Wer oder was bist du im Netz?
Online Kategorisierung – Schluss mit Schubladen
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 The Price is Right?! – Nicht immer! 	               Bild: fufu
The Price is Right?! – Nicht immer!

Digitale Welt. Im Internet sind alle Menschen gleich. Ich bin nicht sicher, ob das schon mal jemand gesagt hat, aber wenn ja, war es eine Lüge!

Ist Euch das auch schon einmal aufgefallen? Ihr wolltet etwas online kaufen, habt es erst am Laptop gesucht, anschließend noch an Eurem Smartphone und der Preis hat sich plötzlich deutlich verändert? Nein, das hat nichts mit der Schnelllebigkeit des Marktes oder fix angestiegener Nachfrage zu tun. Es hängt damit zusammen, dass man im Netz immer wieder in Filterblasen und Schubladen gesteckt wird, ob man will oder nicht. Bereits im Jahr 2012 wurde im Wall Street Journal von der Journalistin Dana Mattioli darauf aufmerksam gemacht, dass Mac-User*innen teurere Angebote und luxuriösere Hotelzimmer auf Onlineportalen empfohlen wurden, als es bei Windows-User*innen in den Top-Ergebnissen der Fall war. Angebote mit bis zu 30 Prozent höheren Preisen pro Nacht sollen beispielsweise auf der Reise-Plattform Orbitz unter den Top-Ergebnissen für Mac-User*innen angeboten worden sein. Und dabei handelte es sich um keine Ausnahme. Heutzutage werde der Fokus allerdings nicht nur auf eine Unterscheidung zwischen Mac oder Windows, sondern auch auf Android oder iPhone und iPad oder ähnliche Faktoren gesetzt. Teurere Produkte bedeuten dabei höhere Lebensstandards und potenziell höhere Ausgabebereitschaft. Aber nicht nur das Endgerät soll über die angezeigten Preise entscheiden, ebenso wo Ihr wohnt, die Häufigkeit mit der Ihr bestimmte Seiten besucht, ähnliche Seiten auf denen Ihr Euch im Netz rumtummelt oder Euer Betriebssystem können Einfluss darauf haben, welcher Preis am Ende vorgeschlagen wird. Ein Test der Verbraucherzentrale in Deutschland aus dem Jahr 2018 will allerdings diese Auswirkungen als Ausnahmefälle wissen. Lediglich zwei der untersuchten Online-Händler*innen hätten demnach eine Preisdifferenzierung aufgrund des Standorts gezeigt, bei der keine generelle Regelmäßigkeit festgestellt werden konnte. Die abweichenden Preise aufgrund der Endgeräte seien dennoch Realität. Sie rechnen dies aber eher dem sogenannten Dynamic Pricing zu, als individualisierten Preisdifferenzierungen. Dennoch stelle man eine generelle Verunsicherung der Kund*innen fest.

Doch die schlechten Nachrichten für Sparfüchse sind nur eine Seite der Medaille. Schlimmer wird es bei medizinischen Behandlungen. Hier machen sich andere Dimensionen der unfairen Algorithmen auf: So wurde von dem Wissenschaftsmagazin „Science“ darauf aufmerksam gemacht, dass in den Vereinigten Staaten von Amerika die afroamerikanische Bevölkerung teure medizinische Behandlungsmodelle häufig gar nicht erst angezeigt bekommt, da sie statistisch weniger Geld für medizinische Behandlungen ausgäben. Wobei dies häufig gar nicht mit mangelnder Zahlungsbereitschaft zusammen hänge, sondern eher mit dem Wohnort und der Anbindung an Krankenhäuser, mangelndes Vertrauen in das Gesundheitssystem oder direkte Diskriminierung durch Ärzt*innen. Dies hatte zur Folge, dass nur 17,7 Prozent der afroamerikanischen Patienten eine zusätzliche Behandlung zustand, während man bei ohne durch den Algorithmus verschuldete Sortierung mit einem potentiellen Anteil von 46,5 Prozent rechnen würde. Man wolle nun aber daran arbeiten, diese Ungerechtigkeit aufzuheben und die Software soll gemeinsam mit den Forscher*innen, die auf diese Unstimmigkeit aufmerksam gemacht haben, überarbeitet werden.

Das Magazin unabhängiger Reporter Riff Reporter verglich das Vorgehen der KI-Algorithmen mit dem eines erfahrenen Händlers, der dem Kunden ansieht, ob er kaufen will, wie viel er zu zahlen bereit ist, oder, ob er auf bestimmte Anreize und Werbemaßnahmen anspringt. Bei einer Tagung in Berlin vergangenen November haben sich demnach auch Marketing-Expert*innen getroffen, um sich über „Predictive Analytics“ auszutauschen. Hierbei werden Online-Kund*innen eingeordnet, um auch nur jenen Kund*innen Rabatte anzubieten, die ohne diese nicht zum Kauf übergehen würden. Wer mehr zahlen würde, solle dies auch tun. Beim Online Shopping, ist sowas natürlich unschön, doch wenn Gesundheitschancen von Individuen eingeschränkt werden, stehen wir
vor echten Problemen.                 

:Christian Feras Kaddoura