Fahrradfreundlichkeit für mehr Lebensqualität
RadEntscheid
Bild: stem
Der RadEntscheid findet sich in der ersten Woche von 10 – 14 Uhr auf der Unibrücke.

Interview. Im Gespräch mit Marek Nierychlo und Jörg Härterich vom RadEntscheid Bochum geht es um ein Bürger:innenbegehren, welches eine bessere Fahrradinfrastruktur Bochums fordert. Alles was Ihr dafür tun müsstet, wäre z. B. auf der Uni-Brücke eine Unterschrift setzen, damit sie das Ziel von 12.000 Unterschriften erfüllen.

 

:bsz: Was ist der RadEntscheid? 

Jörg Härterich:  Beim RadEntscheid handelt es sich um ein Bürger:innenbegehren, was das Ziel hat, die Radinfrastruktur in Bochum in den nächsten neun Jahren zu verbessern. Das haben wir auf sieben konkrete Ziele heruntergebrochen, die eben mehr Lebensqualität, sicherere Straßen und auch ein attraktiveres Bochum schaffen sollen. Und wir fordern vor allem erst mal den Ausbau des Alltagsradnetzes auf den Hauptverkehrsstraßen und auf den Nebenstraßen 20 km neue Radwege pro Jahr. Dabei sollen gleichzeitig noch gewisse Mindestanforderungen erfüllt werden, was die Sicherheit und die Breite von den Radwegen angeht und insbesondere fordern wir auch, dass an Kreuzungen, wo die Sicherheit nicht gewährleistet ist, entsprechend umgebaut wird. Dann möchten wir gerne noch Radschulwegpläne, sodass Schüler:innen leichter zur Schule kommen können mit dem Fahrrad und wir fordern den Ausbau von Fahrradabstellplätzen hauptsächlich in der Nähe von Bahnstationen.  

 

Was vom AGFS gefordert wird, reicht dem RadEntscheid nicht?  

Marek Nierychlo: Leider ist es so, dass Bochum schon seit 2016 in dem Verbund ist, und wir nicht sehen, dass deshalb wirklich etwas passiert. Wir sehen immer noch Gehwege, die nur ein Meter breit sind während daneben drei Meter für einen Autoparkplatz freigelassen wird. Das entspricht nicht der Idee der AGFS die Städte fußgänger- und radfahrerfreundlicher zu machen.  

 

 In Punkt 7 [des RadEntscheids] wird Transparenz gefordert, aber Ihr seid nicht dafür, einen Kontrollmechanismus einzuführen oder eine Teilhabe an der Planung?  

J: Man kann nicht erwarten, dass es Vertragsstrafen gibt, wenn die Ziele nicht Jahr für Jahr erreicht werden. Aber wir wollen zumindest, dass dann auch klar gesagt wird, wo Probleme sind und dass man dann gegebenenfalls vehement gegensteuern kann, wenn die Ziele deutlich verfehlt werden.  
Die Beteiligung der Bürger:innen ist für uns ein wichtiger Punkt, weil wir bisher beobachten, dass die Stadt Bochum vor allem dort kleine Stücke an Radwegen ausbaut oder neu einrichtet, wo sowieso grade eine Baustelle ist. Wenn man dagegen die Bürger:innen beteiligt, kommt viel mehr auf den Tisch, wo Radwege nötig und sinnvoll sind und das sollte auch wirklich bei der Planung berücksichtigt werden. Nicht nur wo die Straße aus anderen Gründen aufgerissen wird.

