DIE BRETTER, DIE DIE STADT BEDEUTEN – Teil V: Studiobühne im Wintersemester: Ibsens „Gespenster“, „Das Experiment“ und andere Highlights
Patriarchat in Leichentüchern
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Gespenster: Letzte Vorbereitungen zur Generalprobe. Foto: bent
Gespenster: Letzte Vorbereitungen zur Generalprobe.

Rebellische Zwischentöne und das Böse im Menschen: Das Programm der Studiobühne wartet im Wintersemester mit Highlights wie Ibsens „Gespenster“ oder „Das Experiment“ auf. Die :bsz war bei den Proben zum Ibsen-Stück dabei und sprach mit den Leuten von der Studiobühne über das Eröffnungsstück und das neue Bühnenprogramm.

Viel Zeit ist nicht mehr vor der Generalprobe, als Valerie mit den anderen DarstellerInnen die Kostüme raussucht und sich wundert: „Wem gehört die Hose, was ist das für ein weißes Hemd hier?“ Kurz vor der technischen Probe kommen dann auch die letzten SchauspielerInnen, um sich umzukleiden. „Das haben wir auch alles selber geregelt und organisiert“, sagt Valerie mit Blick auf die Garderobe für die Aufführung, als sie sich mit den anderen vor dem großen Spiegel drängelt, um sich für die Generalprobe zu schminken. Dann geht es nach oben zum letzten Durchlauf; am nächsten Tag ist die Premiere von Ibsens „Gespenster“. Dafür hat man sich ein beeindruckendes Bühnenbild ausgedacht: Das Mobiliar ist komplett in weißen Tüchern eingehüllt, auf ebenso bleiche Vorhänge wird Licht projiziert – ein gespenstisches Familienstück eben, mit patriarchalen Strukturen , aus denen schwer auszubrechen, die eigenen Geister zu vertreiben sind. Gerade das ist auch aktuell, wie Luisa von der Studiobühne findet: „Zwischen Idealismus und Realismus – es ist ein Spannungsfeld, das uns stark interessiert und das hängt mit der Gesellschaft zusammen, in der man aufwächst.“

Shakespeare-to-go und Filmadaption „Das Experiment“

Bei der erfolgreichen Premiere am 11. Oktober waren alle Sitze gefüllt. Das erhoffen sich wohl auch die anderen Theatergruppen mit ihren Stücken. Nach „Gespenster“ kommen am 25. und 26. Oktober Theateure mit „Un.Wetter“ unter der Regie von Helena Amen, die das Stück auch selbst geschrieben hat. Auf ernste und lustige Weise thematisiert das Stück die Willkür der Behörden und die Leidensspiele der Familie Müller, da ein kleines Mädchen gesucht wird. Im November ist die Wiederaufnahme von „Shakespeare Spots“ unter der Leitung von Karin Freymeyer angesagt. In Speed-Dating-Manier ziehen die ZuschauerInnen durch 25 Bühnen und lassen sich durch die finsteren Machenschaften der Shakespeare-Figuren in den Bann ziehen. Am 22. und 23. kommt „Das Experiment“ der Gruppe Außer Kontrolle auf die Bühne, unter der Regie von Jennifer Plüschke. Wie im psychologischen Stanford-Prison-Experiment gehen acht Männer in ein Scheingefängnis und verzichten auf ihre Privatsphäre für eine Untersuchung. Schon nach kurzer Zeit gerät das Experiment außer Kontrolle. Danach könnt Ihr Euch „Ein spanisches Stück“ ansehen, inszeniert von Drei Pünktchen. Es ist eine öffentliche Probe im MZ. Fünf Schauspieler proben vor Euch ein Stück von Yasmina Reza.

:bsz-Zeitpunkte

8.,9.,14 und 15. November, 19.30 Uhr: „Shakespeare Spots“, unter Leitung von Karin Freymeyer.

13. und 14. Dezember, 19.30 Uhr: „Kopenhagen“, inszeniert von Das Helsingörprojekt, Eintritt frei.

10. und 11. Januar, 19.30 Uhr: „Zwölf Stühle“ inszeniert von Lotman Theater, Eintritt frei.