He’s here and he’s queer
Only here to sin
Bild: YouTube Screenshot
Ein teuflisches Musikvideo – die konservativen Teile der USA sind in Aufruhr. Bild: YouTube Screenshot
Ein teuflisches Musikvideo – die konservativen Teile der USA sind in Aufruhr. Bild: YouTube Screenshot

Call me by your name. Lil Nas X ist kein one-hit-wonder, wie er mit seinem neuen Song „Montero (Call Me By Your Name)“ bewiesen hat. Warum der Song so heiß diskutiert wird, erfahrt Ihr hier.

Songs, die sich mit religiösen Themen auseinandersetzen, sind keine Seltenheit. Seien es Gospel Songs oder Kayne Wests „Jesus Is King“ – sich künstlerisch mit religiösen Symbolen, Wesen und den Auswirkungen dieser Symbole auseinander zu setzen ist keine neue Sache. Und auch, wenn Lil Nas X mit seinem neuen Song „Montero (Call Me By Your Name)“ das Rad nicht neu erfunden hat, hat er damit gerade in den konservativen und ultra-christlichen Regionen der USA einen Aufschrei losgetreten. Lil Nas X erreicht mit seinem Song neben seinen üblichen Hörer:innen und der ein oder anderen wütenden Person auf Facebook ein viel größeres Publikum – beispielsweise hat bereits Fox News über sein Lied berichtet.
Lil Nas X ist jemand, der sich nicht im Hintergrund hält, was man nicht nur an seinen glamourösen Outfits auf den roten Teppichen dieser Welt erkennt, sondern auch an seinen unzähligen Remixen von seinem Erfolgshit „Old Town Road“. Und doch hat er mit seinem neusten Song eine ganz andere Art von Aufschrei hervorgebracht. Das mag mitunter daran liegen, dass der Künstler Plattformen wie Twitter zum Promoten seiner Musik nutzt, indem er provoziert. Auf verbale Angriffe wie die von Kaitlin Bennett kontert er schlagfertiger zurück als seine Angreifer:innen.
Mit seinem neuen Lied kommt jedoch auch eine neue Klage. Kurz nach der Veröffentlichung von „Montero“ releast der Künstler eine etwas andere Art von Merch: „Satan Shoes“, das sind modifizierte Nike Air Max 97s mit einem Pentagramm, einem Bibel Zitat und einem Tropfen menschlichen Bluts im Schuh. Hergestellt wurden die Schuhe vom Künstler:innenkollektiv MSCHF in New York, die bereits 2019 „Jesus Shoes“ herausgebracht haben, die, genau wie die „Satan Shoes“, modifizierte Nike Schuhe sind.

Wenn ein schwuler schwarzer Mann dem Teufel einen Lapdance gibt, ist es nicht verwunderlich, dass das viele Christ:innen entrüstet. Die sonst häufigste Antwort „fahr zur Hölle“ hat allerdings nun eine ganz andere Bedeutung. Denn das ist das, was Lil Nas X in seinem Song tut. Allerdings macht er das nicht auf die „Highway to Hell“ Art und Weise, sondern auf seine ganz eigene – unkonventionell tanzt er eine Pole Dance Stange vom Himmel in die Hölle hinunter. Lil Nas X symbolisiert genau das, was sich engstirnige konservative Christ:innen von der queer Community wünschen – er fährt in die Hölle. Allerdings ist „in der Hölle rotten“ keine Option für Lil Nas X. Er verbiegt sich nicht mehr nach den Wünschen konservativer Christ:innen. Er weiß, dass er von ihnen niemals vollwertig akzeptiert werden wird und das, was sie ihm wünschen, macht er zu seiner Stärke. Wie Lil Nas X schon in einem Tweet meint: „meine Teenagerjahre habe ich damit verbracht mich selbst zu hassen wegen dem Scheiß, den ihr gepredigt habt. […] Ich hoffe ihr seid wütend, bleibt wütend und fühlt die gleiche Wut, die ihr uns beigebracht habt zu fühlen“. Die Wut, die engstirnige Christ:innen queeren Menschen entgegengebracht haben, bekommen sie nun selbst zu spüren und das in einem Kontext, den sie sich gewünscht hatten, den ihnen aber gerade deswegen komplett missfällt. Mit seinem Meisterwerk „Montero (Call Me By Your Name)“ macht Lil Nas X das, was er am besten kann: auf eine provozierende Art und Weise laut und er selbst sein und damit auch eine Stimme für andere geben.

:Augustina Berger