M: Und auch hierfür ein Beispiel aus der aktuellen Situation an der Wittener Straße. Da hat man für Baumscheiben einen Gehweg saniert und gleichzeitig einen Zwei-Richtung-Radweg saniert und hat, nachdem die Baustelle fast vollendet ist, festgestellt, dass es überhaupt keinen Radweg mehr geben darf, weil die Bedingungen dafür nicht mehr erfüllt sind. Also lässt man halt den Radweg komplett weg. Ich weiß nicht, wie eine Verwaltung arbeitet, aber ich finde es sehr überraschend – vorher macht man sich einen Plan, wie groß Baumscheiben sind, also weiß man wie viel Restbreite für einen Gehweg oder Radweg vorhanden ist, und jetzt ist man ganz verwundert in der Verwaltung, dass der Platz einfach nicht mehr ausreicht und man muss tatsächlich diesen Zwei-Richtungs-Radweg aufheben. Das ist auch ein Beispiel dafür, bei dem man sagen muss, man muss das Ganze zu Ende denken und wir können mit dem Bürger:innen Entscheid darauf pochen: Ihr habt es doch so unterschrieben. Ihr habt gesagt, Ihr wollt es. Jetzt kann man halt sagen: ja, da kommt einfach kein Radweg hin, irgendwann werden wir es umbauen. Mit dem RadEntscheid, wenn er tatsächlich umgesetzt werden müsste, geht das nicht mehr so einfach. Man kann dem Ganzen Nachdruck verleihen.  

 

Wo findet man den RadEntscheid, wie viele Stimmen habt Ihr, wie viele wollt Ihr haben?  

M: Aktuell haben wir 10.500 (Stand 7.10.). 12.000 gültige müssen wir haben, wir wollen aber deutlich mehr Unterschriften, damit wir die offizielle Anforderung für ein Bürgerbegehren erreichen. Mit den zusätzlichen Unterschriften sind wir auf der sicheren Seite, auch wenn Stimmen ungültig sind,weil jemandnicht in Bochum wohnt, Gänsefüßchen benutzthat, um etwas zu wiederholen oder weil die Unterschrift fehlt. 

J: Ich wollte noch zur Uni sagen, also wir planen in der ganzen ersten Vorlesungswoche immer zwischen 10 und 14 Uhr auf der Brücke von der U-Bahn Station zum Campus einen kleinen Stand zu haben, bei dem man sowohl Infomaterial bekommen kann, als auch direkt den RadEntscheid mit seiner oder ihrer Unterschrift unterstützen kann.  

M: Der RadEntscheid selber hat kein Datum, bis wann die ganzen Unterschriften abgegeben werden. Es ist gesetzlich nicht geregelt oder nicht gemaßregelt, sondern man hat so viel Zeit, wie man braucht letztendlich, wenn man das so sagen möchte, aber wir versuchen einfach, bis Ende Oktober, damit fertig zu sein. 

 

 Wollt Ihr noch etwas loswerden, was Euch am Herzen liegt? 

J: Ich finde ein Punkt, der Studierende am RadEntscheid interessieren sollte ist, dass die Lebensqualität schon einen relativ großen Einfluss auf die Wahl des Studienortes hat. Und dass es daher für Bochum wichtig sein sollte, die Möglichkeiten mit dem Fahrrad von A nach B zu kommen deutlich zu verbessern, weil dadurch einfach auch die Attraktivität als Studierendenstadt gesteigert wird.  

M: Ein Punkt den ich selbst hinzufügen möchte, der mitunter ein Grund ist, weshalb ich vom Radfahrer zum aktiven Radaktivisten geworden bin, ist, dass die gesetzliche Regelung so ist, dass Kinder ab dem 10. Lebensjahr die Fahrbahn benutzen müssen. Sprich, sie dürfen nicht mehr auf dem Gehweg fahren, sondern müssen auf die Fahrbahn. Die Radwege, die wir erleben, sind nicht die, die ich haben will, die tatsächlich sicher sind und das ist auch ein Punkt. Wenn man hier studiert, irgendwann gründet man eine Familie und ist dann mit der Situation konfrontiert, dass man Kinder hat und diese Kinder müssen auch sicher Radfahren können. Wie kommen sie zum sicheren Radfahren, da fehlt mir komplett die Vorstellung. Das ist etwas, das durch den RadEntscheid auch nicht ganz
möglich wird, aber es ist ein Schritt dahin.    

               
            Das Inteview führte  :Lukas Simon Quentin