Proteste gegen Studiengebühren in England
No Ifs, no Buts, no Education Cuts!
Foto: Anthony Bennison, flickr.com
Studierende für freie Bildung: In London gingen tausende junge Menschen auf die Straße. Foto: Anthony Bennison, flickr.com
Studierende für freie Bildung: In London gingen tausende junge Menschen auf die Straße.

Englands Studierende gingen auf die Straße und demonstrierten wiederholt gegen die hohen Studiengebühren im Land. Nachdem es bereits im Oktober Protestaktionen gab, lieferten sich am vergangenen Mittwoch in London 10.000 DemonstrantInnen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Ihr Credo: Freie Bildung wie in Deutschland! Premierminister David Cameron steht im Zentrum der Kritik, will aber sogar die Gebühren erhöhen.

Deutschlands Universitäten sind so erfolgreich wie nie, zumindest wenn man die absoluten Studierendenzahlen als Indikator nimmt: 2,7 Millionen Menschen besuchen eine Hochschule und das trotz rückläufiger Neueinschreibungen. Studieren in Deutschland ist zur Normalität geworden, eine AkademikerInnen-Laufbahn attraktiver als eine duale Ausbildung. Ein ganz großer Anreiz dabei: Man zahlt hier keine Studiengebühren. In England hingegen müssen Studierende maximal 9000 Pfund pro Jahr (ca. 11.300 Euro) auf den Tisch legen, um an einer, wohlgemerkt staatlichen, Universität eingeschrieben sein zu können; für ausländische Studierende kann es noch teurer werden.

„Die Ära der hohen Studiengebühren ist vorbei!“

So ist es wenig überraschend, dass es wiederholt zu Studierendenprotesten in London gekommen ist. Am vergangenen Mittwoch zogen rund 10.000 Menschen über den Parliament Square und kritisierten lautstark die Politik des Premierministers David Cameron von den Conservatives. Cameron hatte 2010 als einer seiner ersten Amtshandlungen die Studiengebühren von rund 6.000 Pfund auf bis zu 9.000 Pfund erhöht und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, der mit den „London Riots“ seinen Höhepunkt fand. Damals begründete der Premier die Anhebung der Gebühren mit dem großen Staatsdefizit, das die Labour-Vorgängerregierung aufgrund der milliardenschweren Banken-Rettungsaktionen hinterlassen hatte.

Die jüngsten Proteste organisierte die „Students Assembly Against Austerity“. Der Marsch startete vor der University of London und endete vor dem House of Commons. „Die Ära der hohen Studiengebühren ist vorbei“, sagte der Organisator Aaron Kiley, der ein Leben ohne riesigen Schuldenberg führen will – so wie das in Deutschland zumindest bei den meisten Studierenden der Fall ist. „Deutschland ist unser Vorbild, wir wollen weg von den Barrieren für Studierende und hin zu freier Bildung!“, so Kiley. Die Proteste verliefen nicht ohne Gewalt, etwa 400 Studierende wurden festgenommen; die Polizei griff dabei zum Teil hart durch. Dementsprechend gereizt antworten die Protestierenden: „No Justice, No Peace, F*ck the Police!“

Kein Bafög in England, dafür „Loans“

Aktuell diskutiert das englische Parlament über eine weitere Erhöhung der Studiengebühren. In England staffeln sich diese nach dem Einkommen der Eltern. Studierende, die das Geld nicht direkt aufbringen können, werden vom Finanzministerium unterstützt und müssen erst, wenn sie einen festen Job haben, mit der Rückzahlung der „Loans“ beginnen. Es gibt also eine staatliche Unterstützung, ein zinsloses Darlehen, das im Gegensatz zum Bafög komplett zurückgezahlt werden muss. Bei einem Bachelor-Studium kommen da gut 50.000 bis 60.000 Pfund zusammen. Für viele bedeutet das einen lebenslangen Schuldenberg. Die aktuelle Regierung um David Cameron wird daran nichts ändern und die Problematik sogar verschärfen. Freie Bildung wird es auf lange Sicht nicht geben. Das Vorbild Deutschland hingegen bezahlt diese Freiheit mit überfüllten Hörsälen und nichtbesetzten Ausbildungsplätzen. Was ist die Alternative?

:Tim Schwermer