Sommer, Sonne, Campus
Positiver Blick in die Zukunft
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Ein großes Sommerinterview? Während draußen die ersten Bands spielten, stellte sich die Kanzlerin (Mitte) den Fragen der studentischen Medienmacherinnen.  Bild: lor
Ein großes Sommerinterview? Während draußen die ersten Bands spielten, stellte sich die Kanzlerin (Mitte) den Fragen der studentischen Medienmacherinnen.

Interview. Hochschulnovellierung, Mark 51°7 und die U35: Das sind die Themen, zu denen sich Kanzlerin Dr. Christina Reinhardt am Rande der Sommerfesteröffnung im Gespräch äußerte. Die Fragensteller waren die Redaktionen von CT das radio, tv.RUB und natürlich Eure :bsz!

:bsz: Seit letztem Jahr wird das Hochschulgesetz in NRW novelliert. Natürlich ist das noch nicht durch, aber vonseiten der Studierenden gibt es bereits jetzt viel Kritik. Wie stehen Sie denn im Allgemeinen dazu?

Kanzlerin: Im Allgemeinen sind wir sehr froh sind über die Eckpunkte in dem neuen Hochschulgesetz. Das liegt natürlich daran, dass wir als Rektorat das Gefühl haben, dass wir ganz viel von der Hochschulfreiheit zurückbekommen. Wir hatten mit der vorherigen Landesregierung ziemlich harte Auseinandersetzungen um das Hochschulgesetz, weil wir den Eindruck hatten, dass sie uns unter eine sehr kleinteilige Steuerung nehmen wollten und wir eigentlich der Meinung sind, dass wir mit der Autonomie, die wir in Nordrhein-Westfalen hatten, sehr erfolgreich waren.

Ein anderes Thema: Die RUB baut den Campus, auch darüber hinaus mit Mark 51°7, aus. GD eröffnet hoffentlich bald. Der Campus wächst also. Was glauben Sie: Wie sieht die Uni in 20 Jahren aus? Wohin führt die Reise?

Weil Sie mit dem Bau angefangen haben, fange ich auch mal damit an. Das ist natürlich ein Wahnsinnsprozess, der geht bis Mitte der 2030er Jahre, bis wir die ganze RUB saniert haben. Dieses Jahr ist ein riesen Meilenstein. Wir ziehen mit 1.800 Menschen im September auf dem Campus um, weil gleichzeitig IA, IB und GD fertig werden. Das ist ein wahnsinnslogistischer Aufwand. Das wird die nächsten Jahrzehnte so weitergehen. Baulich sehe ich die RUB als einen topsanierten Campus.

Also kein PCB (Polychlorierte Biphenyle)?

Kein PCB! Wir wollen eine modernste Lern- und Forschungsumgebung und dass wir hier einen Hauptcampus haben, der natürlich brummt, wie er es jetzt auch schon tut. Wir wollen einen weiteren Campus haben auf Mark 51°7, also dem ehemaligen Opelgelände, wo wir bestimmte Bereiche konzentrieren und wo wir mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Forschungsabteilungen von großen Unternehmen Seite an Seite arbeiten und uns da weiterentwickeln.

Wird es einen weiteren Ausbau geben?

Wir werden weiterhin zwei, drei, vier Standorte in der Innenstadt haben, weil ich das Gefühl habe, dass das der Stadt Bochum auch guttut. Für manche Studenten – bis auf die Bedingungen im Hörsaal im Bochumer Fenster – ist es eigentlich auch ganz schön, in der Stadt zu sein. So wird die Uni baulich aussehen. Ansonsten sind wir im Moment – ich traue mich schon gar nicht, das zu sagen – wahnsinnig erfolgreich. Wir haben einen unglaublichen Lauf seit zwei, drei Jahren. Alles gelingt und ich glaube, dass das daran liegt, dass wir einen guten Weg gefunden haben: einerseits mit dem Anspruch, eine international sichtbare Spitzenuni mit ganz starker Forschung zu sein. Und auf der anderen Seite wollen wir unseren Bildungsauftrag in der Region wahrnehmen und so eine Ausbildungsschmiede, ein Aufstiegsraum für ganz viele junge Menschen in der Region sein. Das ist natürlich ein Spannungsfeld, was da entsteht, aber ich glaube mittlerweile, dass wir das gut hinkriegen. Auf diesem Weg sollten wir weitergehen. Ich bin ein großer Fan der Ruhr-Universität! (lacht)

Das merkt man gar nicht! Der Ort ist für Sie als Raumplanerin etwas Besonderes. Haben Sie denn, als letzte Frage vonseiten der :bsz, einen Lieblingsort auf dem Campus? Oder mehrere?

