Nationalkonservative planen in Polen eine Schulreform
PiS pisst alle an
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Die amtierende polnische Partei Prawo i Sprawiedliwość (PiS, Recht und Gerechtigkeit) plant eine Bildungsreform. Bald soll es in Polen nur noch Grund- und Oberschulen geben. Viele KritikerInnen fürchten, dass tausende LehrerInnenstellen wegfallen könnten. Nach dieser Ankündigung versammelten sich circa 50.000 DemonstrantInnen in Warschau, um sich gegen diese Reform aufzulehnen. (Bericht über die finnische Schulreform in :bsz 1106)

In einer Pressekonferenz beteuerte die Premierministerin Beata Szydło (PiS), dass sie auf jeden Fall die Schulreform durchbringen wolle. Deren Inhalt sieht vor, dass die dreijährige Mittelschule (gimnazjum) abgeschafft und neue Lehrpläne mit größerem Fokus auf Geschichte, Polnisch und Religion eingeführt werden sollen – und das innerhalb von zehn Monaten.

Der MinisterInnenrat habe den Gesetzesentwurf bereits angenommen. Dieser werde dem Sejm vorgelegt. Szydło glaube fest daran, dass die geplante Reform gut im Parlament ankommen und durchgeführt werde, und auch, dass der Sejm diese Schulreform für die Zukunft der polnischen Schule als gut anerkennen werde.

Die Änderungen würden dann im Schuljahr 2017/2018 starten. Die SchülerInnen, die im Schuljahr 2016/2017 die 6. Klasse der Grundschule beenden, werden das siebte Jahr der Grundschule besuchen; es werde keine Rekrutierung in der Mittelschule geben.

KritikerInnen sind entsetzt

Auch ist eine Neuausrichtung der Lehrpläne geplant: „Seit wir kleinere Schulklassen haben, schnitten wir Polen auch besser bei den Pisastudien ab“, so Renata, Mittelschullehrerin in Kraków. „Wir machen uns nicht nur Sorgen um unsere Arbeit, sondern am meisten um unsere Kinder“, fährt sie fort. Sie und viele ihrer KollegInnen äußern die Vermutung, dass die Lehrpläne künftig eher an patriotischen Inhalten orientiert sein werden. Die Schulband Dziurawe Spodnie (Löchrige Hose) warnt in einem Lied, dass die Regierung die Vergangenheit Polens mehr in Szene setzen und es künftig wenig zukunftsorientierten Lernstoff geben wird. „Ich bin zwar bald fertig mit dem Abitur, aber ich mach mir um meine kleine Schwester Sorgen, die zurzeit noch in der zweiten Grundschulklasse ist“, so Bartek, der Schulbandsänger.

Jetzige Schulform

Seit der Schulreform von 1999 gibt es in Polen eine sechsjährige Grundschule (szkoła podstawowa), auf die die dreijährige Mittelschule (gimnazjum) aufbaut. Nach der 9. Klasse gibt es eine Abschlussprüfung. Mit dem Bestehen können die SchülerInnen das Abitur (matura) an einem Gymnasium (liceum) in der 12. Klasse, am Technikum in der 13. Klasse ablegen oder eine Berufsausbildung antreten.

Seit 2003 wurden die weiterführenden Schulen nochmals erweitert. Das allgemeinbildende Gymnasium (liceum ogólnokształcące) ist vergleichbar mit dem deutschen Weg zur Hochschulreife. 

Im neuen profilierten Gymnasium (liceum profilowane) können die SchülerInnen in 15 Profilen (Mechatronik, Informatik, Ökonomie oder Kunst) ihr Abitur erlangen. 

Das Technikum bietet eine Berufsausbildung mit der Möglichkeit, das Abitur abzulegen. Dieser Schultyp ist bereits seit einigen Jahrzehnten in Polen anzutreffen. 2008/2009 machten etwa 77 Prozent der SchülerInnen ihr Abitur.

Zum Schluss gibt es noch die Berufsgrundschule (zasadnicza szkoła zawodowa), die eine FacharbeiterInnenausbildung in zwei bis drei Jahren anbietet. 

:Katharina Cygan