Kommentar: Was Fraueninteressen im öffentlichen Raum auslösen
Plädoyer für Sachlichkeit
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Geplanter Frauenparkplatz an der RUB: Anlass zu ausufernde und inhaltslose Diskussionen? Foto: asch
Geplanter Frauenparkplatz an der RUB: Anlass für ausufernde und inhaltslose Diskussionen?

Schaut man in die Kommentare unter der Ankündigung, findet man sofort Menschen, die die große Verschwörung wittern. Eine Diskriminierung der Männer sei das!!Einself. Männer sollten auch einen eigenen Parkplatz bekommen. Dummheit regiere die RUB, so ein anderer User. Natürlich darf das Weiterspinnen vom vermeintlichen Genderidentitäts-Bagatellen und das Zitat „I identify as an attack Helicopter“ des bekannten Anti-Gender-Memes nicht fehlen. Und da sind wir auch schon beim Problem. Die Diskussion über Feminismus und Gendern ist geprägt von Unverständnis. Die Fronten, derart verhärtet und die Diskussion so emotional geworden, dass ein sachlicher Diskurs gar nicht mehr möglich ist.  

Allgemeines Gleichstellungsgesetz

Abseits der emotionalen Diskussion gibt es einen ziemlich rationalen Grund, warum Frauenparkplätze erlaubt sind: Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz. „Frauen [sind] generell einer größeren Gefahr als Männer ausgesetzt, Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zu werden. Es kann deshalb gerechtfertigt sein, in Parkhäusern Frauenparkplätze zur Verfügung zu stellen, auch wenn sich im Einzelfall nicht nachweisen lassen sollte, dass besondere Gefahren drohen, etwa bei einem beleuchteten Parkplatz in einem sicheren Einkaufscenter“, so die offizielle Begründung.

Neben dem Gesetz kann man natürlich über die moralisch-ethischen Grundsätze diskutieren. Aber auch hier sollte man sachlich bleiben. Nur wenn man keinen sachlichen Grund für eine Regelung sieht, bedeutet das noch nicht, dass es diesen Grund nicht gibt. Letztlich beruhen doch alle Kommentare auf einem Gefühl – dem Gefühl, selbst ungerecht behandelt worden zu sein. Legt man das ab, gibt es viele Gründe für Frauenparkplätze. Beispielsweise als wünschenswertes Sichtbarwerden von Fraueninteressen im öffentlichen Raum.  Allerdings könnte es auch sein, dass so nur das Problem der Gewalt gegen Frauen unsichtbar gemacht wird oder Frauen in die stereotypische Opferrolle gedrängt werden. Eine solche Diskussion kam in der Kommentarspalte allerdings nicht zustande.  

                :Andreas Schneider