Wenn es mir gelingt, stehe ich wahnsinnig gerne in meinem Büro am Fenster und gucke Richtung U35 und schaue dann zu, wie die U35 alle drei Minuten kommt und die Leute – wie viele passen da rein? 300 Leute? – ausspuckt und dann ergießen sich die Leute auf die Rolltreppe und diese Brücke. Über dieses ganze Gerumpel schaue ich drüber und denke mir: Woah, toller Ort!

Vonseiten der :bsz vielen Dank, Frau Reinhardt!

CT das radio: Vielen Dank auch an die :bsz! Dann machen wir mal weiter mit CT das radio. Es geht um das Thema MZ. Felix Freier [Bereichsleiter der Fotografie, Anm. der Redaktion] ist in den Ruhestand gegangen und daraufhin wurde der Bereich Fotografie mit der Bildenden Kunst zusammengelegt. Da haben wir ein Zitat aus der :bsz herausgesucht: „Der Universität geht es nicht schlecht. Aber es ist so, dass wir in den letzten Jahren – im Grunde seit den Nullerjahren – was den Landeszuschusshaushalt angeht, doch immer wieder geschröpft worden sind. Das hat im letzten und vorletzten Jahr dazu geführt, dass wir in den Fakultäten 150 Stellen einsammeln mussten. Das machen wir über viele Jahre, es wird keiner entlassen. Aber das ist einfach, weil der Personalhaushalt der Ruhr-Universität strukturell unterfinanziert ist.“ (:bsz 1132) Da haben wir uns gefragt: Wird es wieder besser? Wird es wieder mehr Angebote geben? Um an die :bsz anzuschließen: Wo sieht sich die Uni in den nächsten Jahren?

Als die Ruhr-Universität gegründet wurde, war dieses Musische Zentrum genau die Idee, wie sie das beschrieben haben: dass man eben auch über das eigene Fach heraus etwas kreatives machen kann und das ist super gewesen und eine tolle Gründungsidee und wir sind auch stolz, dass wir das Musische Zentrum haben und dass es so gut funktioniert und angenommen wird. Es ist nur so, dass es auch andere Angebote gibt, die das ergänzen. Wenn man sich den Optionalbereich anguckt ist das etwas, dass das komplettiert. Ich will nicht sagen, dass wir wegen des Optionalbereichs das Musische Zentrum nicht weitergefahren haben, den Zusammenhang gab es nicht. Aber man muss sehen, dass im Vergleich zu den Gründungsjahren das Angebot an zusätzlichen Sachen größer geworden ist und es am Anfang eben nur das Musische Zentrum war. Deswegen würde ich die Wahrnehmung, die Sie vielleicht haben, es gebe irgendwie wenig Angebote für Studierende, nicht so teilen. Auch das es CT gibt, ist doch super!

Das stimmt, aber lassen Sie mich mal kritisch nachhaken an dieser Stelle. Heißt das tatsächlich, dass wir immer damit rechnen müssen, dass, wenn Menschen in die Rente gehen, dass wir diese Stellen einsparen?

Nein, das heißt es nicht, aber das immer, wenn jemand in Rente geht, dass wir diese Stelle auf den Prüfstand stellen. Das ist so. So läuft das auch, wenn eine Professur frei wird. Dann stellt die Fakultät einen Freigabeantrag ans Rektorat und dann wird das sehr intensiv diskutiert und begründet, ob diese Stelle in dieser Qualität und Ausrichtung wiederbesetzt wird und dass mache ich in der Regel mit der Verwaltung und den Dezernaten genauso.

Gerade zu der Zeit der Landtagswahlen in NRW gab es eine riesige Diskussion um das Thema der Studiengebühren. Der Trubel ist zwar ein bisschen abgeflaut, nachdem im Koalitionsvertrag gesagt wurde, dass nur Studenten aus Nicht-EU-Ländern Gebühren zahlen müssten. Aber wir würden trotzdem gerne wissen, wie Sie dazu stehen, dass Christian Lindner vorgeschlagen hat, es den Universitäten selbst zu überlassen, ob sie die allgemeinen Studiengebühren wieder einfordern. Finden Sie sowas sinnvoll und fördernd für den Studienverlauf?

