Eine Liste von Alternativen
Prüfungen ohne Karteikarten
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Mit diesen Tricks können die Karteikarten in der aktuellen Prüfungsphase leer bleiben. Foto: CC BY SA 2.0
Mit diesen Tricks können die Karteikarten in der aktuellen Prüfungsphase leer bleiben.

Klausurphase. Prüfungsstress ist jedem Studi bekannt. Lernstrategien fernab von Karteikarten und stumpfem Durchboxen von Übungen und Altklausuren deutlich weniger. Wir haben mithilfe von Professorin Maria Opfermann vom Institut für Erziehungswissenschaften der RUB eine Sammlung von alternativen Lernkonzepten zusammengestellt.

Mnemo-Techniken für trockene Inhalte

Die Körperroute: Der eigene Körper wird dabei zur Karte, mit deren Hilfe eine Liste von Worten abgerufen wird. Ein Beispiel: Wir nutzen die Körperroute, um uns an eine Einkaufsliste zu erinnern. „Besonders gut funktioniert das, je absurder das Bild ist, das daraus entsteht“, so Maria Opfermann.

Wir versuchen, eine Einkaufsliste auf unsere Körperroute zu übertragen. Die Erdbeermarmelade aufs Gesicht (als Creme oder Peeling), das Brot wird als Polster auf die Schultern gelegt, dazu ein schicker Ananas-Rock und Schienbeinschoner aus Müllsäcken. 

„Solche Inhalte bleiben deshalb besser im Gedächtnis, weil man sich besondere und absurde Situationen sogar nach nur einmaligem Lernen häufig besser merken kann als unspektakuläre und eher alltägliche Inhalte.“

Der Weg durchs Haus: Die Wohnung oder das Haus wird dabei zur Erinnerungsroute: Man überlegt sich bekannte Plätze, „die man nacheinander durchschreitet und an denen man das zu Lernende ablegt“, so Opfermann. Ein Beispiel: die amerikanischen Präsidenten. „George Washington öffnet einem die Tür (symbolisch dafür, dass er der erste Präsident war)“, so Opfermann. In der Garage poliert Gerald Ford das Auto, im Badezimmer trifft man Donald Trump, wie er sein Toupet richtet …

Verknüpfung und Visualisierung für komplexe Themen

Zusammenhänge von chemischen (oder biologischen oder geschichtlichen) Prozessen können durchaus umfangreich sein. Um sich das einzuprägen, hilft es häufig das Gelesene zu veranschaulichen. Dabei ist die Zeichenfähigkeit völlig egal. Wichtig ist, dass die Zusammenhänge klar werden. Traditionelles Konzept und wohl auch das bekannteste sind Mind- oder Concept-Maps. „Der Vorteil eines solchen Schemas ist ganz klar, dass man, wenn das Schema einmal fertig ist, alles zu Lernende „auf einen Blick“ vor sich hat“, so Opfermann. Anders als beim Textlernen würden Inhalte miteinander verknüpft und nicht bloß nacheinander auswendiggelernt. Zusammenhänge und Vernetzungen werden schneller erfasst.

Hilfe, Blackout!

Die beste Ausgangsposition, um einem Blackout vorzubeugen sei gutes und vernetztes Lernen, sagt Maria Opfermann. Wichtig sei dabei, sich eben nicht die Inhalte nacheinander „reinzuprügeln“. Bei diesen „gepaukten“  Inhalten reiche in der „Prüfung selbst tatsächlich nur einen kleinen Störreiz“, der die Gedankenkette unterbricht und alles was danach noch hätte kommen sollen, ist weg. Je mehr „Andockpunkte“ etwas habe, das gelernt wurde, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es auch wieder abgerufen werden könne, selbst wenn mal einer der Wege zum Beispiel durch einen Blackout verschüttet ginge, weil eben viele verschiedene Zugangswege geschaffen wurden, erklärt die RUB-Professorin.

Grundsätzlich sei ein Blackout aber nichts Schlimmes, auch oder gerade in mündlichen Prüfungen nicht. Maria Opfermann empfiehlt im konkreten Fall dem Prüfenden direkt zu sagen, dass man nicht weiter weiß und ein Blackout hat. Von „improvisieren“ rät sie ab: „Je länger Sie dabei „herumeiern“, desto eher erwecken Sie bei den PrüferInnen den Eindruck, dass Sie wirklich nicht gut gelernt haben“. Stattdessen empfiehlt sie, direkt Bescheid zu sagen und um die nächste Frage zu bitten. „Kaum einE PrüferIn wird Ihnen diesen Wunsch abschlagen“. 

Akronyme und Akrosticha

Akronyme: Die Anfangsbuchstaben der Worte bilden ein Neues. Zum Beispiel RUB für Ruhr-Universität Bochum. So können Studieninhalte auch eingeprägt werden. In der Wirtschaft könne „man sich das Reklamieren von Ware mit dem Akronym „WUMS“ (Wandlung, Umtausch, Minderung, Schadenersatz) sehr gut merken“, sagt Opfermann. 

Akrosticha: Aus den Anfangsbuchstaben wird ein neuer Satz gebildet. Das Bekannteste dürfte der Merksatz für die Planeten sein (Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel). So kann beispielsweise auch das Periodensystem der Elemente auswendig gelernt werden. Für die 1. Hauptgruppe ginge zum Beispiel: Eine Hohe Lichterkette nahe klein Regensburg erfreute Caesars Freunde. Wobei „Eine“ für die erste Hauptgruppe steht und „erfreut“ in dem Fall keine Bedeutung hat.