Magie und Fantasie für zwischendurch: Mit „Magic“ Taschengeld aufbessern oder loswerden?
Prag: Die Zusammenkunft
Foto: Fabian Dickmann
Nerdstrom: Wie eine zweite Moldau drängen „Magic“-SpielerInnen in die tschechische Hauptstadt. Foto: Fabian Dickmann
Nerdstrom: Wie eine zweite Moldau drängen „Magic“-SpielerInnen in die tschechische Hauptstadt.

Am vergangenen Wochenende fand in Prag der Grand Prix im Kartenspiel „Magic: The Gathering“ statt. Wer dieses Spiel mit Nerds assoziiert, die selten das Tageslicht sehen, liegt vielleicht nicht ganz falsch, jedoch scheint Magic eine gute Alternative zum Kellnern zu sein. Denn rund 30.000 US-Dollar werden auf 230 SpielerInnen aufgeteilt. Dabei bekommt der oder die Erstplatzierte 4.000 US-Dollar Preisgeld, der Rest wird gestaffelt. RUB-Volkswirtschaftsstudent Fabian Dickmann, 25, nahm daran teil.

Fabian begann in der Grundschule mit Magic, mittlerweile nimmt er seit 13 Jahren an Turnieren teil. In diesem Jahr hat Fabian an fünf größeren Turnieren teilgenommen, einem in Auckland, Florenz, Utrecht, jetzt in Prag und davor im Juli in Vancouver. Die ersten vier waren sogenannte Grand Prix, offene Turniere, an denen in Europa normalerweise 1.000-1.500 Personen teilnehmen, in Utrecht sogar 3.500. Sie kosten zwischen 40 und 50 Euro TeilnehmerInngebühr und gehen über zwei Tage. „Das Turnier in Vancouver war eine Pro Tour, ein geschlossenes Event, für das ich mich wegen meiner guten Ergebnisse auf den Grand Prix qualifiziert habe. Sie kostete mich nichts, da der Flug vom Magic-Herausgeber Wizard gezahlt wird – stattdessen gewann ich dort 5.000 US-Dollar.

and the winner is...

In Prag hatte Fabian kein Glück. Am ersten Tag hat er fünf Spiele gewonnen und drei Niederlagen gehabt, um sich für den nächsten Tag zu qualifizieren muss man mindestens sieben Siege bei höchsten zwei Niederlagen erreichen. Gewonnen hat Elliott Boussaud aus Toulouse. Trotz verlorenem Spiel in Prag ist Fabian für die Pro Tour in Milwaukee qualifiziert und holt vielleicht dort den Sieg für Bochum.

Mit offenen Karten spielen: RUB-Student Fabian bei einem Trainingsspiel. Foto: kac

Da stellt sich die Frage, ob es nicht ein Patentrezept gibt? „Es ist schwer zu sagen, wie ein cleverer Zug aussieht“, erklärt Fabian, denn bei einem derart komplexen Spiel käme es immer auf die Situation an. Ziel des Spiels ist es, „dem Gegner seine Lebenspunkte zu rauben“, manchmal ist es aber ratsam, „seine Karten zu schlagen“.

Abzocke oder Abwechslung für Fans?

Ist es wirklich nötig für ein Kartenspiel mehrere hundert Euro auszugeben? Ist es nicht eine Geldabzocke, wenn der Verlag Wizard immer wieder neue Karten raus bringt und einige alten Karten nicht weiter bei Turnieren zulässt? Laut Fabian sei es  ein zweischneidiges Schwert, einerseits sei es sehr teuer, wenn man den Kartenbestand immer aktuell halten will, andererseits beleben und verändern neue Karten das Spiel und machen es wieder interessanter. „Durch zeitiges an- und verkaufen kann man jedoch sehr viel gut machen oder sogar Gewinn erwirtschaften, das ist allerdings sehr aufwendig“, sagt der RUB-Student.

:Katharina Cygan

INFOBOX: „Magic: The Gathering“ – Was ist das überhaupt?

„Magic: The Gathering“ (MTG) wurde von dem Mathematiker Richard Garfield an den Verlag Wizards of the Coast 1993 verkauft. Er bewarb sich zunächst mit seinem Brettspiel „Robo Rally“, doch da Wizard in den Neunzigern in finanziellen Schwierigkeiten steckte, brauchte der Verlag ein kostengünstiges Spiel, das am besten noch über längeren Zeitraum zum Sammeln einlädt. Garfield konzipierte  MTG daher extra so, dass SchülerInnen und Studierende in ihren Pausen ein schnelles Spiel machen können, entweder zu zweit oder mit mehreren SpielerInnen. Seit 1997 kann MTG auch auf dem Computer gespielt werden, online seit 2002.