Die Geschichte der Paralympics
Paralympics
Bild: CC0
Symbolbild

Was sind die Paralympics? 

Jedes Jahr finden im Zuge der Olympischen Spiele auch die Paralympischen Spiele oder Paralympics statt. Was steckt dahinter und seit wann gibt es sie? 

 Das Wort Paralympics ist ein Portmanteau-Wort aus olympics und paraplegic (dt. querschnittsgelähmt). Auch vor den ersten offiziellen Paralympischen Spielen nahmen Menschen mit Behinderungen vereinzelt an den Olympischen Spielen Teil. 1948 veranstaltete der Neurologe Dr. Ludwig Guttmann die 1948 International Wheelchair Games für britische Veteranen mit Wirbelsäulenverletzungen in Stoke Mandeville, England. Dieser Ort nimmt eine wichtige Rolle in der Erzählungen rund um die Paralympics ein und gilt als Geburtsort der Spiele. Als sie 1952 das fünfte Mal stattfanden, nahmen auch israelische und niederländische Veteranen teil. Die ersten vier offiziellen Paralympischen Spiele, 1960 bis 1972, fanden ursprünglich noch unter dem Namen International Stoke Mandeville Games statt. Seit 1976 wurde der Name nicht nur offiziell übernommen, sondern neben den Sommerspielen fanden auch erstmals Winterspiele an. Seitdem bieten die Paralympics explizit Athlet:innen mit körperlicher Behinderung die Möglichkeit auf einer internationalen Bühne, um in Wettkämpfen um Medaillen zu streiten. 

 

Vieles bleibt grau 

Die Paralympics sind die größte und bekannteste Sportveranstaltung für Menschen mit körperlicher Behinderung. Wie ist die Lage für diese Menschen in China? 

Menschen mit Behinderungen werden vor viele Hindernisse gestellt, nicht nur durch ihre Beeinträchtigungen, sondern oft genug auch durch fehlende Barrierefreiheit, Diskriminierung und Ausgrenzung. Laut offiziellen Zahlen leben in China rund 85 Millionen Menschen, die eine Behinderung haben. Verglichen mit internationalen Schätzungen wirkt diese Zahl jedoch zu niedrig, denn die Weltgesundheitsorganisation geht weltweit von 15% aus, was für China mindestens 200 Millionen Menschen bedeuten würden. Laut der Nichtregierungsorganisation Human Rights Watch sind 40% der Menschen mit Behinderung in China nicht dazu in der Lage zu lesen oder zu schreiben – Laut Statista ist die Alphabetisierung in China mit 96 Prozent deutlich über dem internationalen Durchschnitt. Der Bericht von Human Rights Watch stammt aus dem Jahr 2013 und basiert auf 60 Interviews mit Familien und Schulkindern in verschiedenen Provinzen Chinas. Was diese Zahlen, und auch die Methodologie der Studie zeigen, ist jedoch vor allem die Unklarheit über die tatsächlichen Verhältnisse. Verlässliche Zahlen können weder NGOs liefern noch von der chinesischen Regierung erwartet werden. Der chinesische Dissident Chen Guangcheng findet, dass China ungeeignet ist als Austragungsort – jedoch nicht nur für die Paralympics, sondern jede internationale Großveranstaltung. Seit den Olympischen Spielen 2008 hat China die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet, und viele Orte allein in Beijing barrierefrei umgebaut. Schulen müssen Menschen mit Behinderungen eine ausreichende Lehre anbieten, dürfen sie nicht abweisen, und müssen beispielsweise auch Lern- und Prüfungsmaterial in Braille anbieten. Auch Unternehmen sind unter Strafe dazu verpflichtet, einen gewissen Prozentsatz an Menschen mit Behinderungen einzustellen. Viele dieser Verbesserungen finden sich in den Städten, und fehlen auf dem Land. Keinesfalls ist das jedoch ein rein chinesisches Problem. Seit den Untersuchungen durch Human Rights Watch hat sich also vielleicht doch einiges geändert. Auch, aber eben nicht nur, in China sind Menschen mit Behinderungen oft von Armut betroffen – ein Problem was die dortige Regierung jedoch bereits erkannt hat, und nach eigenen Angaben auch angeht. In Deutschland liegt das Armutsrisiko für Menschen mit Behinderung bei 20 Prozent, bei Menschen ohne Behinderung bei 13 Prozent. Das Fazit scheint zu sein, dass es schwierig ist, sich eine fundierte Meinung zu bilden. Die Rechte von Menschen mit Behinderungen müssen nicht nur von anderen Ländern eingefordert, sondern oft auch selbst erst einmal durchgesetzt werden. Ein Blick nach China ist wichtig, doch auch Deutschland muss sich an die eigene Nase fassen.

 

Skandale, Fakten, Rekorde

Bei den Paralympics geht es um alles! Die größten sportlichen Leistungen, die größten Erfolge, und manchmal: die dreistesten Aktionen. Ein paar Zahlen, ein paar Anekdoten: 

Rekorde: 

Trischa Zorn aus den USA, welche mit einer Sehbehinderung von 1980 bis 2004 bei den Paralympischen Spielen antrat, errang in dieser Zeit 55 Medaillien, 41 davon Gold. Damit ist die erfolgreichste paralympische Sportler:in. 

Die Norwegerin Ragnhild Mykelbust hält den Rekord für die meisten Medaillen bei den Winterspielen mit 27, 22 davon Goldmedaillen im Ski Nordisch. 

Mit 138 Athletinnen waren die Winterspiele 2022 die mit der größten weiblichen Beteiligung.

 

Fakten: 

Das Internationale Paralympische Komitee hat einige Kategorien etabliert, die verschiedene Behinderungen zusammenlegen. Diese Kategorien sind einerseits Kriterien für die Teilnahme, auf ihnen basiert jedoch auch die Auszeichnung mit Medaillen. Denn es treten möglichst Sportler:innen mit ähnlichen Einschränkungen gegeneinander an, um die Chancen fair zu halten.

Neben Menschen mit körperlichen Behinderungen, können auch Menschen mit Sehbehinderung oder geistiger Behinderung an den Spielen teilnehmen. 

2022 nahmen 564 Athlet:innen aus 46 Nationen teil. Belarus und Russland waren von den Spielen ausgeschlossen.

 

Skandale: 

Menschen mit geistiger Behinderung konnten zwischen 2000 und 2008 nicht an den Spielen teilnehmen, weil es einige Fälle von Betrug gab. Athlet:innen, die eigentlich nicht qualifiziert waren, traten dennoch an. 2008 wurden die Regeln verschärft, und nur noch Athlet:innen deren Behinderung bereits vor ihrem 18. Lebensjahr diagnostiziert wurde, dürfen teilnehmen. 

Doping ist bei den Paralympics genauso ein Problem wie bei den Olympischen Spielen. Ein besonderer Fall ist das boosting. Athlet:innen mit einer Wirbelsäulenverletzungen fügen sich dabei Schmerzimpulse in gelähmten Körperbereichen zu. Den Schmerz spüren sie dabei nicht, doch ihr Blutdruck und somit ihre Leistungsfähigkeit wird erhöht. 

:Jan-Krischan Spohr

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