Eingekesselte Studierende bei Gegenprotest in Dresden
Polizeieinsatz bei Studiprotest
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Symbolbild

In Dresden kam es bei einem Gegenprotest von Medizin-Studierenden zu polizeilichen Maßnahmen. Das Vorgehen der Polizei steht nun in Kritik. Der Fachschaftsrat Medizin RUB macht ihren Standpunkt klar.

Am Donnerstagabend haben sich Coronaleugner:innen und Impfgegner:innen zu einem Corona-Spaziergang gegen die Coronamaßnahmen versammelt. Der Spaziergang mit Demonstrationscharakter sollte in Nähe der Universitätsklinik starten. Mit weißen Kitteln und Schildern stellen sich Studierende der Fächer Human- und Zahnmedizin der Technischen Universität Dresden im stillen Gegenprotest vor das Universitätsgebäude. Bei dem Polizeieinsatz, der zunächst eine Großdemo der Impfgegner:innen verhindern sollte, kamen auch die Studierenden in Bedrängnis. Das Vorgehen der sächsischen Polizei steht nun in Kritik.

Sowohl Studierenden als auch Impfgegner:innen wird vorgeworfen, gegen die geltenden Corona-Schutzmaßnahmen und das Versammlungsgesetz verstoßen zu haben. Nach Angaben der Studierenden habe man bei dem Gegenprotest darauf geachtet, friedlich zu sein und sich in Kleingruppen aufzustellen, um die Maßnahmen einhalten zu können. In Kritik steht, dass Studierende zusammengedrängt worden wären und damit unausweichlich dafür gesorgt wurde, dass durch das Vorgehen der Polizei Abstandsregeln nicht eingehalten werden können. Es besteht der Verdacht, dass auf Seiten der Polizei mutwillig eine Situation geschaffen wurde, um die Studierenden mit Ordnungswidrigkeiten belasten zu können. Man habe nach Aussagen der Studierenden vor Ort dem Gegenprotest so viel Aufmerksamkeit gewidmet, dass sich nebenan weitere Gruppen von Impfgegner:innen versammeln konnten. Die Studierenden wurden letztendlich mit dem Vorwurf der Uniformierung des Platzes verwiesen.

Zurzeit steht Aussage gegen Aussage. Nach Angaben der Polizei sei der Gegenprotest, entgegen der Angaben der Studierenden, nicht angekündigt gewesen. Im Rahmen des Einsatzes wurden von 22 Studierenden Personalien aufgenommen und mit Ordnungswidrigkeiten belastet. Auf Seiten der Corona-Leugner:innen und Impfgegner:innen wurden mehr als 200 Ordnungswidrigkeiten und Strafanzeigen wegen Beleidigung und den Widerstand gegen Ordnungskräfte verhängt.

In einem Interview mit Min Gyu Im vom Fachschaftsrat Medizin der RUB wurde betont, dass man voll und ganz hinter dem Gegenprotest der Dresdener Kommiliton:innen stehe. Er führt an: “Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzen, dass es bei der Pandemie nicht nur um ‘ich will mich impfen/ich will mich nicht impfen’ geht, sondern um eine gewisse Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.” Es sei wichtig, dass sich angehende Ärzte und Ärztinnen ein Vorbild schaffen, und sich stark gegen das Impfgegnertum und “alternative” Fakten machen. Man erfahre im Studium und den Kliniken immer wieder, dass die Aussagen der Querdenkerschaft auf falschen Vermutungen basieren. Im Gegensatz zu einigen Stimmen auf Twitter, fühle sich Min Gyu nicht eingeschüchtert an Gegenprotesten teilzunehmen und denkt, dass die Polizei in Bochum und NRW eine solche Situation besser handhaben könne. In Solidarität mit den Dresdener Medizinstudierenden wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um für die Geldstrafen der Ordnungswidrigkeiten aufzukommen. Das Spendenziel wurde bereits weitaus übertroffen. Auch von politischer Seite gibt es Rückendeckung. Die Dekanin der medizinischen Fakultät Dresden und Politiker, unter anderem Ministerpräsident Michael Kretschmer, stellen sich hinter die Aktion der Studierenden. Min Gyu ist sich sicher, dass auch in Zukunft solche Gegenproteste gesellschaftliche Zustimmung finden werden.

:Artur Airich

 
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