Die GFPS-Städtetage finden nach Jahren wieder in Bochum statt
Osteuropa näher kommen
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GFPS: Deutschland, Polen, Tschechien und Belarus wachsen zusammen. Grafik: koi
GFPS: Deutschland, Polen, Tschechien und Belarus wachsen zusammen.

Im Interview erzählt :bsz-Redakteur Marek Firlej, warum er für die GFPS (Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa e.V.) die „Städtetage“ mitorganisiert und junge Menschen aus halb Europa in Bochum zusammenbringt. Unterstützt wird die Initiative dabei unter anderem vom RUB- AStA, dem FSR Germanistik und durch das EU-Programm „Jugend in Aktion“.

:bsz Marek, warum engagierst Du dich für die GFPS?

Marek Firlej: Ich war selbst mit einem GFPS-Studienstipendium für ein Semester in Toruń (Thorn) in Polen. Jetzt möchte ich gerne meinen Teil dazu leisten, dass auch andere Studierende diese Möglichkeit nutzen können. In den Seminaren habe ich mich gut wiedergefunden und das Land nicht nur kennen-, sondern auch lieben gelernt. Ich möchte eine Art Botschafter im Kleinen für Polen sein. Insgesamt ist es oft so, dass sich ehemalige Stipendiaten an den Verein binden.

Auf welche Probleme stößt Du bei diesem Anliegen?

Die Sache ist, dass GFPS in so genannten Stadtgruppen organisiert ist, vorzugsweise natürlich in Studierendenstädten. Das sind lose Freiwilligengruppen, die sich zu Stammtischen treffen und Veranstaltungen wie zum Beispiel kulturelle Abende ausrichten. Außerdem kümmern sich diese Gruppen um die StipendiatInnen und Gäste aus den östlichen Partnerländern Polen, Tschechien und Weißrussland. Die Unistädte Bochum, Duisburg, Essen, Dortmund und Düsseldorf sind zusammen in einer Stadtgruppe Rhein-Ruhr organisiert. Diese hat aber weniger aktive Mitglieder. Da vor allem Alumni an den Verein gebunden sind, die selbst viel zu tun haben, ist die Vernetzung etwas schwierig.
Für unser aktuelles Projekt „Städtetage“ werden wir aber von der Stadtgruppe Köln-Bonn unterstützt.

Was sind die Städtetage und wer seid Ihr?

Wir OrganisatorInnen sind ein harter Kern aus derzeit fünf Studierenden aus Köln, Bochum und Dortmund. Die Städtetage finden einmal im Semester statt, jeweils in wechselnden Städten in Polen und Deutschland. Zum einen treffen sich dort die Studien- und SprachstipendiatInnen das erste Mal, um sich über das bisher Erlebte auszutauschen. Zum anderen bietet die Veranstaltung aber nicht nur den StipendiatInnen, sondern allen Interessierten die Möglichkeit, eine Stadt, sei es im Gastgeber- oder auch Heimatland kennenzulernen.
Die Städtetage im Sommersemester 2012 zum Beispiel waren für mich die Gelegenheit, endlich einmal Bremen zu besuchen.

Was ist für Dich das Besondere an den Städtetagen?

Dadurch dass junge Menschen aus vier Ländern (Polen, Tschechien, Deutschland und Weißrussland, Anm. d. Redaktion) ein verlängertes Wochenende lang gemeinsam viel erleben und einander kennlernen, gehen die Erfahrungen über eine einfaches Seminar mit Stadtbesichtigung weit hinaus: Man lernt nämlich auch Einiges über die anderen Kulturen und reflektiert viel über Sprache. So können sich die TeilnehmerInnen ein viel differenzierteres Bild ihrer eigenen kulturellen Identität bilden. Damit rückt das übergeordnete Ziel auch in greifbare Nähe: Europa soll weiter zusammenwachsen!

Welches Programm plant Ihr für die jetzt anstehenden Bochumer Städtetage?
Obligatorisch bei einem Besuch in Bochum ist natürlich ein Halt im Deutschen Bergbaumuseum. Wie jeder weiß, repräsentiert die Currywurst das Ruhrgebiet nach außen hin. Darum werden wir auch eine Würstchenbude besuchen. Ansonsten ist uns natürlich viel daran gelegen, nicht bloß die typischen Sehenswürdigkeiten zu zeigen, sondern Einblicke in das Wesen einer Stadt zu ermöglichen. Deswegen versuchen wir, den Strukturwandel erlebbar zu machen und haben deshalb einen thematischen Schwerpunkt im Kreativviertel Westend/Ehrenfeld gesetzt. Wir stehen in Kontakt mit dem „Freien Kunst Territorium“ und dem Rottstr5-Theater und arbeiten gemeinsam an einem interaktiven Programm. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit Sprache. Diesem Thema nähern wir uns mit wissenschaftlichen Vorträgen und Workshops. Wir sind zuversichtlich, das Seminar für Slavistik und den FSR Slavistik der RUB dafür gewinnen zu können.

Was können die TeilnehmerInnen des Seminars aus dem Ruhrgebiet mitnehmen?

Auf jeden Fall die Erkenntnis, dass das Ruhrgebiet nicht mehr Kohle und Dreck, sondern eine reiche Geschichte und bunte kulturelle Vielfalt zu bieten hat. Außerdem lernt man auch abseits des Bildungsauftrages viele interessante Menschen aus halb Europa kennen. Und nicht umsonst sagt man den OsteuropäerInnen gute Partys nach.

Die Städtetage finden vom 2.-5. Mai in Bochum statt.
Es sind noch Plätze frei;  die Anmeldung startet im Laufe dieser Woche.
Haltet die Augen
auf www.gfps.org offen!