Kostenlose Kunst auf der Ruhrtriennale
Ohne Geld auf der Ruhrtriennale
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Ohne Verkleidung: Ein Flugzeug wird in Bochum zum Symbol einer Gemeinschaft, die im öffentlichen Raum entsteht. Bild: mag
Ohne Verkleidung: Ein Flugzeug wird in Bochum zum Symbol einer Gemeinschaft, die im öffentlichen Raum entsteht.

Kunstfestival. Auch fernab der abendlichen Veranstaltungen ist das Festival erlebbar, zum Beispiel vor der Jahrhunderthalle in Bochum. Die kostenlosen Installationen und Ausstellungen widmen sich den Themen des Festivals: Neubeginn, Protest und Zwischenzeit.

Zwischen Tanzstücken, Oratorien und Performances gibt es auf dem Festival auch freie Produktionen, die einen Ausflug wert sind. Hier wird keine Kunst gezeigt, die nur für Akademiker*innen verständlich ist, sondern eine, die in ihrer Einfachheit und mit ihrem Bezug zur Realität alle Menschen berührt und begeistert.

Revolutionäre in Essen

Im Museum Folkwang in Essen dreht sich in der Video-Installation „22 Hours“ alles um den französischen Autor Jean Genets. Er solidarisierte sich mit Unterdrückten und revolutionären Bewegungen auf der ganzen Welt, zum Beispiel mit der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung „Black Panther Party for Self Defense“. Zwei afroamerikanische Frauen gehen nun auf die Spuren des Autors und sein Wirken. Wie sieht die Gleichberechtigung damals und heute aus? Wie hat sich Genets Solidarität ausgewirkt? Die französisch-marokkanische Künstlerin Bouchra Khalili reflektiert in den Videos den Wert und die Bedeutung von vergangenen Revolutionären. Neben dieser Arbeit zeigt sie auch ihren Beitrag zur documenta 14 „The Tempest Society“. Die Öffnungszeiten findet ihr unter
tinyurl.com/GenetsHours.

Flugzeug in Bochum

Wer nicht so weit fahren möchte, findet auch kostenlose Kunst in Bochum. Vor dem Eingang der Jahrhunderthalle steht ein großes, in vier Teile geteiltes Flugzeug. Die Künstler*innengruppe raumlaborberlin zeigt mit „Third Space“ die Dekonstruktion, Rekonstruktion und Produktion eines Flugzeuges, dessen Bauelemente immer wieder umgestellt werden können. Das Kollektiv beschäftigt sich mit Fragen des öffentlichen Raumes und der Gemeinschaft, die darin entstehen kann. Ein Bauelement dient so als Werkstatt für Workshops, ein anderes ist eine Bar und in einem weiteren finden Veranstaltungen statt. Das komplette Programm des Festivalzentrums mit Diskussionen, Workshops, Lesungen und Konzerten findet ihr unter tinyurl.com/ThirdSpaceRT.
Nach einem Blick ins Cockpit, setzt man sich vor einem Bildschirm, nimmt sich einen Kopfhörer und schaut sich einen von zehn Kurzfilmen an, die unter dem Motto „Ende einer Zwischenzeit?“ von jungen Nachwuchskünstler*innen eingereicht wurden. Die Filme stehen im Kontext des zerstörten Flugzeuges genau richtig, indem sie Schockierendes zeigen. Zum Beispiel erweckt der Regisseur Jannis Alexander Kiefer in seinem Film „Comments“ echte YouTube-Kommentare zum Leben. So liest ein Junge im rechten Bild vor: „Einsacken, weichklopfen, zusammenschnüren, rein in den Flieger und ab nach Israel damit. Oder wahlweise nach Südafrika. Ist beides genehm.“ Währenddessen packt der Junge eine Frau ein. Die Absurdität dieser Kommentare und die erschreckende Bedeutung von ihnen wird auch in der nächsten Sequenz deutlich. Hier graben vier Männer eine Grube. Im rechten Bild liest einer von ihnen vor: „Lass uns eine Grube graben, damit lehnen wir 100 Asylanträge pro Stunde ab. Deutsche Effizienz für den Sondermüll. Die essen kein Schwein, weil sie selbst eins sind, das wäre ja Kannibalismus. Lass uns graben.“ Man sieht, wie sie nicht nur ein Loch mit Schaufeln buddeln, sondern gleichzeitig einen Menschen begraben.
 

:Maike Grabow
 

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