Trash TV mit Sozialbewusstsein?
(Pseudo-)Korrektheit im deutschen Unterhaltungsfernsehen
Bild:leda
Entertainment TV kann jetzt #selflove, #acceptance und #politicalcorrectness – oder?

Kommentar. Ein Bewusstsein für problematische Verhaltensweisen und Stigmata findet seinen Weg ins Entertainment TV. Warum dies auch gefährlich sein kann.

„Promis unter Palmen“, Staffel 1 des neuen Sat.1-Trash-Programms: Eine Teilnehmerin wird von drei Mitstreiter:innen so gemobbt, dass sie die Show verlässt. War sowas vor einigen Jahren noch normale Unterhaltung, sind das Fernsehpublikum und Deutschlands X bis Z Promis nun empört: Mobbing solle so weder stattfinden, noch ausgestrahlt werden. Einige der Mobber:innen verloren Werbedeals, die Folge wurde zeitweise aus der Mediathek entfernt und trotz der eher milden Stellungnahme von Sat.1 wird deutlich, dass dieses Verhalten im Entertainment TV mittlerweile auf heftige Kritik stößt. ,,Germany’s Next Topmodel‘‘, Staffel 14/15/16/irgendeine-hohe-Zahl: Heidis Meeedchen müssen für einen Job ihrem eigenen Spiegelbild erzählen, dass sie sich selbst lieben. Es dürfen in den neuen Staffeln sogar ein (1) Plus-Size-Model und ein (1) Transgender-Model mitmachen, da GNTM jetzt richtig #diverse ist. Statt eine große Show daraus zu machen, den Meeedchen ihre Süßigkeiten abzunehmen, macht Heidi nun eine große Show daraus, vor laufender Kamera Döner oder Kuchen zu essen – und zu zeigen, dass sie aber auch wirklich keine Essstörungen verherrlichen würde. (Und wir alle wissen: Kalorienbombe essen = keine Essstörung!) GNTM ist jetzt #accepting und #politicallycorrect. Worüber dann eigentlich beschweren? Auch wenn die meisten Menschen wohl die Beweggründe hinter dieser Pseudo-Korrektheit in Deutschlands Fernsehlandschaft anzweifeln mögen, so ist es doch nicht verkehrt, diese Haltung öffentlich zu zeigen? Um dies ganz klar und wohl formuliert zu beantworten: jein. Sicherlich ist diese Repräsentanz grundsätzlich gut, doch ist es eine oberflächliche, die genau dadurch gefährlich wird. Sie verdeckt die unterschwelligen problematischen Züge: Wer laut SELF-LOVE schreit, übertönt das geflüsterte ,,aaaaber‘‘. Vielleicht waren GNTM, Big Brother und Co. früher problematischer, doch war dies zumindest offensichtlicher. Die Problematiken fielen auf; heutzutage sind sie impliziter und können dadurch auch (besonders vom jüngeren Publikum) schwieriger erkannt und abgewehrt werden.

:Charleena Schweda