Kommentar: Jochen Gerz‘ Projekt hat nicht nur Millionen verschlungen
Platz für europäische Verbrechen?

Tauben dieser Welt, scheißt diesen Platz zu: Ähnlich wie das Konzerthaus ist das Prestigeprojekt von Jochen Gerz ein Millionengrab – Offizialkunst, die nicht rechtzufertigen ist. Steckt das Geld endlich in Soziales und freie Kultur!

Auch wenn es manche vielleicht anders sehen, müsse Peter Friese das, wie er betont, einfach mal sagen: Nur autonome Kunst sei politische Kunst. Oha! Gesagt ist gesagt! Zwei Claqueure klatschen, der Regen prasselt derweil weiter nieder. Der Direktor des Neuen Museums Weserburg in Bremen, der – warum auch immer – als Redner zur Eröffnung des Platzes des europäischen Verbrechens...äh...Versprechens eingeladen wurde, übernahm in seinen Zeilen quasi die künstlerische und bildungsbürgerliche Rechtfertigung des Prestigeprojekts unter der Leitung des Künstlers Jochen Gerz.

Doch dieses Kunstwerk lässt sich sowohl künstlerisch als auch politisch schwer rechtfertigen. Lokalpolitische KritikerInnen haben Recht, wenn sie auf die enorme Kostenexplosion (siehe Seite 1) hinweisen.

Warum nur Namen von Lebenden?

Während zuletzt der Etat für die freie Kulturszene um satte 30 Prozent gekürzt wurde, werden munter Millionen in solche Prestigeprojekte gepumpt – auch Jochen Gerz‘ „Platz“ wurde quasi ein Blankoscheck ausgestellt, was die Kosten angeht. Hat man uns nicht zuletzt erklärt, dass die Kommunen für Soziales und freie Kultur zu klamm sind?

Zudem fragt man sich, warum die fast 15.000 Namen ausschließlich die von Lebenden und nicht von Toten sind. Ist kein Platz für das Nachdenken über die unzähligen Oper der europäischen Flüchtlingspolitik? Sehr oft war bei der Einweihung von Freiheit, Frieden und Toleranz, für die Europa und dieser Platz vor der Christuskirche stehe, die Rede.

Das ist leere Phrasendrescherei und ideologisch verblendete Offizialkunst wie man sie aus der Endphase der DDR kennt. Um diese zu erklären und zu rechtfertigen, haben wir aber zum Glück Peter Friese, der versicherte, dass solche autonomen Kunstwerke immer an das eigene ästhetische Erlebnis gebunden seien. Wohl wahr. Ich musste kotzen.

:Benjamin Trilling