Tiny Forest in Wattenscheid
Pop-up Wäldchen oder Baumverschwinden?
Bild: stem
Mit Ersatzpflanzungen hält die Stadt gegen Fällungen entgegen – die Neupflanzungen geschehen häufig jedoch mehrere Straßen entfernt.

Klima. Während in Bochum erste Konzepte für sogenannte Tiny Forests eingereicht werden, die die Stadt vergrünern sollen, werden an anderen Stellen zahlreich Bäume gefällt. Doch das Problem ist vielschichtiger. 

Tiny Forests, das sind kleine, dicht bepflanzte Miniwälder im Stadtgebiet, die zur Beschattung, für ein besseres (Stadt-)Klima und für mehr Biodiversität in den Innenstädten sorgen sollen. Der Trick dabei: Durch eine möglichst hohe Anzahl unterschiedlicher Bäume und Pflanzen soll die Diversität auf kleinstem Raum maximiert werden. Für gewöhnlich sind diese Wäldchen nicht größer als ein Tennisspielplatz und eignen sich besonders für Orte wie Verkehrsinseln oder neben Parkhäusern. Das Konzept stammt ursprünglich von dem indischen Ingenieur Shubhendu Sharma, der dieses international popularisiert hat. Beispielsweise in den Niederlanden sind die begrünten Flächen immer häufiger zu finden. Dort wurde der erste Tiny Forest 2015 gepflanzt. Nun versucht eine Bürger:inneninitiative die kleinen Wälder nach Bochum zu bringen. Genauer gesagt nach Wattenscheid. Denn dort hat die Bochumerin Özlem Agildere ein Konzept eingereicht, durch das das alte Betriebshofsgelände im Wattenscheider Stadtpark begrünt werden soll. Die Stadt prüft den Antrag nun. „So ein Mini-Wald ist eine wunderbare Idee, in diesen dicht besiedelten Gebieten kleine Wälder zu schaffen, die kühlen und die frische Waldluft mitten in die Stadt bringen“, erklärt Agildere. Angepflanzt werden sollen einheimische Bäume wie Buchen und Eichen. Würde das Konzept durchgesetzt, wäre es der erste Tiny Forest im Ruhrgebiet. 

Die Sicherung eines grünen Stadtbilds stößt an anderen Stellen jedoch auf Probleme. Denn vielerorts werden derzeit Bäume abgeholzt. So fällte die Stadt beispielsweise rund 50 Straßenbäume in der Straße Kesterkamp in Bochum-Linden und sorgte bei vielen Anwohner:innen für Empörung, die daraufhin wöchentliche Mahnwachen organisierten. In der Straße soll ein neuer Radweg eingesetzt werden sowie Versorgungsleitungen gelegt werden. Durch die notwendigen Untergrundarbeiten lasse sich eine Beschädigung der Baumwurzeln nicht verhindern, so die Stadt. Initiativen wie die Radwende Bochum kritisierten die Fällungen: „Bäume und vor allem auch Straßenbäume haben eine wichtige Funktion für das Stadtklima. So wird es ja auch von der Stadt und der Politik kommuniziert. Leider wird dies in der Praxis immer wieder ausgehebelt.“ Ein vorsichtiges Verlegen der Leitungen sei vielleicht teurer, aber nicht unmöglich, erklärt die Initiative in einem Brief an die Stadtverwaltung. Für die Fällung gibt es laut Baum-Manager Marcus Kamplade vom Grünflächenamt jedoch gute Gründe. Denn ein Gutachten habe ergeben, dass viele der Bäume von Trockenheit und der Baumkrankheit Eschentriebsterben betroffen waren. Die kranken Bäume hätten dadurch kaum noch positive Auswirkungen auf das Klima. Auch die Biologische Station und der Naturschutzbeirat hätten ihre Zustimmung erteilt. Als Ersatz werden nun 68 neue Bäume gepflanzt. Auch in Bochum-Gerthe werden 134 Bäume für den Neubau des Gerther Schulzentrums abgeholzt. 115 Bäume sollen an anderen Orten in Gerthe bis 2022 neu gepflanzt werden, ab 2025 sollen 144 weitere Bäume am künftigen Park südlich des neuen Schulgeländes hinzukommen. 

Mit dem StadtBaumKonzept hat sich die Stadt allgemein dazu verpflichtet, mehr Bäume neu zu pflanzen als gefällt werden. Die Neupflanzungen geschehen zudem mit klimaresistenteren Arten, die damit für die Zukunft und die Auswirkungen des Klimawandels gewappnet seien.                

:Stefan Moll

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