She's not lucky
Piece of her
Bild: bena
Mehr Schein als sein! Das Leben der Britney S.

Popidol. Leave Britney alone! Das Video ist mittlerweile 10 Jahre alt und war way ahead of Time. Britney Spears sprach vergangene Woche vor Gericht über die Vormundschaft ihres Vaters und ihr aktuelles Leben, welches sie sich zurückholen will. 

Im April war es so weit und für Britney-Fans war es die Bestätigung, die sie brauchten. Die Hulu-Dokumentation der New York Times Framing Britney Spears war nun auch auf Amazon Prime verfügbar. Eine ganze Fanwelle, die schon zuvor auf Tik Tok #freeBritney skandierten, bekam ihren Nachweis dafür, dass die Popikone des 21. Jahrhunderts nicht frei sei. Aus der Verschwörungstheorie, die sich daraus aufbaute, dass Britney Spears in ihren Tanzvideos kleine Hilfssignale schickte, kryptische Emoji-Konglomerate und motivierende Spruchtafeln, die aussahen, als hätte Paint ein Comeback, wurde am 23. Juni zur Realität. „Ich werde ehrlich mit Ihnen sein! Ich war lange nicht vor Gericht, da ich nicht das Gefühl hatte, dass ich die letzten Male nur annähernd gehört wurde“, startete Britney in das Telefonat vor Gericht. Die besorgten Fans verschafften ihrer Stimme Gehör und forderten nicht nur online, sondern auch auf den Straßen die langersehnte Freiheit für ihr Popidol. Doch all das, was die Fans betrübte und was Framing Britney zeigte, war nur die Spitze des Eisbergs. Britney schrieb auf vier Zetteln vor, was sie zu sagen habe und was nur die letzten vier Monate beschäftigte. Ihre Stimme ist bestimmend, das Sprechtempo schnell. Die Richterin bittet sie, das Sprechtempo anzupassen, damit der Gerichtsschreiber mitkommt. Es folgen 24 Minuten, in denen eine Frau davon erzählt, wie ihr Management sowie die Vormundschaft ihres Vaters sie um ihren eigenen Willen berauben. Sie spricht von Druck und falschen Aussagen, die ihr Management getätigt haben. So wurde sie als nicht zuverlässig gezeigt, obwohl es Videos von den Proben gäbe, an denen sie selbst teilgenommen hat und den Tänzer:innen die Choreografie gezeigt habe. 
Aber sie brauchte eine Pause, wollte Shows nicht spielen, da sie erschöpft war aufgrund der Piece Of Me - Tour 2018. Vegas ist gebucht und sollte kommen. Ihr Management versprach ihr, dass sie eine Pause machen könne. „Es war, als hätten sie mir 200 Pfund abgenommen, als sie meinten, ich müsse die Show nicht mehr machen“, so Britney in Bezug auf die vermeintliche Pause. Britney schien sich aber dessen bewusst zu sein, dass dieses freundliche Angebot nur mit einer Strafe zu genießen sein könne. So kam es zu dem Punkt, dass ihr Therapeut sie darauf ansprach, dass sie ihre Medikamente nicht einnehmen würde, sie wiederholt nicht zu den Proben erscheine und unzuverlässig geworden sei. Daraufhin verschrieb er ihr ein neues, wesentlich stärkeres Medikament, damit sie funktionierte. „Du kannst geistig behindert werden, wenn man es länger als fünf Monate nimmt oder die Dosierung zu hoch ist. Er gab es mir und ich fühlte mich betrunken,“, fügte Britney zu der Lithiummedikation an. Ihr Vater, der ihr Vormund ist und alles bestätigen muss, war dafür. Er tat aber so, als würde er nichts darüber wissen. So hatte Brit bis zu sechs Krankenschwestern, die sie auf der Medikation überwachen sollten. Sie musste Tests machen und wurde in verschiedene Kliniken geschickt, Widerwillen ihrer Aussage nach. Aber „Die Kontrolle, die er über jemanden so mächtigen wie mich hatte. Das liebte er!“, sagte Britney über ihren Vater. 

Ihre sieben Tage Arbeit und fehlende Freiheit verglich sie mit einer Zwangsprostituierten. Sie ist depressiv, unglücklich und sieht in diesem Zusammenhang die Vormundschaft ihres Vaters und des Managements mehr als Bestrafung statt als Rettung. Die Karriere der Britney Spears fand schon immer fremdbestimmt statt. Sie ist das Girl aus Mississippi und dem Mickey Mouse Club, welches zur Perfektion trainiert wurde. Nun schafft sie es, ihren Fans mitzuteilen, dass ihr Leben ganz und gar nicht perfekt ist und entschuldigt sich dafür.
Die Lehren aus Free Birtney sind ganz getreu dem Motto: She‘s so lucky, she‘s a star / But she cry, cry, cries in her lonely heart, thinking / If there‘s nothing missing in my life / Then why do these tears come at night.                                                                

    :Abena Appiah