Nirvana-Doku „Cobain: Montage of Heck“ im Kino
Nirvana-Doku „Cobain: Montage of Heck“ im Kino
Foto: flickr.com, nicechickenpotpie (CC BY-NC-SA 2.0)
Wo die Liebe hinführt: Kurt und Courtney süchtig nacheinander – und nach Heroin. Foto: flickr.com, nicechickenpotpie (CC BY-NC-SA 2.0)
Wo die Liebe hinführt: Kurt und Courtney süchtig nacheinander – und nach Heroin.

Gut 21 Jahre nach Kurt Cobains Selbstmord kommt eine neue Doku über Nirvana für kurze Zeit in die Kinos. „Cobain: Montage of Heck“ liefert einen bisher unbekannten Einblick in das Seelenleben des Nirvana-Frontmanns – und stellt seine Witwe Courtney Love in ein fragwürdiges Licht.

Wenn Menschen sich das Leben nehmen, auch wenn sie eine Familie, Ruhm und Reichtum besitzen, muss immer die Frage gestellt werden, warum es soweit kommen musste. Die exklusive Filmvorführung von „Montage of Heck“, die am vergangenen Wochenende nur in ausgewählten Kinos zu sehen war, versucht, genau dieser Frage auf den Grund zu gehen. Was für ein Mensch war Kurt Cobain wirklich und welchen Einfluss hatte seine Frau Courtney Love auf seinen Freitod?

Eine aufwendige Produktion – Universal sei dank!

Dokumentarfilmemacher Brett Morgan, der schon mit „Crossfire Hurricane“ eine gelungene Musik-Doku produziert hatte, geht bei „Cobain: Montage of Heck“ noch einen Schritt weiter. Dank umfassendem Einblick in das private Archiv des Grunge-Stars zauberte er ein aufwendig produziertes Meisterwerk – mit den finanziellen Möglichkeiten der Universal Pictures. Cobains Tochter Frances agierte bei der Umsetzung des Films als Coproduzentin und wollte vor allem nicht den Helden einer ganzen Generation in den Vordergrund stellen, sondern den Menschen, der er gewesen ist – mit all seinen Fehlern und Fähigkeiten.

Chronologie des Höllentrips

Mit bisher unveröffentlichten Songs, Zeichnungen des jungen Kurt und Videomaterial schafft Morgan eine nicht für möglich gehaltene Authentizität, der durch kluge 3D-Animationen im Comic-Format tiefe Einblicke in das Seelenbild des Künstlers liefert.

Sein Leben, sein zerrissenes Verhältnis zu seinen leiblichen Eltern, der Einfluss seiner Freunde und nicht zuletzt seine Beziehung zu Courtney Love wird in der Doku schonungs- und kompromisslos aufgezeigt, und Love kommt dabei nicht unbedingt gut weg. Nicht zuletzt stand sie seit seinem Selbstmord 1994 stark in der Kritik, weil sie dem Heroin abhängigen Kurt nicht helfen konnte, was sie in der Doku bedauert. Die privaten Videoaufzeichnungen untermauern, wie beide von der Drogenabhängigkeit gezeichnete Charaktere sich gegenseitig zerstören. Die Beziehung der beiden wird intensiv aufgezeigt, was den Film am Ende unnötigerweise in die Länge zieht.

Menschen lieben das (auto-)destruktive Genie

Dem jungen Kurt, einem begnadeten Zeichner und später  musikalischem Genie, stieg der Ruhm zu Kopf und seine Selbstzerstörung durch Heroin und Tabletten kostete ihn am Ende das Leben. Ob Courtney Love ihn in den Tod getrieben hat, kann nicht beantwortet werden. Wie alle Musen brachte auch sie nicht nur Kreativität und Motivation beim Künstler zum Vorschein. Dass sie als Witwe Cobains über das 100-Millionen-Dollar-Erbe verfügt und weitere Millionen mit diesem Film verdient, sollte allen Fans klar sein. Empfehlenswert ist der Streifen trotzdem.

:Tim Schwermer