Meine persönliche Meinung: Ich finde, dass es schon ein Ding ist, dass es ganz umsonst ist und man nie an den Bildungskosten beteiligt wird. Wenn ich es ganz allein entscheiden könnte, würde ich weiterdenken an so Modelle wie nachgelagerte Studiengebühren, also das jemand wie ich – ich habe der Ruhr-Uni viel zu verdanken, ich habe hier studiert und promoviert – und ich muss ihr aber nie irgendwas zurückgeben. Wieso eigentlich nicht? Da hätte ich kein Problem mit. Über die Modelle würde ich nachdenken. Wir sind im Moment ganz froh, dass nach der Aufregung am Anfang um die Gebühren um Nicht- EU-Ausländer, dass da erstmal Ruhe reingekommen ist, die Ministerin auch erst mal sagt, dass wir erst einmal die Lage sondieren und gucken, wie es in Baden-Württemberg läuft. Wir machen das sehr behutsam. Damit können wir ganz gut leben.

Alles klar, dann geben wir an tv.RUB weiter!

tv.RUB: Sie haben gerade selbst erwähnt, dass Sie Studentin an der Ruhr-Uni Bochum von 1989 bis -93 gewesen sind. Was hat sich im Vergleich zu damals auf dem Sommerfest hier verändert? Was lassen Sie sich nie entgehen?

Ich war damals nie auf dem Sommerfest. (Gelächter) Das ist völlig an mir vorbei gegangen.

Vier Jahre kein Sommerfest?

Ich glaube ich bin dann immer gegangen, wenn Sommerfest war.

Auch eine Möglichkeit und mit Sicherheit sind Sie nicht die einzige Person, die solch eine Wahl trifft. Aber es sind doch Massen hier. Dann habe ich noch eine andere Frage: Die Uni beziehungsweise das Strukturdezernat und das Nachhaltigkeitsforum der RUB arbeiten gerade an einem Nachhaltigkeitssbericht, um daraus weitere Handlungsfelder zu ermitteln. Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit bei der Planung und Durchführung des Campusfests und wie sehen Sie das als Geografin, Soziologin und Raumplanerin?

Beim Sommerfest ist es so, dass wir mit den Anbietern verhandeln, die hier arbeiten oder Sachen verkaufen wollen. Da ist Mehrweg ein riesen Thema. Dann versuchen wir das Thema Müllvermeidung angehen, das steht in der Ausschreibung. Dann ist der Punkt Verkehr ein großes Thema. Wir haben eine Extraabsprache mit der Bogestra, die heute ganz viele Sonderbusse und -bahnen einsetzen wird, weil wir dringend dazu ermutigen und raten, mit dem ÖPNV zum Sommerfest anzureisen. Insofern ist das schon ein Thema. Und als Geografin – obwohl ich sagen muss, das ist so lange her, ich fühl mich gar nicht mehr als Geografin – ist das Thema Verkehr/Mobilität: Wir haben immer weniger Parkplätze, wir haben einen Haufen Logistikprobleme. Aber wir machen schon viel. Wir haben das Projekt „Move“ aber wir können und müssen mehr machen.

Wann wird der Bericht veröffentlicht?

Keine Ahnung. (Gelächter) Da bin ich überfragt.

Welche Bedeutung haben die Unimedien für eine Bildungsinstitution wie die Ruhr-Uni Bochum?

Ich finde es toll, dass es das gibt. Früher hat man vielleicht Photos bei Herrn Freier gemacht, aber Sie machen mehrere Jahre Radio und Fernsehen. Ich habe zum Beispiel früher viel Politik gemacht, als ich studiert habe und ich sage auch immer, dass ich in dem, was ich politisch gemacht habe, habe ich viel, viel mehr für mein Berufsleben gelernt als in meinem eigentlichen Studium. Deswegen sind solche studentischen Initiativen, wo man sowas machen kann, natürlich Gold wert.

 

Das Interview führten gemeinsam Jennifer Niklas (tv.RUB), Andreas Schneider und Joshua Schmitz (ct das radio) und Andrea Lorenz (:bsz)