HHochschulgesetz scheidet Geister und Ämter
Rücktritt der Präsidentin
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Veränderung: Die Humboldt Universität muss die Präsident:instelle bald umbesetzen

Ende Oktober gab Prof. Dr.-Ing. Sabine Kunst, die eben genannte Präsidentin, dies in einem Statement bekannt. Begründet hat sie den Rücktritt mit Kritik an dem neuen Berliner Hochschulgesetz (BerlHG). Sie sehe die Unzufriedenheit der Menschen in Bezug auf die ungewissen Karrierewege in der Wissenschaft, wie zum Beispiel in den Emmy-Noether-Arbeitsgruppen. Doch durch die Novelle des BerlHG würden sich Personalstrukturen verändern und mit dem §110 werden mehr Menschen unbefristete wissenschaftliche Mitarbeiter:innen werden, worauf die „aktuellen Strukturen aber nicht ausgerichtet“ sind. Dadurch würden die nächsten fünf bis zehn Jahre mit der Lösung der Konflikte einhergehen. 

In dem Statement kommt der vielzitierte Satz: „Persönlich halte ich die wissenschaftspolitischen Weichenstellungen des BerlHG für gut gemeint aber schlecht gemacht“ vor. Und daraus resultiert, dass sie aufgrund ihrer Erfahrung und Überzeugung diese Entscheidung (also die des BerlHG) nicht tragen kann und deshalb zurücktritt. Die neuen Änderungen würden die exzellente Weiterentwicklung und den Wissenschaftsstandort Berlin gefährden. 

Darüber hinaus gab Kunst in einem Interview mit dem rbb an, dass explizit der §110 „in einer Nacht- und Nebelaktion ins Gesetz gekommen [sei], ohne Rücksprache mit den Hochschulen“. Eben dieser spiegle wider, dass das politisch gewollte nicht auch so umgesetzt werden könne. 

Mit ihrer Kritik steht sie nicht allein dar. So reagiert Christian Thomsen, der Präsident der Technischen Universität Berlin, mit Verständnis für den Rücktritt: „Das Land Berlin hat mit der Novelle der international viel beachteten Erfolgsgeschichte der Berliner Universitäten einen schmerzhaften Dämpfer verabreicht. Der Rücktritt von Sabine Kunst ist ein deutlicher Ausdruck dessen.“ Andererseits gibt es den Berliner Regierenden Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD), der auf den Rücktritt gemischt 

reagiert. Er gab bekannt: „Wir nehmen den Rücktritt von Prof. Sabine Kunst mit Bedauern und Verwunderung zur Kenntnis.“ Weiter führte er aus: „Die Anforderungen des neuen Hochschulgesetzes mögen anspruchsvoll sein, aber sie sind wichtig für die langfristige Stärkung des Standorts und im konstruktiven Miteinander zwischen Hochschulen und Senat gut umsetzbar.“ Die Meinungen gehen also bezüglich des BerlHG auseinander, aber der Grundtenor bedauert den Rücktritt von Sabine Kunst aus verschiedenen Standpunkten.

:Lukas Simon Quentin