Das Féile-an-Phobail-Festival in Belfast
Party und Politik
Quelle: Twitter / Jan Freytag
Politik trifft Kunst trifft Unterhaltung: In Belfast geht das alles Hand in Hand. Quelle: Twitter / Jan Freytag
Politik trifft Kunst trifft Unterhaltung: In Belfast geht das alles Hand in Hand.

Das Féile-an-Phobail-Festival passt eigentlich nicht nach Belfast. Wenigstens habe ich die Stadt bisher nicht mit Fröhlichkeit, Heiterkeit und Toleranz in Verbindung gebracht. Durch das Féile habe ich Belfast jedoch von einer ganz neuen Seite kennengelernt.

Féile an Phobail bedeutet übersetzt in etwa Gemeindefest oder Volksfest. Es hat aber weder etwas gemeinsam mit dem bayerischen Oktoberfest mit seinen Bierbänken und Maßkrügen noch mit der Cranger Kirmes. Es ist vielmehr eine besondere Mischung aus Festival und politischem Happening. Im Falls Park waren Zelte aufgestellt, in denen Bands wie Boyzone, Mod Selector oder Kaiser Chiefs auftraten. Ebenso gab es eine Karnevalsparade, bei der sich bunt gekleidete Menschen unter lautem ZuschauerInnenjubel durch die Straßen von West Belfast bewegten. In den vielen kleinen Pubs des Stadtgebietes traten Bands verschiedener Couleur auf, von patriotischen Rebellenbarden bis hin zu BalladensängerInnen. Zusätzlich zum musikalischen und karnevalesken Trubel wurde das Féile um Kunstausstellungen ergänzt, auf denen nicht nur junge irische KünstlerInnen ausstellten, sondern zum Beispiel auch welche aus Vietnam, die politische Ikonen wie Che Guevara im Pop-Art-Style verfremdeten.

Festival als Forum für Geschichte und Erinnerung

Auf dem Féile wird die irisch-republikanische Identität jedes Jahr aufs Neue verhandelt. Gegründet wurde es 1988 von Sinn-Féin-Parteichef Gerry Adams und einigen seiner Weggefährten, um das Image des katholischen West Belfast aufzubessern, das die BBC als „Terroristengemeinde“ verunglimpft hatte. Daher haben viele der politischen Veranstaltungen auch einen republikanischen Schwerpunkt; so gab es in diesem Jahr Veranstaltungen zum Gedenken an republikanische Gefangene und Ereignisse wie den Blutsonntag von Derry. Es wurde über den Friedensprozess diskutiert und an politische Ereignisse wie den Hungerstreik von 1981 oder an den protestantischen Generalstreik von 1974 erinnert. Bei Veranstaltungen zum Thema Frieden und Versöhnung waren die emotionalen Auswirkungen des Konfliktes zwar hautnah zu spüren, aber trotzdem wurde auf faire und sachliche Art und Weise miteinander gesprochen – etwas, das angesichts des Hasses und der Grausamkeiten des Nordirlandkonfliktes nicht selbstverständlich ist.

Féile – ein buntes, multikulturelles Potpourri

Das Féile ist ein bunter Mix aus Pop, Party und Politik – eine Mischung, die sich in Deutschland so eher selten finden lässt. Es verbindet nicht nur verschiedene Themenfelder, sondern auch die Gemeinschaften in Belfast und ist damit ein sichtbares Symbol für den fortschreitenden Friedensprozess in Nordirland. Für mich hat sich die Reise zum Féile auf jeden Fall gelohnt – nicht nur wegen der Veranstaltungen, sondern auch weil ich Belfast von seiner ungewohnt fröhlichen Seite kennenlernen konnte. Das Féile beweist, dass Belfast heute mehr ist als nur Konflikt, Bomben und Blut.

 :Gastautor Jan Freytag

 

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