TSG abschaffen!
Nichtbinär? Nicht-existent
Bild: Fotini Kouneli
Symbolbild

Kundgebung. Die gescheiterte Reformierung des Transsexuellengesetz (TSG) beeinflusst auch die queere Community in Bochum. Deswegen haben studentische Gruppierungen der RUB eine Demonstration veranstaltet. 

Auch, wenn der Pride Month eigentlich ein Grund zum Feiern ist, war die Kundgebung, die dieses Jahr am Dienstag, den 1. Juni, stattfand, keine Zelebration. Denn der Protest fand unter dem Motto „Selbstbestimmung jetzt! TSG abschaffen“ statt. Demonstriert wurde gegen das TSG, dessen Reformierung der Bundestag abgelehnt hat. Dazu versammelten sich über hundert Anwesende auf dem Dr.-Ruer-Platz in der Innenstadt. Ins Leben gerufen wurde die Kundgebung von studentischen Gruppen der RUB: GRAS, SDS Bochum, Queer an der RUB, Linke Liste, JUSOS Bochum und der Gleichstellung Philologie der RUB. 
Primär beschäftigte sich die Kundgebung mit dem TSG und den Auswirkungen des Gesetzes auf die queere Community. Es wurde aber auch kritisiert, dass mit dem TSG nur Transpersonen angesprochen werden: „Das TSG schließt nichtbinäre und inter*- Personen kategorisch aus, da es von einem Wechsel von dem einen Geschlecht ins andere spricht. Es gibt mehr als nur zwei Geschlechter, davor verschließen sich aber sowohl die Gesellschaft als auch das deutsche Rechtssystem. „[…] [Nichtbinäre Menschen] sind für das deutsche Gesetz immer noch unsichtbar oder eher nicht-existent“, so Feo von Queer an der RUB. Auch war die Selbstbestimmung, die trans-, inter*- und nichtbinären Menschen verwehrt bleibt, ein großes Thema. Es bleibe „den Betroffenen weiterhin unmöglich, unkompliziert ihren Personenstand zu ändern oder selbstbestimmt über ihren Körper zu entscheiden. Stattdessen stehen ihnen übergriffige Begutachtungsprozeduren bevor, […] [und sie] werden also weiterhin bevormundet; es wird so getan, als könnte eine fremde Person besser darüber entscheiden, ob eine Transition sinnvoll ist, als sie selbst.“
Das TSG greift aber nicht nur in die Selbstbestimmung der Betroffenen ein, denn das Gesetz beeinflusst mehr als die Identität der Menschen. Die Begutachtung, die notwendig zur Transition ist, kostet zwischen 1500 und 2000 Euro. „Wo nichtbinäre Menschen nicht mit dem Tod bedroht werden, sind sie besonders häufig von Gewalt, prekären Beschäftigungssituationen sowie Wohnungs- und Arbeitslosigkeit betroffen. Das ist relevant, weil durch die Ablehnung des Selbstbestimmungsgesetzes auch die Verankerung der Gesundheitsleistungen der betroffenen Gruppen im Sozialgesetzbuch abgelehnt wurde“, dabei sei gerade diese Begutachtung eine „Gesundheitsleistung, die unserer Ansicht nach selbstverständlich sein sollte!“, so Tabea von der SDS Bochum. 

:Augustina Berger