen, die Baberowski seit zehn Jahren tätigt, sei laut Vandreier „völlig außer Zweifel, dass er ein rechtsextremes Weltbild vertritt“. Neben der Bezeichnung Armin Mohlers, Schweizer Publizist und Vordenker der Neuen Rechten, als Konservativen äußerte sich Baberowski beispielsweise mehrfach kritisch im Kontext der Geflüchtetenkrise und befürchtete die Aufgabe eines deutschen Souveränstaates durch Grenzöffnungen. In der 2015 erschienenen Publikation „Räume der Gewalt“ vertrete er die These, dass Terror nur mit Gegengewalt bekämpft werden könne. Auffallend sei, das haben die Diskussionen in der Öffentlichkeit gezeigt, dass sich kaum ein Lehrender gegen Baberowski gestellt habe bis zu diesem Jahr.  Anhand dessen werde deutlich, „wie ein Rechtsruck innerhalb des akademischen Establishments“ stattfindet, so Vandreier. Der „Fall Baberowski“ sei nur ein Beispiel für diesen Prozess. Dieser werde von einer Geschichtsrevidierung begleitet. So sei Hitler nach Baberowskis Einschätzung nicht grausam gewesen. „Das ist eine kaltschnäuzige Argumentation und historisch falsch“, sagte Vandreier. 

Reaktion und Diskussion 

Das solche Aussagen öffentlich kaum kritisiert würden, sei auch der „Ausdruck einer Polarisierung in der gesamten Gesellschaft“, die sich an den letzten US-Wahlen zeige: „Trump ist Ausdruck der tiefen Krise des amerikanischen Kapitalismus selbst.“ Selbst in Europa verkündeten Merkel und Macron den Bau gemeinsamer europäischer Kampfjets. Wie mit dem Rechtsruck umgegangen werden müsse, sei klar: Der Aufbau einer sozialistischen Bewegung gegen den Kapitalismus.

In der darauffolgenden Plenumsdiskussion mit reger Beteiligung aus dem Publikum wurde vor allem die Rolle des Kapitalismus, aber auch der Gewalt als mögliche Reaktionsmöglichkeit diskutiert. Von dieser distanzierte sich Vandreier nach einem Einwurf eines Zuhörers in die Richtung jedoch deutlich: „Das sind nicht unsere Methoden.“ Insgesamt bewerteten sowohl Vandreier als auch AStA-Referentin Zeynep-Fatma Dikman die Veranstaltung als „interessant“. Letztere zeigte sich zufrieden. Im Zusammenhang mit der Veranstaltung mit Christian Lindner (siehe S. 8) und den aufgetauchten Plakaten der Identitären Bewegung (IB), habe sie eigentlich mit dem Auftauchen der IB gerechnet. 

:Andrea Lorenz