Wie haben Studierende damals gefeiert?
Party trotz Höllenflammen!
Foto: Theodor Oberholtmann
Nicht Bier, sondern Wein gegen RUB und Deutschland: Die Anfangsjahre der RUB kannten nicht nur schon Griechenland-Solidarität, eine muntere politische Studierendenschaft und Partykultur, sondern verbanden auch politische Diskussion und Partys. Foto: Theodor Oberholtmann
Nicht Bier, sondern Wein gegen RUB und Deutschland: Die Anfangsjahre der RUB kannten nicht nur schon Griechenland-Solidarität, eine muntere politische Studierendenschaft und Partykultur, sondern verbanden auch politische Diskussion und Partys.
In fünf RUB-Jahrzehnten haben die Studierenden mehr Liter Bier konsumiert, als für den Bau der Uni Beton verrührt wurde – und das soll was heißen. Ein Rückblick auf die Partykultur der RUB.
 
Mit der Bologna-Reform, spätestens mit der Katastrophe der Duisburger Love Parade, die verschärfte Brandschutzverordnungen zur Folge hatte, befindet sich studentische Campus-Kultur auf dem Rückzug. Betroffen sind davon vor allem auch die verschiedenen (Fachschafts-)Partys.
 
„Wir nehmen einfach seit Jahren wahr, dass es überhaupt schwierig geworden ist, etwas als Fachschaft zu organisieren“, schildert eine Studentin, die sich für den FSR Slavistik engagiert. Denn viele Auflagen machen es Studierenden und Fachschaftsmitgliedern schwer, sich überhaupt noch abends in den Räumlichkeiten der Uni aufhalten zu dürfen. „Es ist einfach eine andere Politik geworden. Was noch vor Jahren locker möglich war, ist heute extrem schwierig geworden.“
 

Party- und Campus-Kultur in den Anfangsjahren

 
Dabei musste eine Campus-Kultur in der Anfangsphase der RUB erst mal entstehen, wie Willi Bredemeider, der während der Gründungsphase sein Studium an der RUB aufnahm, erzählt: „Die Mobilisierung bildungsferner Schichten brachte es mit sich, dass der Durchschnittsstudent an der RUB weniger Geld in der Tasche hatte als die Studierenden an etablierten Hochschulen. Sie brachten aus ihren Familien typischerweise eine hohe Arbeitsmoral mit. Viele blieben aus wirtschaftlichen Gründen zu Hause wohnen und kamen nur zur Uni, um dort zu lernen. Die Geselligkeitsangebote der Burschenschaften, die mit einem hohen Werbeaufwand im Ruhrgebiet Fuß zu fassen suchten, wurden von den meisten Studierenden abgelehnt.“
 
Stattdessen setzte man in den Anfangsstunden auf kumpelhafte Geselligkeit: „Als ich 1965 ein Semester in Hamburg studierte, redeten wir uns mit ,Herr Kommilitone‘ an. In Bochum wurde es selbstverständlich, dass jeder jeden duzte und man sich in der alten Mensa, dem großen Kommunikationszentrum der RUB, an jeden Tisch setzen und mitreden durfte“, so Bredemeier. 
Die Campus-Kultur war in der Gründungsphase zudem stark mit der Studierendenbewegung verknüpft, wie sich auch Bredemeier erinnert: „Viele politische Veranstaltungen hatten Happening-Charakter und gingen bruchlos in pure Geselligkeit oder nächtelange Diskussionen über.“  So verband man auch im 1967 eröffneten Kohlenkeller politische Debatten- mit ungezwungener Partykultur. Daran knüpfte auch später der KuCaf-Vorgänger RUB-PUB an: „Die vom Studentenwerk betriebene Container-Kneipe RUB-PUB wurde zum Kult und war immer brechend voll. In den vier Querenburger Kneipen funktionierte die Kommunikationskultur zwischen den Paohlbürgern (d.h. alteingesessene BürgerInnen, Anm. d. Red.) und den Studierenden eher nicht. Gegen die Langhaarigen wurde so manches Hausverbot verhängt. Ich liebte die Bratwurst mit Pommes bei einem Kneipier. Allerdings ging der nur in die Küche, wenn er dazu Lust hatte“, erinnert sich Bredemeier.